Germany Today Tour 2025: „Jede Minute war produktiv und wertvoll“
Die Germany Today Tour des DAAD ermöglichte auch 2025 Hochschulvertreterinnen und -vertretern aus den USA und Kanada spannende Einblicke in Deutschlands vielfältige Hochschullandschaft. Drei von ihnen berichten, was die Tour für sie zu einem außergewöhnlichen Erlebnis gemacht hat.
Jessica Cissell, Assistant Provost für die Graduiertenausbildung und die internationale Community-Arbeit und Direktorin des Graduate Center im Büro des Provost der Washington University, St. Louis, USA
„Die Germany Today Tour hatte ein strammes Programm, im positivsten Sinne. Es gab kaum Leerlauf, was ich sehr geschätzt habe. Jede Minute war produktiv und wertvoll. Das Programm war nicht nur thematisch vielfältig, sondern überzeugte auch durch die abwechslungsreichen Formate des Austauschs. Neben Begegnungen in formellen Rahmen, wie zum Beispiel Präsentationen, gab es zahlreiche Gelegenheiten zum Dialog, etwa bei gemeinsamen Abendessen mit den Gastgebern des Tages.
Dass ich auch so viel von meinen Kolleginnen und Kollegen aus anderen amerikanischen und kanadischen Institutionen lernen würde, hatte ich nicht erwartet. Ich dachte, ich würde vor allem mehr über deutsche Hochschulen und Forschung erfahren, was auch so war. Aber unsere Gespräche gingen noch weiter. Der vielseitige Austausch hat mir geholfen, die gegenwärtige Situation bei uns besser einzuordnen.
Einige Besuche sind mir besonders in Erinnerung geblieben, zum Beispiel an der TU Hamburg. Präsident Professor Andreas Timm-Giel gab uns einen exzellenten strategischen Überblick und stellte dar, wie eng die Hochschule mit der Region zusammenarbeitet. Auch die Science City und der DESY-Campus waren faszinierend, ein Beispiel dafür, wie Deutschland Forschungsstrukturen systematisch einbettet und zukunftsorientiert weiterdenkt.
Ein ganz besonderer Moment war das Treffen mit Dr. Muriel Helbig. Ihre Perspektive – sowohl als DAAD-Vizepräsidentin als auch als Präsidentin der TH Lübeck – half uns, viele Informationen in einen größeren Zusammenhang zu setzen. Sie machte deutlich, wie das deutsche Hochschulsystem in der Praxis funktioniert.
Ich nehme aus dem Germany Today-Programm 2025 nicht nur konkrete Impulse mit, von denen ich einige bereits weiterverfolgt habe, sondern es hat mir auch erneut den Wert des internationalen Austauschs vor Augen geführt. Wir alle sind Teil eines globalen akademischen Ökosystems. Ob durch institutionelle Partnerschaften oder persönliche Gespräche: Solche Erfahrungen schärfen unseren Blick, fordern uns heraus neu zu denken und helfen uns, Studierende und Gesellschaften besser zu unterstützen.
Wie der britische Dichter Alfred Tennyson schrieb: ‚I am a part of all that I have met.‘ So fühlt es sich an, wenn ich an die Reise zurückdenke.“
Prof. Dr. Janusz Kozinski, Dekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Lakehead University in Ontario, Kanada
„Die Germany Today Tour war absolut außergewöhnlich, hervorragend organisiert, durchdacht konzipiert und reich an sinnvollen Begegnungen. Wir besuchten verschiedene Orte – Hamburg, Lübeck, Kiel und Berlin – und lernten eine beeindruckende Bandbreite an Einrichtungen kennen, von den Geistes- und Sozialwissenschaften bis zu den Schwerpunkten Technik und Naturwissenschaften. Besonders fasziniert hat mich die Möglichkeit, Deutschlands Hochschulen für Angewandte Wissenschaften näher kennenzulernen. Orte, an denen Studierende nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen lernen. Ich leite derzeit ein neues Projekt in Kanada, nördlich von Toronto, das Ingenieurwissenschaften mit Wirtschaft und Recht verbindet. Das deutsche Modell, akademische Ausbildung mit Praxisphasen in der Industrie zu verknüpfen, ist für uns äußerst wertvoll. Viele Studierende dort haben bereits vor ihrem Abschluss feste Jobangebote, das ist eine hervorragende Investition in die Zukunft.
Ein weiteres Highlight war die Atmosphäre. Wir haben Arbeit mit Vergnügen verbunden, das ist immer eine gute Idee. Uta Gaedeke und Claudia Nospickel vom DAAD haben eine Umgebung geschaffen, in der wir uns als Teilnehmende wirklich wohlgefühlt haben, so sehr, dass wir auch nach der Tour in Kontakt geblieben sind, nicht nur als Kolleginnen und Kollegen, sondern vielleicht sogar als Freundinnen und Freunde.
Internationale Zusammenarbeit in der Hochschulbildung über Grenzen hinweg ist essenziell. Universitäten sind Orte der Neugier, und wie ich während der Tour sagte: ‚Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam.‘ Genau darum geht es in bedeutungsvollen Partnerschaften, ob akademisch oder persönlich. Der gemeinsame Weg bringt alle Beteiligten weiter.
Deutschland kann Kanada viel bieten, insbesondere durch seine praxisorientierten Lernmodelle und institutionelle Vielfalt. Gleichzeitig haben kanadische Hochschulen mit ihrer kulturellen Offenheit und Diversität auch viel zu geben. Der DAAD spielt hier eine zentrale Rolle. Er ist der Motor, der internationale akademische Kooperation möglich macht.“
Dr. Jennifer Gerz-Escandón, Vizepräsidentin für akademische Programme und Forschung der University of North Carolina, USA
„Ich hatte bereits 2018 an der Germany Today Tour teilgenommen. Die Reise 2025 gab mir nun die Gelegenheit, mein Verständnis des Systems der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften zu vertiefen. Sie weckte erneut meine Begeisterung für die Vielfalt Deutschlands und stärkte meine enge berufliche Verbindung zu einem weltweit führenden Zentrum der Hochschulbildung. Schon bei der Ankunft fiel mir auf, wie stark sich Tradition und Innovation in den besuchten Städten und Einrichtungen miteinander verbinden.
Besonders beeindruckt hat mich die enorme Wirkung der deutschen Exzellenzstrategie. Sie hebt die Forschungsstandards an und fördert gleichzeitig die Entwicklung dynamischer ‚Science Cities‘, in denen Wissenschaft und Stadtplanung zusammenwirken. In den Exzellenzuniversitäten und Exzellenzclustern wird sichtbar, wie ernst die Bundesregierung ihre Verantwortung für Bildung und Forschung nimmt.
Die Tour war geprägt von persönlichen Höhepunkten, die die Bedeutung von zwischenmenschlicher Begegnung und intellektuellem Austausch unterstrichen. Ein Abendessen im Garten bei DAAD-Vizepräsidentin Dr. Muriel Helbig in Lübeck war gelebte Gastfreundschaft und Kollegialität. Wolfgang Schmidt machte in Kiel deutlich, wie eng Stadt und Universität zusammenarbeiten und voneinander profitieren.
Nach Hause habe ich nicht nur mehr Wissen über Deutschlands Investitionen in Forschung und Bildung mitgenommen, sondern auch konkrete Eindrücke, wie solche Investitionen ganze Regionen verändern können. Zudem konnte ich mein internationales Netzwerk erweitern. Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, Kanada und den USA teilen die gleiche Überzeugung: Verbindungen über Grenzen hinweg sind ein Gewinn für Studierende, Forschende und Institutionen.“
Protokolle: Luca Rehse-Knauf (16. September 2025)