Rückenwind für Frauen in Führungspositionen
Vizepräsidentinnen von Hochschulen aus Ländern des Globalen Südens nahmen am neuen DIES-Trainingskurs „LEADx – Leadership for Transforming Higher Education Institutions“ teil. Hier berichten zwei Teilnehmerinnen und eine Trainerin, wie der Kurs geholfen hat, ihre Managementfähigkeiten weiterzuentwickeln und die Veränderungsinitiativen an ihren Hochschulen voranzubringen – und wie die Teilnehmerinnen vom Netzwerken unter weiblichen Führungskräften profitiert haben.
Anfang Oktober waren 23 Vizepräsidentinnen zum ersten Präsenzmodul des Trainingskurses „LEADx – Leadership for Transforming Higher Education Institutions“ nach Potsdam gekommen. Zu dem Kurs gehören Module zu Leadership and Governance, Organisationsentwicklung und Hochschulsteuerung, Konfliktmanagement und strategischem Stakeholdermanagement.
„Das Netzwerken war von unschätzbarem Wert“
„Meine Karriere in der Universitätsverwaltung begann, als ich zur Lehrstuhlinhaberin des Fachbereichs Chemie an der Kenyatta University ernannt wurde – drei Jahre nach Abschluss meiner Promotion. Das LEADx-Präsenzmodul im Oktober 2025 war nun sowohl erfrischend als auch motivierend. Ich habe es sehr geschätzt, dass es eine ausgewogene Balance zwischen den Aspekten Vision, Strategie und praktische Umsetzung gab. Eine besondere verändernde Kraft hatte für mich die ,infinite mindset‘-Perspektive. Als Führungskräfte streben wir oft nach schnellen Erfolgen – heute nach Rankings, morgen nach Positionen. Doch nachhaltig gestaltete Hochschulen werden durch beständige, zielgerichtete Entscheidungen aufgebaut. Nach dem Kurs überprüfe ich nun den Strategieplan der Hochschule anhand dieser ,infinite mindset‘-Perspektive: Leistungskennzahlen sollen künftig stärker nach Aspekten wie ,purpose‘ und den gesellschaftlichen Auswirkungen ausgerichtet sein; andere Hochschulen sollen stärker als Partner statt als Konkurrenten gesehen, eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung statt einmaliger Erfolge gefördert werden.
Durch den Austausch in Potsdam habe ich auch die Veränderungsinitiative an meiner Universität weiterentwickelt: ein Programm zur Förderung und Betreuung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Ich habe gelernt, dass jede neue Initiative im Grunde genommen auch ein Versuch ist, die Kultur einer Organisation umzugestalten – dass es aber keine Abkürzungen auf dem Weg zu einem Kulturwandel gibt. LEADx hat mir verdeutlicht, warum Veränderungsbemühungen oft scheitern und was nötig ist, damit sie sich durchsetzen können: ein klares Ziel, breite Akzeptanz, konsequente Kommunikation und geduldige, messbare Fortschritte.
Schließlich war auch das Netzwerken von unschätzbarem Wert, sowohl an der Universität Potsdam als auch darüber hinaus. Wir prüfen derzeit die Einrichtung eines Netzwerks für Vizepräsidentinnen: Wir denken über ein Forum nach, in dem wir uns über Herausforderungen austauschen, uns gegenseitig beraten und unsere gemeinsame Wirkung verstärken können. Eine solche Gemeinschaft kommt nicht nur uns zugute, sondern stärkt auch unsere Institutionen und letztlich die Gesellschaften, denen wir dienen. Ich möchte dabei weitergeben, wovon ich überzeugt bin: Führung kann man lernen, Kultur kann man gestalten, und dauerhafter Fortschritt ist etwas, das wir gemeinsam erzielen.“
„Das DIES LEADx-Programm ermutigt uns, etwas zu verändern“
„Meine 25-jährige Laufbahn vom Fakultätsmitglied bis zur Vizepräsidentin für akademische Angelegenheiten an der Cavite State University ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass einem viele Möglichkeiten offenstehen. Auf den Philippinen ist der Weg zum Erfolg für alle klar: Wenn man fleißig studiert und arbeitet, an Schulungen und Seminaren teilnimmt und Führungsqualitäten beweist, hat man eine faire Chance, beruflich aufzusteigen. Frauen werden gestärkt, das Geschlecht spielt keine Rolle. Das DIES LEADx-Programm stärkt uns als weibliche Führungskräfte und ermutigt uns, etwas zu verändern. Wir werden als Visionärinnen angesehen, als Frauen, die bedeutende Veränderungen anstoßen und einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben können. Bei dem Kurs wurden wir darin bestärkt, dass wir bereits über alle notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen, um das Beste aus uns selbst, der Hochschule und der Gemeinschaft, der wir angehören, herauszuholen.
Ich habe meine Führungsposition erst kürzlich übernommen, bin aber nicht neu an meiner Universität. Ich kenne sie in- und auswendig, aber diese tiefe Vertrautheit kann es schwierig machen, Veränderungen anzustoßen. Wenn man eine Organisation zu gut kennt, kann es schwer sein, sie zu verändern. Allerdings ist es für meine Universität unerlässlich, sich weiterzuentwickeln und die Qualität unserer Angebote zu verbessern. Ich möchte das internationale Ansehen meiner Universität steigern. Während des Kurses haben uns Expertinnen und Experten betreut und geholfen, die Kraft unserer Veränderungsinitiativen zu erkennen. Ich habe dadurch erkannt, dass es klüger sein könnte, sich stärker auf unsere guten bestehenden Aktivitäten zu konzentrieren, anstatt zu viele neue Dinge zu beginnen.
Der DIES-Kurs hat mich auch daran erinnert, wie wichtig Teamarbeit ist. Man kommt schnell in die Versuchung, Aufgaben alleine zu erledigen. Doch darf man nie vergessen, dass die Zusammenarbeit mit anderen der beste Weg ist, um bessere Lösungen zu finden. Meine Teilnahme am DIES LEADx-Programm hat mich stark verändert. Diese Erfahrung hat mir nicht nur neue Methoden beigebracht, sondern mir auch geholfen, das Selbstvertrauen zu finden, um mich stärker auf bestimmte Aufgaben zu konzentrieren, Veränderungen voranzutreiben und stärkere Teams aufzubauen, um eine stabile Zukunft für meine Universität zu schaffen.“
„Es ist sehr wichtig, diesen offenen Austausch mit Frauen zu haben, die vor ähnlichen Herausforderungen standen“
„Ich habe bereits an drei sehr hilfreichen DIES-Trainingskursen teilgenommen. Der erste war UNILEAD, ein Kurs für junge Akademiker, die Führungskräfte im Hochschulbereich werden möchten. Der zweite war der International Dean‘s Course, der sich an neu gewählte Dekane und Prodekane richtete. Er hat mir dabei geholfen, den Strategieplan für die neue Vizepräsidentschaft an meiner Universität zu schreiben. Als drittes habe ich selbst ein National Multiplication Training durchgeführt, das DIES-Alumni in ihrer Rolle als Multiplikatoren in ihrem Land stärkt.
Da ich von allen drei Kursen sehr profitiert habe, wollte ich etwas zurückgeben. Frauen zu stärken ist ein wichtiges Anliegen für mich. Aus diesem Grund bin ich Trainerin für den LEADx-Kurs geworden.
Einer der wichtigsten Aspekte der DIES-Kurse ist die Vielfalt der Perspektiven, Erfahrungen und bewährten Verfahren, von denen man lernen kann. Die meisten Teilnehmerinnen haben bereits an eigenen Veränderungsprojekten gearbeitet. Das bedeutet, dass man von den Erfahrungen anderer profitieren kann, die sich bereits den Herausforderungen gestellt haben, vor denen man selbst steht.
Es ist sehr wichtig, diesen offenen Austausch mit Frauen zu haben, die vor ähnlichen Herausforderungen standen. Denn Frauen in Führungspositionen können sich manchmal recht einsam fühlen. Als Vizepräsidentin kann man großartige Kolleginnen und Kollegen und ein großartiges Team haben, aber man kann nicht befreundet sein. Es muss eine professionelle Distanz geben. Die Teilnehmerinnen haben mir erzählt, dass sie sich durch den Kontakt zu anderen Frauen in derselben Position weniger allein und wirklich gut gefühlt haben.
Ein weiterer sehr hilfreicher Aspekt des Kurses ist die Selbstreflexion. Alle Teilnehmerinnen sind erfahrene Fachleute. Dennoch ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken, wie man ein besserer Manager, eine bessere Führungskraft und ein besserer Mensch werden kann. Der Schulungskurs bietet die Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten und das Gesamtbild zu betrachten. Das haben die Teilnehmerinnen sehr geschätzt.“
Hendrik Bensch (06. November 2025)