Schnelle Hilfe gegen Infektionen: Mit dem mobilen Labor durch Vietnam

Blick in das mobile Labor, das in einem umgebauten Lieferwagen in Vietnam wertvolle Arbeit leistet.

Das mobile Labor des DAAD-geförderten Globalen Zentrums PACE-UP ist ein wirksames Mittel gegen drohende Pandemien – und ein wichtiger Teil der weitreichenden Vernetzung zwischen deutschen und internationalen Partnern.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – einer, der sich früh entscheidet. Wenn sich Infektionen ausbreiten, geht es darum, schnell zu erkennen, welcher Erreger zirkuliert, wie er sich verbreitet und wen er besonders gefährdet. Erst dann kann man gezielt handeln – die Gefährdeten schützen und eine größere Ausbreitung verhindern.

Eine solche Situation, in der es auf schnelle Erkenntnisse für schnelles Handeln ankommt, gab es im vergangenen Jahr in Vietnam. Nach starkem Monsunregen und Überschwemmungen stieg in den abgelegenen nördlichen Regionen Cao Bang und Thai Nguyen die Zahl der Menschen mit Infektionen an – doch zunächst war unklar, was genau dort kursierte.

Der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Diagnostik ist in den Regionen begrenzt, die einzelnen Ortschaften liegen in der gebirgigen Landschaft weit voneinander entfernt – die Straßen sind schlecht und es gibt kaum Kliniken. Deshalb brach in der rund 200 Kilometer entfernten Hauptstadt Hanoi ein zum Hochleistungslabor umgebauter Lieferwagen auf, mit einer Handvoll Ärztinnen und Ärzten sowie Laborkräften an Bord. „Dieses mobile Labor haben wir genau für solche Situationen im Rahmen von PACE-UP entwickelt“, sagt Professor Thirumalaisamy Velavan vom Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen, Koordinator des vom DAAD mit Mitteln des Auswärtigen Amts geförderten Globalen Zentrums für Gesundheit und Pandemievorsorge PACE-UP

Das mobile Labor bietet Hilfe, die vor Ort dringend benötigt wird.

PACE-UP steht für „PAN ASEAN Coalition for Epidemic and Outbreak Preparedness“ und ist ein multidisziplinäres Konsortium von 36 Partnerinstitutionen, die aus fünf asiatischen, vier europäischen und sieben afrikanischen Ländern stammen. Ein Ziel des Zentrums ist es, auf Ausbrüche von Infektionskrankheiten innerhalb der ersten 72 Stunden reagieren zu können. Darüber hinaus werden langfristig Kapazitäten für Diagnostik, Überwachung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit aufgebaut.

Schnelle und leistungsfähige Diagnostik

Das mobile Labor passt gut zu PACE-UP: ein Labor auf Rädern, das mit allem ausgestattet ist, um schnelle und leistungsfähige Diagnostik zu leisten. Proben gelangen direkt in eine gesicherte Arbeitskabine mit kontrolliertem Luftstrom; an Bord gibt es Geräte für Blutbilder und klinische Biochemie, Kühlschränke und Gefrierfächer, Hightech-Systeme für Molekulardiagnostik und Genomsequenzierung direkt vor Ort. „Wir hätten das Labor auch auf einem großen Lkw-Modul aufbauen können“, sagt Velavan. „Aber wir haben uns bewusst für ein kleineres Fahrzeug entschieden, weil wir gerade die schwer zugänglichen, bergigen Regionen erreichen wollten. Das ist ein entscheidender Vorteil des mobilen Labors.“

Und genau diesen Vorteil konnte es nutzen, als es sich über die engen, schlammigen Wege in die zerklüfteten Bergregionen von Thai Nguyen und Cao Bang vorschob. Dort wurde es an Sammelpunkten der einzelnen Ortschaften eingesetzt. Dorfbewohner mit verschiedenen Symptomen kamen, füllten Einverständniserklärungen und kurze Fragebögen aus, dann wurden Proben genommen und direkt im Fahrzeug untersucht. Innerhalb von vier Tagen erreichte das Team auf diese Weise mehr als 1.300 Menschen in Cao Bang und Thai Nguyen. Das Labor half dabei, nach dem Monsunregen zirkulierende Erreger aufzuspüren – und stärkte zugleich die lokalen Gesundheitszentren, mit denen das Team vor Ort zusammenarbeitete.

Das Team des mobilen Labors arbeitet eng zusammen mit den Gesundheitszentren der verschiedenen Regionen.

Bei solchen Einsätzen geht es auch darum, möglichst schnell einschätzen zu können, welche Patientinnen und Patienten besonders gefährdet sind und engmaschig betreut oder in eine Klinik eingewiesen werden sollten. Gerade wenn die Zahl der Infektionen plötzlich steigt, stößt das Gesundheitssystem schnell an Grenzen. „Bei einem Dengue-Fieber-Ausbruch kann es vorkommen, dass zwei Patientinnen oder Patienten in einem Bett liegen“, sagt Velavan. Mithilfe der Diagnostik vor Ort lasse sich besser abschätzen, welche Verläufe besonders aufmerksam beobachtet werden müssten. Das helfe, die knappen Betten denen zu geben, die sie am dringendsten brauchen – und entlaste Ärztinnen, Ärzte und Gesundheitseinrichtungen.

Dass das mobile Labor so schnell einsatzbereit ist und die entsprechende Ausrüstung hat, liegt auch an Strukturen, die über Jahre gewachsen sind. Maßgeblich dazu beigetragen hat das Vietnamesisch-Deutsche Zentrum für Medizinische Forschung (VG-CARE), ein wichtiger Knotenpunkt für Forschung und Diagnostik, der vietnamesische Hauptpartner von PACE-UP und Sitz des Globalen Zentrums. VG-CARE wird wie die Vietnamesisch-Deutsche Universität (VGU) ebenfalls vom DAAD gefördert. Die VGU nimmt eine tragende Rolle ein, indem sie den wissenschaftlichen Austausch und die Ausbildung im Bereich KI-gestützter Forschung zur Vorhersage von Ausbrüchen unterstützt.

Nachhaltige und verlässliche Netzwerke

Vietnam ist dabei nur eines von mehreren Ländern im Netzwerk von PACE-UP. Promotionsstipendien werden an Studierende aus Vietnam und Indonesien vergeben, Hands-on-Workshops mit Fachpersonal auch in Malaysia durchgeführt. Diese und weitere Maßnahmen werden mit Partnern aus anderen südostasiatischen Ländern und Subsahara-Afrika gemeinsam ergriffen. „Wir schicken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte bewusst in andere Regionen“, sagt Velavan. „Denn Infektionskrankheiten sehen nicht überall gleich aus. Wer erlebt, wie Kolleginnen und Kollegen andernorts mit Malaria, HIV, Rotaviren, Influenza, Lassa oder Ebola umgehen, nimmt fachlich enorm viel mit.“ Im besten Fall beginnt so der Wettlauf gegen einen Ausbruch lange, bevor er sichtbar wird: mit dem Aufbau von nachhaltigen und verlässlichen Netzwerken, Wissen und Strukturen. 

Christian Heinrich (30. April 2026)

 

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