Mit Englisch ins Studium, mit Deutsch in den Arbeitsmarkt

Drei Personen stehen in einer Konferenzumgebung im Gespräch, wobei der Mann in der Mitte eine Tasse hält und aufmerksam zuhört.

Viele internationale Studierende wollen nach ihrem Abschluss in Deutschland bleiben – doch zu oft scheitert der Einstieg in den Job am fehlenden Deutsch. Der DAAD begegnet dieser Herausforderung aktiv: Mit seiner Fachkräfteinitiative fördert er innovative Sprachlernkonzepte an Hochschulen und vernetzt alle relevanten Akteure – von Lehrenden über Unternehmen bis hin zur Politik.

Deutschland sucht internationale Fachkräfte, besonders im MINT-Bereich. Die Zahl internationaler Studierender ist hoch – 405.000 nach aktueller DAAD-Hochrechnung. Zwei Drittel planen, nach ihrem Abschluss in Deutschland zu bleiben. Nach Zahlen der OECD sind zehn Jahre nach Studienbeginn noch 45 Prozent im Land. Das ist zusammen mit Kanada die höchste Bleibequote weltweit. 

Diese Attraktivität hat auch mit der wachsenden Zahl englischsprachiger Studienangebote zu tun – mittlerweile mehrere Tausend. Für viele ist Englisch der Türöffner ins deutsche Hochschulsystem. Doch wer langfristig bleiben will, braucht Deutsch – für den Beruf, das soziale Umfeld und eine nachhaltige Integration.

Genau dort liegt die Herausforderung: Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) des Instituts der deutschen Wirtschaft sehen 80 Prozent der befragten Unternehmen internationale Fachkräfte als Bereicherung, aber nur 37 Prozent können sie tatsächlich gewinnen. Der Hauptgrund: Sprachbarrieren. Deutsch bleibt die wichtigste Unternehmenssprache, vor allem im Mittelstand. Wer nicht mindestens B2-Niveau erreicht, hat im Bewerbungsprozess oft schlechte Karten.

Innovative Kurskonzepte

Englisch als niederschwelliger Studieneinstieg, Deutsch als Ticket für einen Job in Deutschland – wie kann das gelingen? Die Hochschulen haben den Handlungsbedarf erkannt und bereits beeindruckend innovative Lösungen für diese Herausforderungen gefunden. Im Rahmen der Veranstaltung „FIT Fokus: Sprungbrett Deutsch – Praxisimpulse für die Sprachförderung an Hochschulen“ Anfang Dezember wurde eine Auswahl von Ansätzen präsentiert. Das Event ist Teil der Campus-Initiative Internationale Fachkräfte des DAAD. Sie bündelt dessen Aktivitäten zur Gewinnung, Qualifizierung und Integration internationaler Studierender. Die Initiative startete 2024 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt noch bis 2028 mit rund 120 Millionen Euro gefördert.

Ein besonders effizientes Kursformat präsentierte Sabine Schmidt-Bender, DaF-Lektorin am Sprachenzentrum der TU München (TUM). „Ausgangspunkt war die Idee, Case Studies aus Lehrwerken nicht nur im Kurs zu behandeln, sondern die Firmen selbst in den Unterricht einzubinden“, berichtet sie. Und zwar nicht irgendwelche Unternehmen, sondern speziell Start-ups, zu denen sie im Umfeld der sehr gründerfreundlichen TUM leicht Zugang fand. „Für die Start-ups ist das eine sehr gute Gelegenheit, Feedback zu ihrem Business-Case zu erhalten und eventuell das ein oder andere Talent für das Team zu gewinnen“, so Schmidt-Bender. „Gerade in der Frühphase sind Start-ups eigentlich immer auf der Suche nach Mitarbeitenden.“ Das erhöht natürlich die Motivation der Studierenden erheblich, die nicht nur anhand konkreter Praxisbeispiele ihre Sprachkompetenz verbessern, sondern auch Kontakte knüpfen können, die eventuell zu Praktika, Abschlussarbeiten oder Jobs führen. Seit 2020 konnte Schmidt-Bender bereits zehn Start-ups für den Kurs gewinnen. „Das funktioniert sehr gut, meist spreche ich sie beim TUM Entrepreneurship Day oder der Messe IKOM Start-up an.“

Studierende ergreifen die Initiative

Inzwischen ergreifen die Studierenden auch selbst die Initiative. Ein Beispiel ist das Sprachcafé der Campus Friends der OTH Regensburg, das von einer Gruppe deutscher und internationaler Studierender organisiert wird. Ziel ist es, ein ergänzendes Angebot zu den regulären Deutschkursen zu schaffen, das internationalen Studierenden ermöglicht, miteinander in Kontakt zu kommen und die Sprache gemeinsam in ungezwungener Atmosphäre zu üben. „Unsere Grundidee war es, einen Raum zu schaffen, in dem man auf natürliche und spielerische Art lernt“, erklärt Atharv Aggarwal, Mitglied der Campus Friends. „Dabei entstehen persönliche Kontakte, über die man leichter in die aktive Sprachpraxis findet. Erfahrungsgemäß entsteht Interesse häufig durch direkte Ansprache, Geduld im Aufbau der Formate und die Darstellung der Events als kulturelle Erfahrung.“

Auch die Konferenz des DAAD und des Stifterverbands „English for Enrollment, Deutsch for Employment?“ am 11. Dezember 2025 in Würzburg widmete sich der Herausforderung des Spracherwerbs für internationale Studierende. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, wie Hochschulen, Unternehmen, Politik und Gesellschaft internationale Studierende beim Deutscherwerb bestmöglich unterstützen können. Vorgestellt wurden unter anderem erste Ergebnisse aus der Studie „Vom englischsprachigen Hörsaal in den deutschen Arbeitsmarkt“ des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). 

Die Diskussionen im Rahmen der Konferenz bestätigen: Englischsprachige Programme ziehen viele Studierende an, doch der Berufseinstieg gelingt oft nur denjenigen mit guten Deutschkenntnissen – insbesondere denjenigen mit branchenbezogenen Kompetenzen. Die Übergangsphase vom Studium in den Job wird vor allem durch konkrete Kooperationen zwischen Hochschulen und Arbeitgebern verbessert – etwa in Form von Praktika und Mentoring. 

Eine Frau spricht auf einer Bühne in ein Mikrofon und gestikuliert mit der freien Hand.

Notwendiger Kulturwandel

In der Politik sieht man ebenfalls die große Bedeutung der Sprachförderung im Rahmen der Fachkräftegewinnung. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Erlernen der Sprache ein elementarer Bestandteil für Integration ist, nicht nur in unsere Gesellschaft, sondern auch in den Arbeitsmarkt“, sagte die Sozialpolitikerin Dr. Hülya Düber im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz. Sie plädiert für ein Umdenken: „In den letzten Jahren hat man den Fokus darauf gelegt, die Ausbildungszeit – egal auf welcher Ebene – eher kurz zu halten, um potenzielle Fachkräfte schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Gelingen kann das aber nur dann, wenn das Grundhandwerkszeug, also die Sprache, vorhanden ist. Man sollte sich also dringend Zeit nehmen, entsprechende Kompetenzen aufzubauen.“

Gleichzeitig sieht Düber die Notwendigkeit eines Kulturwandels in Organisationen und Unternehmen. Deutschland müsse attraktiver werden für internationale Talente. „Sprache ist ein Kriterium für Menschen aus dem Ausland, die sich genau überlegen, ob sie Deutschland als Standort bevorzugen oder ob sie sich einem Land zuwenden, in dem Englisch die Amtssprache ist. Wenn wir als Standort Deutschland attraktiv sein wollen, dann müssen wir es den Menschen so niederschwellig und einfach wie möglich machen, weil wir im Wettbewerb um Fachkräfte sonst einfach nicht Bestand haben können.“

Klaus Lüber (22. Januar 2026)