Neue Wege der DaF-Lehrkräftebildung
An vielen Hochschulen in Subsahara-Afrika wächst das Interesse an Deutsch rasant – schneller, als mancherorts die Ausbildungskapazitäten mithalten können. Im DAAD-geförderten Projekt „Subsahara-Afrika-Netz DaF Digital (SANDD)“ arbeiten fünf Universitäten zusammen, um die Strukturen des Fachs DaF (Deutsch als Fremdsprache) in der Lehrendenbildung und Forschung zu stärken. Im Rahmen des zweiten hybriden Netzwerktreffens vom 14. bis 16. Oktober 2025 in Augsburg wurde eine neue digitale Plattform (dafubao.net) für zukünftige innovative Lehr- und Lernformate vorgestellt. Außerdem wurden Fortbildungen für die DaF-Lehrkräftebildung zu „Deutsch in Beruf und Studium“ und „Literatur und Literaturdidaktik aus postkolonialer Perspektive“ angeboten. Darüber hinaus wurde das Thema „Deutschlehrkräftebildung: Agieren in postkolonialen Realitäten“ in einem Symposium diskutiert.
Gemäß den Berichten, die drei afrikanische Hochschuldozentinnen und -dozenten aus Kenia, Namibia und Togo beim zweiten Netzwerktreffen des Projekts SANDD Mitte Oktober 2025 an der Universität Augsburg präsentierten, steigt das Interesse an Deutschunterricht an ihren Universitäten rasant. „Früher hatten wir 25 bis 30 Studierende pro Jahr, das hat sich mehr als verdoppelt“, berichtete Dr. Lorna Okoko von der Kenyatta University in Kenia. Für Togo nannte Dr. Aqtime Gnouléléng Edjabou von der Université de Kara 300.000 bis 400.000 Deutschlernende. „An der University of Namibia boomt Deutsch unglaublich, das Interesse ist stark wirtschaftlich geprägt“, sagte Dr. Gerda-Elisabeth Wittmann. Binnen eines Jahres habe sich die Zahl der Sprachkursteilnehmenden an der UNAM fast verdreifacht – oft angetrieben durch den Wunsch, in Deutschland zu arbeiten, etwa in der Pflege. Dieser Ansturm bringt die Hochschulen mehrheitlich an ihre Belastungsgrenzen. „Es fehlt uns an Kapazitäten“, fasste Dr. Lorna Okoko eine zentrale Sorge zusammen. Die Herausforderungen sind je nach Region oder Land unterschiedlich. Flächendeckend mangelt es aber an adäquaten Strukturen und ausreichenden Kapazitäten in der akademischen Deutschlehrkräftebildung, unter anderem weil in einigen Regionen nicht ausreichend Expertinnen und Experten für DaF-Didaktik zur Verfügung stehen.
Genau hier setzt das vom DAAD geförderte Projekt SANDD an, das im Rahmen des DAAD-Programms (Dig.) DaF-Kompetenznetzwerk in Subsahara Afrika seit Mai 2024 mit Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert wird. Es verbindet die Universität Augsburg als Konsortialleitung mit der Universität Paderborn, der Kenyatta University (Kenia), der Université de Kara (Togo) und der University of Namibia. Ziel ist die Stärkung der Ausbildung von DaF-Lehrkräften in Subsahara-Afrika durch bedarfsorientierte, digital gestützte Ansätze.
Launch der Plattform dafubao.net
Ein Meilenstein des Augsburger Treffens war der Launch der kostenfrei und flexibel nutzbaren digitalen Plattform dafubao.net. Auf dieser können Lehr- und Lernmaterialien abgelegt und weiterentwickelt sowie Materialien ausgetauscht werden. Es gibt die Möglichkeit, eigene Profile anzulegen, was die Arbeit mit dafubao.net vereinfacht. Darüber hinaus bietet die Plattform, die die Vernetzung von Lehrenden und Lernenden unterstützen soll, aber auch Raum für Chats, Foren und Videokonferenzen. Durch den Einsatz von Open-Source-Software und Creative-Commons-Lizenzen ist das Material für jede und jeden zugänglich und kann jeweils angepasst werden. Aus Sicht des DAAD ist das auch im Hinblick auf die Verknüpfung mit dem Programm Dhoch3 und dessen Angeboten auf der DAAD-Moodle-Plattform ideal. Dhoch3 stellt bereits seit 2018 weltweit offene Materialien für die Deutschlehrkräfteausbildung bereit: „Die beiden Programme ergänzen sich hervorragend“, erklärte Elke Hanusch, Leiterin des Referats für Germanistik, deutsche Sprache und Lektorenprogramm beim DAAD in Augsburg: „Während Dhoch3 Online-Module für den weltweiten Einsatz entwickelt, arbeitet das SANDD-Netzwerk daran, Dhoch3-Materialien für verschiedene Kontexte in Subsahara-Afrika zu adaptieren.“
Deutsch als Fremdsprache ist ein zentraler Pfeiler der auswärtigen Kultur- und Gesellschaftspolitik.
Siyana Dimitrova, Auswärtiges Amt
Ermöglicht werden beide Programme aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA). Für dieses betonte Siyana Dimitrova in Augsburg, die Förderung von Deutsch als Fremdsprache sei ein „zentraler Pfeiler der Auswärtigen Kultur- und Gesellschaftspolitik“. Es werde nicht nur eine Sprache vermittelt, sondern auch eine nachhaltige Bindung an Deutschland. Die Sprachvermittlung spiele nicht zuletzt eine Schlüsselrolle, um dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen. Dimitrova erläuterte zudem, das AA arbeite derzeit an einer Deutschlehrkräfte-Strategie. Partner seien der DAAD, das Goethe-Institut, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und der Pädagogische Austauschdienst (PAD).
Auch in der DAAD-Strategie 2030 ist die Unterstützung der Deutschlehrkräfteausbildung ein strategischer Schwerpunkt. „Wir sehen, dass die Nachfrage nach Deutsch in vielen Ländern wächst. Dieser Nachfrage müssen wir durch ein verstärktes Engagement für die Ausbildung qualifizierter Lehrkräfte an den Hochschulen begegnen“, erklärte Nina Salden, Leiterin des Bereichs Strategie und Steuerung beim DAAD. Als besondere Kompetenz des DAAD bezeichnete Salden die Vernetzung – nicht nur zwischen Institutionen in Deutschland und im Ausland, sondern auch zwischen Partnern im globalen Süden untereinander. „Wissensaustausch zu ermöglichen und Akteure zusammenzubringen, sehen wir als unsere zentrale Aufgabe.“
Dekonstruktion kolonialer Denk- und Machtstrukturen
Das Symposium machte indes auch deutlich, dass es um mehr geht als um die Deckung eines quantitativen Bedarfs. Intensiv wurde über die Dekonstruktion kolonialer Denk- und Machtstrukturen im Deutschunterricht diskutiert. Einig war man sich darin, dass das Agieren in der Deutschvermittlung und der Deutschlehrkräftebildung mit ihren kolonialen Nachwirkungen kritisch aufgearbeitet werden muss – sowohl in der Lehrkräftebildung als auch im Unterricht selbst.
Der diesjährige DAAD Jacob-und Wilhelm-Grimm-Preisträger, Professor Albert Gouaffo (Université de Dschang, Kamerun) erinnerte, eine echte Transformation gelinge nur durch Partnerschaft auf Augenhöhe: „Nur so kann aus dem kolonialen Erbe tatsächlich gemeinsames Eigentum werden – nicht als Besitz, sondern als geteilte Verantwortung für eine gerechtere Zukunft.“ Welch entscheidende Rolle hierbei die Deutschlehrkräftebildung spielt, zeigte das Netzwerktreffen auf eindrückliche Weise. „Wir können die Herausforderungen, die hier nach wie vor bestehen, nur in gleichberechtigter Kooperation mit unseren Partnern angehen. Projekte wie SANDD leisten hierzu einen wichtigen Beitrag“, so Elke Hanusch.
Jeannette Goddar (11. November 2025)