Ghana: Bildung und Wissenschaft

Ein Denkmal von einem Mann.

Die Hochschullandschaft Ghanas befindet sich in einer Phase der massiven Expansion. Existierten 1994 lediglich 6 öffentliche Universitäten in Ghana, so weist der tertiäre Bildungssektor nach Zahlen von Juni 2019 insgesamt 205 durch das National Accreditation Board anerkannte Universitäten, Colleges, „Polytechnics“ und andere Institute (öffentlich ebenso wie privat) auf – ein mehr als 30-facher Anstieg innerhalb von 20 Jahren. Die Universitäten sind höhere Bildungseinrichtungen, die eine möglichst große Bandbreite an Fächern anbieten und neben der Ausbildung auch Forschungsmöglichkeiten bieten. Die zwei- bis dreijährigen „Polytechnics“ bieten postsekundäre Bildung im technischen Bereich an, an „Colleges of Education“ sind in verschiedenen Fächern fachspezifische nationale Diplome zu erwerben (Sprachen, Landwirtschaft, Pflegeberufe etc.). Diese Diplome können entweder zum Berufseinstieg oder – einen guten Abschluss vorausgesetzt – zum Weiterstudium an einer Hochschule genutzt werden.

Ein ähnlich ansteigender Trend gilt für Ghanas Studierendenzahlen, mit einem Anstieg von über 240.000 auf 443.693 zwischen 2009 und 2018. Diese Entwicklungen gehen mit einer zunehmend starken Fokussierung der politischen Agenda auf Bildung einher.

Das vom Bildungsministerium (MoE) ausgearbeitete Strategiedokument, der „Education Strategic Plan 2018- 2030“ sowie der „Education Sector Medium-Term Development Plan“ identifizieren u.a. folgende Prioritäten: verbesserter Zugang zu tertiärer Bildung insbesondere für Frauen und andere marginalisierte Gruppen, Erhöhung des Anteils der Studierenden in STEM-Fächern, verstärkte Qualitätskontrolle und gezielte Förderung von entwicklungsrelevanten Forschungsaktivitäten. Die Bildungsstrategie wurde mit Unterstützung des britischen Department for International Development (DFID) erarbeitet und ist mit konkreten Indikatoren und Wirkungsgefügen versehen – ein Novum für Ghana. Inwieweit die Maßnahmen umgesetzt werden können, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Die Bildungsstrategie sieht auch Reformen in anderen Bildungsbereichen vor. Sie setzt ambitionierte Schwerpunkte im Bereich der sekundären Bildung durch die 2017 begonnene flächendeckende Abschaffung von Gebühren für „Senior High Schools“. Durch die absehbar steigende Anzahl an Sekundarschulabsolventen kann mittelfristig auch von einem verstärkten Bedarf an Studienplätzen gerechnet werden. Ein weiterer Fokus der Aktivitäten der Regierung liegt – noch stärker als bisher – auf der Berufsbildung.

Auf den Mangel an öffentlichen Studienplätzen reagiert die Regierung mit der vereinfachten Akkreditierung von ursprünglich nicht tertiären Bildungseinrichtungen, insbesondere auch in privater Trägerschaft. In Zukunft soll die Expansion des Hochschulsektors stärker bedarfsorientiert erfolgen. Die schnelle Ausweitung geht jedoch teilweise auf Kosten der Qualität – internationale Standards werden noch nicht an allen Institutionen erreicht. Durch Qualitätssicherungsinstrumente und effizienteres Hochschulmanagement soll dies verbessert werden.

Die Förderung von promovierten Dozenten an den ghanaischen Hochschulen bleibt ein wichtiges Thema – bisher ist der Anteil von promovierten Hochschullehrern und -lehrerinnen noch relativ gering. Große Teile des höherqualifizierten Lehrkörpers, vor allem an finanziell besser ausgestatteten privaten Universitäten, haben im Ausland promoviert. Bei vielen Dozentinnen und Dozenten stellt die geringe Erfahrung und Auseinandersetzung mit Hochschuldidaktik ein Problem dar. Um dem entgegenzuwirken, soll die Hochschullehrerausbildung verbessert werden, u.a. durch den Ausbau der „Colleges of Education“ zu Universitäten sowie durch die Forcierung von Praxiserfahrungen für Hochschullehrerende.

An den Institutionen der höheren Bildung wird nur begrenzt Forschung betrieben, obwohl es teilweise eine Publikationspflicht gibt. Dozenten aller staatlichen Universitäten erhalten formal einen monatlichen Pauschalbetrag, der in Forschung investiert werden soll (Literaturbeschaffung etc.). Laut der neuen Bildungsstrategie soll es in Zukunft statt dieser individuellen Zahlung einen National Research Fund (NRF) geben, um gezielt konkrete Forschungsvorhaben fördern zu können.

Um die Praxisanbindung und die berufliche Anschlussfähigkeit der Absolventen zu verbessern, sind seit 2016 zehn ghanaische „Polytechnics“ auf der Grundlage deutscher Vorbilder zu Hochschulen für angewandte Wissenschaften bzw. Technischen Universitäten umgebaut worden. Diese Neuausrichtung sollte mit dazu beitragen, das Angebot in den Natur- und Ingenieurswissenschaften auszuweiten. Die Umstrukturierung ist mittlerweile weitgehend abgeschlossen, allerdings befinden sich die neuen Hochschulen noch in einer Phase, in der sie ihre geänderten Profile und ihre Rolle in der Hochschullandschaft finden müssen.

Es gibt folgende ghanaische Schulabschlüsse:

  • Sekundarschulabschlüsse: General Certificate of Education (Ordinary und Advanced Level), Higher School Certificate, School Certificate, West African Senior School Certificate
  • Berufsbildende Abschlüsse: Higher Education Diploma
  • Studienabschlüsse: Bachelor, Master, PhD

Es existiert keine Allgemeine Hochschulreife, die den Zugang zu allen Studiengängen ermöglicht. Daher wird der Hochschulzugang bereits über die Wahl der Sekundarschule und der jeweiligen Fächerkombination geregelt. Die Wahl von sprachlichen Leistungskursen beispielweise berechtigt zum Studium von Sprachen, die Wahl naturwissenschaftlicher Leistungskurse berechtigt zum naturwissenschaftlichen Studium etc.

Die allgemeinen Studiengebühren an ghanaischen Hochschulen sind kaum durch einen Mittelwert anzugeben. Sie variieren sehr stark von Institution zu Institution, insbesondere an privaten Institutionen. Die Differenz zwischen Gebühren für ghanaische Studierende und internationale Studierende ist jedoch an jeder Institution sehr groß. Die Gebühren variieren zwischen 1.000 USD und 7.000 USD pro Studienjahr.

Nationale Bildungsagenturen sind zum jetzigen Zeitpunkt das NCTE (National Council for Tertiary Education), das NAB (National Accreditation Board) und GET Fund (nationale Stipendien):

  • Das NCTE arbeitet direkt mit dem Bildungsministerium zusammen, ist verantwortlich für die korrekte Administration der ghanaischen Institutionen der höheren Bildung und berät den Minister für tertiäre Bildung in Bezug auf die ghanaischen Hochschulen bei allen politischen Initiativen.
     
  • Eine Neuerung in der aktuellen Bildungsstrategie ist die geplante Zusammenlegung von National Accreditation Board und National Council for Tertiary Education zu einem Education Reform Secretariat.
     
  • Der GET Fund ist eine Einrichtung speziell für Stipendien- und Förderprogramme für ghanaische Studierende und Graduierte sowie Förderung von Bildungsinstitutionen und - projekten. Das Scholarship Secretariat ist das ausführende Organ für alle individuellen Stipendien- und Förderungsprogramme, ebenso wie Kooperationsprogramme wie beispielsweise das Regierungsstipendienprogramm der ghanaischen Regierung und dem DAAD. Das Scholarship Secretariat untersteht direkt dem Büro des Präsidenten und nicht dem Bildungsministerium.

Zudem hat die AAU (Association of African Universities) ihren Sitz in Ghanas Hauptstadt Accra.

Verfasserin: Lena Leumer, Leiterin des Informationszentrums Accra 

Der DAAD ist in Ghana mit einem Informationszentrum in Accra vertreten und verfügt derzeit über drei Mitarbeiter.