Deutsch-polnische Freundschaft

Akademischer Austausch im Herzen Europas

Anlässlich des 30. Jahrestages des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags ruft der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) dazu auf, den wissenschaftlichen Austausch mit dem östlichen Nachbarland zu erneuern und auszubauen. Der DAAD plant dazu eine Vereinbarung mit seiner polnischen Partnerorganisation.

Universität Warschau

„Ein friedliches und einiges Europa ist ohne starke deutsch-polnische Beziehungen im Herzen des Kontinents nicht denkbar. In Zeiten zunehmender Fliehkräfte in der EU ist der akademische Austausch mit unserem östlichen Nachbarn für Verständigung und gegenseitiges Vertrauen wichtiger denn je“, sagte DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee am Vortag der Feierlichkeiten zum 17. Juni. Der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und Forschungseinrichtungen beider Länder sei ein guter Weg, um mehr Gemeinsamkeit zu schaffen und die grenzüberschreitende Kooperation weiter zu beleben.

Die Zusammenarbeit beider Länder war in jüngster Zeit von Herausforderungen gekennzeichnet: Nationale Töne aus Warschau, der Umbau des polnischen Rechtsstaats und die Sorge von Studierenden und Hochschulbeschäftigen vor Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit und einer Politisierung des Hochschulraums verunsicherten auch deutsche Hochschulpartner. „All diese Themen müssen Teil eines offenen Dialogs sein, den wir als DAAD mit unserer Präsenz in Polen ganz bewusst stärken“, so der DAAD-Präsident weiter. Die 1997 eröffnete DAAD-Außenstelle in Warschau sei daher umfänglich aktiv, um deutsche und polnische Hochschulen auf allen Ebenen zusammenzubringen, zu informieren und zu beraten.

Großes Interesse an Kooperation mit deutschen Hochschulen
Der 30. Jahrestag des Nachbarschaftsvertrags bietet aus DAAD-Sicht zudem Anlass, um auf das Potenzial für neue Kooperationen hinzuweisen: Deutschland ist für polnische Studierende weiterhin das beliebteste Zielland. Durch das große Deutsch-Sprachangebot an polnischen Schulen tragen sich viele Jugendliche frühzeitig mit dem Gedanken, ein Auslandsstudium im westlichen Nachbarland zu absolvieren. Zudem gelten Qualität und Renommee deutscher Hochschulabschlüsse in Polen nach wie vor als außerordentlich hoch. Auch für deutsche Hochschulen ist Polen ein attraktives Partnerland: Durch die umfassenden Reformen der letzten Jahre hat das Land den Kompass seiner Hochschulen auf Internationalisierung, Kooperation und Exzellenz ausgerichtet. Aktuell sind polnische Hochschulen stark an einer Zusammenarbeit mit deutschen Partnerinstitutionen interessiert. Vor diesem Hintergrund soll die institutionelle Zusammenarbeit künftig weiter gestärkt werden: Der DAAD plant dazu einen Kooperationsvertrag mit der polnischen „Nationalen Agentur für den Akademischen Austausch“ (NAWA), die 2017 gegründet wurde.

Der Austausch in Zahlen
Der DAAD vergab vor der Corona-Pandemie rund 4.000 Stipendien an Deutsche und Polen für einen Aufenthalt im jeweiligen Nachbarland. Eine hohe Nachfrage verzeichnen dabei insbesondere die DAAD-Programme „Hochschulpartnerschaften“, „Deutschsprachige Studiengänge“, „Studienreisen“ oder „Germanistische Institutspartnerschaften“. Trotz Corona wurden im vergangenen Jahr neun neue deutsch-polnische „Ostpartnerschaften“ in die DAAD-Förderung aufgenommen. Bereits seit 2002 unterstützt der DAAD mit dem Willy-Brandt-Zentrum an der Universität Wroclaw/Breslau ein Leuchtturmprojekt des bilateralen akademischen Austausches und der gegenseitigen wissenschaftlichen Beschäftigung beider Länder.