DAAD-Informationszentrum Kyjiw: „Ein Neuanfang“

Blick über Kyjiw: In der ukrainischen Hauptstadt ist der DAAD nun wieder mit einem Informationszentrum vertreten.

Das DAAD-Informationszentrum (IC) in Kyjiw war von Februar 2022 bis September 2024 für mehr als zwei Jahre geschlossen und arbeitete digital von Bonn aus – nun wurde es vor Ort wiedereröffnet. Oksana Shvaika, ukrainische DAAD-Mitarbeiterin vor Ort, über die Arbeit in Kriegszeiten, Schwerpunkte des Informationszentrums und die Stärke des deutsch-ukrainischen Austauschs.

Frau Shvaika, was bedeutet es, im DAAD-Informationszentrum Kyjiw in Kriegszeiten zu arbeiten?

Das Arbeiten in Kriegszeiten bedeutet für uns ein besonders hohes Maß an Selbstorganisation und Flexibilität: Wir müssen den Fliegeralarm beachten und mit Strom- und Internetausfällen zurechtkommen. Wir planen vorausschauend, laden Akkus auf und kümmern uns rechtzeitig um Frischwasservorräte. Und wir sind auf jeden Fall gerüstet für die kommenden Aufgaben. Dass wir neue Büroräumlichkeiten im Gebäude der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer (AHK Ukraine) gefunden haben, hilft uns sehr bei unserem Neuanfang.

Oksana Shvaika: „Das DAAD-Informationszentrum Kyjiw wird nun wieder vor Ort als Partner der ukrainischen Hochschulen wirken“

Was werden die Schwerpunkte der Arbeit des Informationszentrums in den kommenden Jahren sein?

Für die Beratung Studierender, Forschender und von Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern ist für uns die Zusammenarbeit mit ukrainischen und deutschen Hochschulen zentral. Auch werden wir, zunächst virtuell, Hochschulmessen besuchen. Die Alumniarbeit ist ebenfalls wesentlich für uns: Wir werden zu Alumniveranstaltungen einladen und uns an zahlreichen Aktivitäten für ehemalige Geförderte beteiligen.

Das DAAD-Informationszentrum Kyjiw war als Büro vor Ort über 31 Monate geschlossen. An was können Sie nach dieser langen Unterbrechung anknüpfen?

Schon kurz nach dem russischen Angriff am 24. Februar 2022 hat der DAAD die Nationale Akademische Kontaktstelle Ukraine eingerichtet. Dort wurden die Informations- und Hilfsangebote deutscher Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen für ukrainische Studierende und Forschende gebündelt, und geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer konnten sich zu akademischen Karrieremöglichkeiten und Qualifikationen in Deutschland beraten lassen. Nun versammeln wir unsere Angebote wieder vor Ort in Kyjiw und auf der Website des Informationszentrums. Auch die Kontakte zu den ukrainischen Hochschulen sind nie abgerissen. Im Gegenteil: Die Zahl der deutsch-ukrainischen Hochschulkooperationen stieg seit Kriegsausbruch auf über 300. Das DAAD-Informationszentrum Kyjiw wird nun wieder vor Ort als Partner der ukrainischen Hochschulen wirken und seinen Teil zum akademischen Wiederaufbau leisten.

Interview: Johannes Göbel (14. Oktober 2024)

 

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