Weltflüchtlingstag

DAAD: Qualifizierung von Flüchtlingen an den Hochschulen verstetigen

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni weist der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) auf die Erfolge der Hochschulen bei der Integration von Flüchtlingen hin. Zudem appelliert DAAD-Präsident Mukherjee an die Politik, bei weltweit steigenden Flüchtlingszahlen die Qualifizierung von Geflüchteten als Daueraufgabe im deutschen Hochschulsystem zu verankern.

Geflüchtete Studierende an einer Universität


„Nach fünf Jahren erfolgreicher Integrationsarbeit an den Hochschulen ist es Zeit, die Qualifizierung von Flüchtlingen dauerhaft im Hochschulsystem zu verankern“, sagte DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. Der Bedarf werde auch in Zukunft kaum sinken. „Es ist eine einfache Rechnung: Die weltweit steigenden Flüchtlingszahlen erhöhen auch in Deutschland die Notwendigkeit akademischer Integrations- und Qualifizierungsprogramme für Geflüchtete. Die Hochschulen im Land müssen dafür entsprechend ausgestattet werden“, so der DAAD-Präsident.

Aktuell überdecke die Corona-Pandemie zwar viele Krisenherde in der öffentlichen Wahrnehmung, die vielfältigen Fluchtursachen beispielsweise in Afghanistan, Syrien oder verschiedenen Ländern Afrikas seien aber weiterhin wirksam. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) befanden sich Mitte 2020 rund 80 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht – die Zahl hat sich seit 2010 verdoppelt. 

Rund 30.000 Geflüchtete im Fachstudium

Der DAAD blicke anlässlich des Weltflüchtlingstages auch auf die Erfolge der bisherigen Arbeit zurück: „Gemeinsam mit unseren Mitgliedshochschulen und -Studierendenschaften haben wir nach der großen Fluchtbewegung in 2015 schnell reagiert. Dank finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der NRW-Landesregierung haben wir bereits ab 2016 mehrere Programme zur Qualifizierung und Integration von Geflüchteten ins Leben gerufen.“ Die Ergebnisse dieser Arbeit seien nun sichtbar. „Wir schätzen, dass derzeit rund 30.000 Geflüchtete in einem Fachstudium eingeschrieben sind. Zudem haben inzwischen mehrere Tausend von ihnen einen Masterabschluss erreicht“, so Mukherjee. Die Qualifikation von Flüchtlingen trage somit auch zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Bundesrepublik bei. 

Die Hochschulen in Deutschland hätten dabei in den vergangen fünf Jahren Großes geleistet: „Mit starkem Engagement haben sie mindestens 40.000 Geflüchtete im Rahmen der DAAD-Programme auf ein Studium vorbereitet. Jedes Jahr führen sie ebenso viele Beratungsgespräche mit studieninteressierten Flüchtlingen, und studentische Willkommensinitiativen helfen rund 20.000 Geflüchteten bei der Integration auf dem Campus“, so der DAAD-Präsident.

Auf diese Erfolge gelte es aufzubauen: „Vorausschauende Außenwissenschaftspolitik im Zeitalter des Anthropozäns denkt die Auswirkungen weltweiter Fluchtbewegungen mit“, so Mukherjee. Die Migration und die damit verbundene notwendige Schaffung von Qualifizierungsmöglichkeiten für Geflüchtete werde trotz aktuell geringerer Flüchtlingszahlen in Deutschland ein Dauerthema für die Bundespolitik, die Hochschulen und damit für den DAAD bleiben.

DAAD-Flüchtlingsprogramme: Von Integra bis NRW-Wege 

Die DAAD-Programme sind Teil eines umfangreichen Maßnahmenpakets, das von Bund und Land finanziert wird. So stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2016 rund 160 Millionen Euro für drei große Programme zur Verfügung: Mit „Integra“ erhalten studierfähige Geflüchtete an deutschen Hochschulen und Studienkollegs die Möglichkeit, sich gezielt auf ein Studium vorzubereiten. „Welcome“ fördert studentische Initiativen, die Geflüchtete bei der Integration in die Hochschule unterstützen. Das Förderprogramm „PROFI“ richtet sich an geflüchtete Akademikerinnen und Akademiker, die ihre fachlichen Kompetenzen für einen besseren Karrierestart auf dem deutschen Arbeitsmarkt erweitern wollen. 

Auch die NRW-Landesregierung fördert die Integration von geflüchteten und internationalen Studierenden: Das Programm „NRWege ins Studium“ unterstützt 30 Hochschulen beim Aufbau von studienvorbereitenden und -begleitenden Angeboten und bietet Stipendien für besonders leistungsstarke Geflüchtete an. „NRWege Leuchttürme“ verbindet die Integration von Flüchtlingen mit innovativen digitalen Formaten der Internationalisierung und setzt hier einen Schwerpunkt auf die Qualifizierung von geflüchteten Akademikerinnen und Akademikern.