Europäische Hochschulallianz Transform4Europe: Lehre in Bewegung

Eine Person steht mit dem Rücken zur Kamera in einem Hörsaal und spricht vor einem sitzenden Publikum.

Europäische Hochschulallianzen ermöglichen auch Dozentinnen und Dozenten eine neue Qualität des akademischen Austauschs. Aber wie können sie sich ihre Lehre gut anrechnen lassen? Die Universität des Saarlandes, federführende Hochschule der Allianz Transform4Europe, gibt neue Impulse.

Die Erfolgsgeschichte des Erasmus-Programms ist mit Blick auf den europäischen Studierendenaustausch schon oft erzählt worden: Seit 1987, also seit bald 40 Jahren, fördert das Programm innerhalb der Europäischen Union die Mobilität der Studierenden. Demgegenüber etwas im Schatten steht die weniger bekannte Förderung des Hochschulpersonals, die erst nach und nach Teil von Erasmus wurde. Dabei ist klar: Für das Zusammenwachsen der europäischen Hochschullandschaft kommt es nicht nur auf die Studierenden an – auch Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie Dozentinnen und Dozenten müssen im grenzüberschreitenden Austausch gefördert werden.

Lehrende als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

„Vom technischen Personal bis zu den wissenschaftlichen Stellen fördert das Erasmus-Programm vielfältige Auslandsaufenthalte“, erläutert Agnes Schulze-von Laszewski, Leiterin des Referats Mobilität von Einzelpersonen der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD. „Auch bei den Dozentinnen und Dozenten beobachten wir in den letzten Jahren ein gestiegenes Interesse an dieser Mobilitätsförderung. Das ist nicht zuletzt deshalb wertvoll, weil die Lehrenden wichtige Vorbilder und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für den akademischen Austausch sind.“ Welche Chancen bieten vor diesem Hintergrund die Europäischen Hochschulen, die in den vergangenen Jahren als Allianzen entstanden sind? „Sie schaffen neue Strukturen der Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen“, sagt Schulze-von Laszewski. „Und diese bedeuten neue Möglichkeiten für die Lehrenden, sich ihre Mobilität auf das Lehrdeputat anrechnen zu lassen.“ 

An der Universität des Saarlandes (UdS) wird die Mobilität des Lehrpersonals gezielt gefördert. Die UdS ist federführendes Mitglied der Europäischen Hochschulallianz Transform4Europe (T4EU), die unter dem Slogan „We make knowledge move“ insbesondere den Austausch von Lehrenden der Allianzhochschulen in elf europäischen Ländern stärkt. „Viele Lehrende der Universität des Saarlandes sind auf uns zugekommen, weil sie gerne dazu bereit sind, sich an einer der Partnerhochschulen der Allianz zu engagieren“, erzählt Lukas Redemann, Koordinator von T4EU an der UdS. „Doch sind viele auch sehr durch ihre bisherigen Lehrverpflichtungen eingebunden, deshalb stärken wir neue, flexible Lösungen.“ 

Porträtfoto eines lächelnden Mannes mit Brille und Bart vor hellem, neutralem Hintergrund.

Auf Initiative von T4EU wurde an der UdS eine Handreichung erarbeitet: Sie zeigt auf, wie sich der Unterricht an Partnerhochschulen auf das Lehrdeputat anrechnen lässt. „Die Handreichung ist nicht auf T4EU beschränkt, sondern lässt sich auch auf die Lehre an weiteren internationalen oder deutschen Partnerhochschulen der UdS anwenden“, erläutert Redemann. „So gibt die Europäische Hochschulallianz Impulse, von denen die Universität weitreichend profitiert.“ 

Der Koordinator berichtet von einer UdS-Dozentin, die mit ihrem großen Engagement eine Hispanistik-Kooperation mit der Universität Alicante, der T4EU-Partnerhochschule in Spanien, aufgebaut hat. An von T4EU geförderte Exkursionen anknüpfend konnte mittlerweile sogar der Doppel-Masterstudiengang Translation Science and Technology an der UdS und der Universität Alicante eingeführt werden. Redemann hebt hervor, dass „solche Erfolge leichter erreicht werden, wenn den Dozentinnen und Dozenten ihr internationales Engagement in der Lehre angerechnet wird“.

„Grundsätze der Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit“

Die an der UdS erarbeitete Handreichung macht deutlich, dass gerade innerhalb von Hochschulkooperationen gute Möglichkeiten zur Anrechnung der Lehre bestehen: „Es gelten die Grundsätze der Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit“, sagt Lukas Redemann. Zwischen zwei Partnerhochschulen sollte sich die jeweils geleistete Gastlehre in einem ausgewogenen Verhältnis befinden, sodass an keiner der Hochschulen ein Mangel entsteht. Zugleich ist für den Austausch der Lehrenden ein vergleichbares Qualifikationsniveau die Richtschnur. Wenn Studierende der UdS die Chance haben, online an Kursen ihrer Heimatdozentinnen und -dozenten im Ausland teilzunehmen, können sich die Lehrenden im Einzelfall die Veranstaltungen ebenfalls anrechnen lassen – ohne dass im Gegenzug Lehrende ins Saarland kommen. Gemeinsame Veranstaltungen der Partnerhochschulen können ebenso anerkannt werden.

Bei der Vernetzung der Transform4Europe-Hochschulen profitiert T4EU auch vom mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums finanzierten nationalen Begleitprogramm des DAAD. „Dank dieser Unterstützung können wir Konferenzen und Workshops anbieten, bei denen sich die Lehrenden der Partnerhochschulen besser kennenlernen“, sagt Lukas Redemann. „Das ist eine sehr wichtige Basis für den Austausch in der Lehre.“ Zudem fördere der DAAD die Digitalisierung gezielt, um die Mobilitätsprozesse in T4EU zu verbessern. Redemann unterstreicht: „Die Arbeit innerhalb der Europäischen Hochschulallianz T4EU stärkt die strukturelle Internationalisierung unserer Universität entscheidend – das zeigt sich am Beispiel der Lehre besonders deutlich.“

Johannes Göbel (15. Mai 2026)



 

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