Südafrika: Bildung und Wissenschaft

Studierende am Rednerpult ihrer Dozentin.

Die wichtigsten regionalen Informationen zum Bildungssystem und umfassende Daten zu Hochschulen, Studium, Forschung, Lehre, Internationalisierung und Bildungskooperationen haben wir in der folgenden Übersicht für Sie zusammengefasst.

Inhalt

Rahmenbedingungen

Seit dem Ende der Apartheid transformiert Südafrika sein Bildungs- und Wissenschaftssystem, um strukturelle Ungleichheiten abzubauen und mehr Chancengleichheit zu schaffen. Der National Development Plan 2030 (NDP 2030) weist tertiärer Bildung und Forschung eine Schlüsselrolle für eine gerechtere, wissensbasierte Gesellschaft zu. Bildung und Wissenschaft werden seit Mai 2024 wieder getrennt von zwei Ministerien, dem Bildungsministerium (Department of Higher Education and Training, DHET) und dem Forschungsministerium (Department of Science, Technology and Innovation, DSTI), verantwortet.

Zentrale Steuerungselemente sind das Education White Paper 3 und der Higher Education Act von 1997 sowie der National Plan for Higher Education. Zielgerichtete Förderinstrumente und Programme, vor allem für vormals benachteiligte Hochschulen (HDIs), sowie die National Research Foundation (NRF) sichern Kapazitätsaufbau und Forschungsförderung. Die staatliche Finanzierung erfolgt bedarfs- und leistungsorientiert mit gezielter Unterstützung für HDIs.

Trotz eines Anstiegs der Studierendenzahlen auf über 1,3 Millionen (2023) bleibt der Zugang zu Bachelorplätzen begrenzt, die Ressourcen sind knapp, da Mittel stagnieren. Finanzielle Belastungen erschweren besonders sozial benachteiligten Gruppen das Studium; staatliche Förderprogramme wie das National Student Financial Aid Scheme (NSFAS) federn dies teilweise ab. Die #FeesMustFall-Proteste führten zu einer Begrenzung der Studiengebühren.

Der Anteil schwarzer Studierender (über 80 %) und Lehrender (knapp 63 %) ist deutlich gestiegen. Herausforderungen zeigen sich besonders im Bereich Postgraduierter: Die Einschreibungen und Abschlussquoten bei Master und PhD liegen noch unter dem nationalen Ziel. Das südafrikanische Science, Technology and Innovation-System verfolgt den Ansatz, gesellschaftlichen Nutzen und wissenschaftliche Exzellenz zu verbinden. Strategische Rahmenwerke und gezielte Programme fördern Open Science, Innovation und internationale Kooperationen.

Hochschul- und Wissenschaftssystem

Das Studienmodell Südafrikas ähnelt grundsätzlich dem deutschen System, aber mit eigenen Spezifika, z. B. dem Honours-Studium als Zugangsvoraussetzung für Masterprogramme. Die Modularisierung und Ausgestaltung ermöglichen flexible Bildungswege, die dem Arbeitsmarktbedarf und internationalen Entwicklungen entsprechen.

Das südafrikanische Hochschulsystem besteht aus 26 staatlichen Universitäten, unterteilt in:

  • 11 Volluniversitäten: klassische, forschungsorientierte Hochschulen
  • 6 technische Universitäten: praxisnahe, berufsbezogene Studiengänge (ehemalige Technikons)
  • 9 Comprehensive Universities: verbinden wissenschaftliche Tiefe und anwendungsorientierte Angebote

Private Hochschulen gewinnen an Bedeutung und sind meist auf Spezialbereiche wie Betriebswirtschaft, Design oder Gesundheitswissenschaften fokussiert.

Internationalisierung und Bildungskooperationen

Die Internationalisierung von Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) sowie der Hochschulbildung zählt heute zu den strategischen Prioritäten Südafrikas. Seit dem demokratischen Umbruch 1994 hat das Land ein breites Netzwerk internationaler Forschungspartnerschaften und Hochschulkooperationen aufgebaut. Das 2019 veröffentlichte Strategiepapier des Department of Education and Training (DHET) bildet seither den maßgeblichen Rahmen für die Entwicklung internationaler Aktivitäten südafrikanischer Hochschulen und steuert die Ausgestaltung von Partnerschaften mit ausländischen Institutionen.

Im selben Jahr führte das Department of Science, Technology and Innovation (DSTI) im White Paper on STI erstmals Leitlinien einer südafrikanischen "Science Diplomacy" vor. Der aktuelle Strategische Entwicklungsplan 2020 - 2025 des DSTI betont das breite vorhandene Partnerschaftsnetzwerk als wesentlichen Motor für Südafrikas Entwicklung und setzt Schwerpunkte auf die gezielte Verknüpfung mit internationalen Forschungseinrichtungen und multinationalen Unternehmen.

Zentrale Bedeutung hat darüber hinaus der Ausbau regionaler und pan-afrikanischer Partnerschaften, um afrikanische Forschungskooperationen zu stärken und Süd-Süd-Kooperationen zu intensivieren. Enge Beziehungen bestehen zur Europäischen Union, insbesondere zu Programmen wie Horizon Europe und Erasmus. Das 1996 gestartete bilaterale Abkommen mit Deutschland ist bis heute zentrales Instrument der Forschungskooperation.

Regionale Zusammenarbeit ist gerade im südlichen Afrika von Bedeutung, was sich auch an der internationalen Studierendenschaft zeigt: Zwei Drittel der 2023 registrierten ausländischen Studierenden (insgesamt 2,92 %) stammten aus den SADC-Staaten, vor allem aus Simbabwe. 12.636 südafrikanische Studierende sind derzeit im Ausland eingeschrieben, wobei Deutschland hinter den USA, Großbritannien und Kuba den vierten Platz der Zielländer einnimmt. Die International Education Association of South Africa (IEASA) übernimmt eine wichtige Rolle für Austausch und Vernetzung. 

Zusätzlich unterstützt das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten:

DAAD KIWi
Das Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) unterstützt deutsche Hochschulen bei der Anbahnung und Durchführung ihrer internationalen Aktivitäten. Mit individueller Beratung, vernetzter Expertise und Impulsen für den außenwissenschaftspolitischen Diskurs.

Finden Sie im Folgenden eine Auswahl unserer Förderprogramme:

African Excellence – Fachzentren Afrika
Das Programm unterstützt afrikanische Universitäten beim Aufbau von Exzellenzzentren und der Verbesserung von Hochschulbildung und Forschung.
Globale Zentren
Globale Herausforderungen können nur gemeinsam bewältigt werden. Angesichts dieser Überzeugung fördert der DAAD den Aufbau von acht Globalen Zentren, je vier für Klima & Umwelt sowie für Gesundheit & Pandemievorsorge.
Surplace-/ Drittlandstipendienprogramm
Mit dem Surplace-/Drittlandstipendienprogramm fördert der DAAD die Ausbildung zukünftiger Fach- und Führungskräfte in Entwicklungsländern.
SDG-Partnerschaften
Das Förderprogramm unterstützt Hochschulpartnerschaften in Sustainable Development Goals-Bereichen zum Aufbau leistungsfähiger, weltoffener Hochschulen.
Lehramt.International
Das DAAD-Förderprogramm unterstützt Lehramtsstudierende bei Auslandsaufenthalten und Hochschulen bei der Internationalisierung der Lehramts­studiengänge.

Publikationen zum Thema Bildung und Wissenschaft finden Sie hier:

DAAD Globus Länderbericht
Länderberichte geben Auskunft zu den allgemeinen Merkmalen ausländischer Bildungs- und Wissenschaftssysteme, erläutern den Stand der Internationalisierung und die Schwerpunkte der Bildungskooperation und geben darüber hinaus Einblick in die DAAD-Aktivitäten vor Ort.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Bildung und Wissenschaft in Südafrika: