Germany-Today-Tour 2023: „Eine unglaubliche Reise“
Wie ist die deutsche Hochschullandschaft aufgestellt, welche aktuellen Entwicklungen gibt es – und wie arbeiten Hochschulen und Industrie zusammen? In diese Themen bekamen die Teilnehmenden der Germany-Today-Informationstour des DAAD im Juni 2023 einen umfassenden Einblick. Vier Besucher aus den USA und Kanada berichten hier, was sie am meisten beeindruckt hat.
Eingeladen waren 21 Vertreterinnen und Vertreter führender Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen in den USA und Kanada sowie Expertinnen und Experten aus der Bildungspolitik. Der Themenschwerpunkt lag diesmal auf der Kooperation von Hochschulen und Industrie – ein Thema, das von den Besucherinnen und Besuchern sehr interessiert aufgenommen wurde. „Die gute Zusammenarbeit von Hochschulen und Industrie ist eine Stärke, die deutsche Hochschulen zu interessanten Partnern für nordamerikanische Universitäten macht“, sagt Dr. Christian Schäfer, Leiter des Referats Forschung und Studien im DAAD. Insbesondere in den Ingenieurwissenschaften gibt es eine lange Tradition der Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen. Eine davon ist die Gründung von organisatorisch, wirtschaftlich und rechtlich eigeständigen Forschungseinrichtungen, die mit der Hochschule eng zusammenarbeiten und eine rasche Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis ermöglichen. Nordamerikanische Hochschulen verfügten ihrerseits vielfach über eine dynamische Entrepreneurship-Kultur, wie sie die deutsche Seite anstrebt. „Von einer engeren Kooperation können alle beteiligten Institutionen und der akademische Austausch insgesamt profitieren“, sagt Schäfer.
Gemeinsam mit Uta Gaedeke, Senior Program Officer an der DAAD-Außenstelle New York, verantwortet er die Tour – ein Format, das seit 40 Jahren erfolgreich ist. In diesem Jahr standen Besuche bei Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen sowie ein Besuch im Ministerium für Kultur und Wissenschaft auf dem Programm. Die Unterstützung für die beteiligten Hochschulen setzt sich auch über die Reise hinaus fort: „Die Außenstelle New York versorgt die beteiligten Universitäten mit zusätzlichen Kontakten und bindet sie in die Arbeit der Außenstelle ein. Daraus entsteht ein kontinuierlich wachsendes Netzwerk, das die transatlantischen akademischen Beziehungen nachhaltig stärkt.“
„Die Verbindungen zwischen Deutschland und Kanada sollten ausgebaut werden“
„Deutsche Universitäten sind bekannt dafür, dass sie seit langem eng mit der Industrie zusammenarbeiten, wobei der Schwerpunkt auf ihren Graduiertenprogrammen liegt. Es war eine außergewöhnliche Bereicherung zu erfahren, wie diese Beziehungen aufgebaut sind und wie sie sich entwickeln.
An der Universität von Toronto gibt es zwar auch schon seit einiger Zeit solche Kooperationen, aber erst in den vergangenen Jahren haben wir ein deutlich gestiegenes Interesse von Studierenden und Lehrkräften daran bemerkt. Dies ist zum Teil auf den zunehmend angespannten Arbeitsmarkt für akademische Stellen zurückzuführen, spiegelt aber auch den zunehmenden Unternehmergeist von Hochschulabsolventinnen und -absolventen wider sowie die sich verändernden Bedürfnisse von Arbeitgebenden.
Mit dem Besuch mehrerer Universitäten, ihrer Industriepartner und eines Landesministeriums in Nordrhein-Westfalen, dem industriellen Kernland Deutschlands, bot uns das Programm eine intensive Einführung in ein regionales Innovationsökosystem aus verschiedenen Perspektiven. Die Rolle der staatlichen Finanzierung bei der Initiierung und Verwirklichung dieser Kooperationen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gleichzeitig hörten wir, dass es nach wie vor eine Herausforderung ist, unternehmerischen Geist unter Studierenden und in der akademischen Welt auf breiter Basis zu fördern.
Ich habe von der Reise mitgenommen, dass die Verbindungen zwischen Deutschland und Kanada ausgebaut und gefördert werden sollten, da wir viel von Deutschlands ausgereiftem Systemansatz und öffentlichen Investitionen lernen können. Gleichzeitig kann Kanada aber auch beim gemeinsamen Einsatz für die Stärkung des Unternehmertums in der Hochschulwelt einen wichtigen Beitrag leisten. Ich freue mich darauf, diese Partnerschaften in Zukunft zu stärken.“
„Das gesamte Spektrum an Lernmöglichkeiten entwickeln“
„Die UNBC unterhält mehrere Partnerschaften auf Forschungsebene mit deutschen Hochschulen. Uns interessiert besonders, wie Partnerschaften zwischen Hochschulen und der Industrie genutzt werden, um das gesamte Spektrum an Lernmöglichkeiten und Wissensmobilisierung zu entwickeln – von Praktika und dualen Studienangeboten für Studierende, bis hin zu hochintensiven Forschungsmöglichkeiten für Promovierende und Forschende. Deutsche Hochschulen und die mit ihnen zusammenarbeitenden Unternehmen haben hervorragende Partnerschaften bei zukunftsweisenden Projekten im Energiesektor und im Bereich der Nachhaltigkeit vorgestellt. Besonders beeindruckend waren die engen und langjährigen Kooperationen, die auf starken Beziehungen und gegenseitigem Respekt beruhen.
An dem dicht gedrängten Programm habe ich sehr geschätzt, dass dennoch Zeit war, einige Einrichtungen und die schöne Stadt Aachen zu besichtigen. Ich habe viele Erfahrungen mit anderen ausgetauscht, die einen positiven Einfluss auf unsere künftigen Industriepartnerschaften haben werden. Die wunderbare Gruppe von Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Positionen hat meine Teilnahme am Germany-Today-Programm 2023 sehr bereichert. Die Organisation und die Qualität der Besuche waren von höchstem Niveau.“
„Eine unglaubliche Reise“
„Es ehrt mich, dass ich auf dieser Reise in Nordrhein-Westfalen mit Kolleginnen und Kollegen, deutschen Gastinstitutionen und Unternehmen Kontakte knüpfen durfte. Dr. Christian Schäfer und Frau Uta Gaedeke haben eine unglaubliche Reise organisiert!
Ich habe gelernt, dass es im deutschen Hochschulsystem Hochschulen für Angewandte Wissenschaften gibt, bei denen Unternehmenspraktika für Studierende Teil des Curriculums sind. Lehrende dieser Hochschulen verfügen über einen Doktorgrad und müssen zudem mindestens fünf Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet haben. Das verleiht ihnen einzigartige Kompetenzen für die enge Zusammenarbeit mit der Industrie und die angewandte Forschung. Viele der von uns besuchten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften haben sich mit Universitäten in der Region zusammengetan, um Forschungszentren einzurichten, die vom Staat, vom Bund und von der Europäischen Union finanziert werden – und an denen die Industrie maßgeblich beteiligt ist.
Ich arbeite an der Clemson University in der Abteilung für externe Angelegenheiten daran, umfassende Beziehungen zu strategischen Unternehmenspartnern aufzubauen. Unser Sitz ist in South Carolina – Standort zahlreicher deutscher Unternehmen, darunter BMW, BASF, Bosch, der ZF Group und Siemens. Kürzlich war unser Uni-Präsident Jim Clements in Deutschland, um einige dieser Unternehmen zu besuchen. Unser Büro für globales Engagement verwaltet Kooperationen mit mehr als 20 deutschen akademischen Einrichtungen. Dank des DAAD kann ich diese Partnerschaften weiter ausbauen und mit neuen Verbindungen ergänzen, die sich während der Germany-Today-Tour 2023 entwickelt haben.“
„Tragende Säule der deutschen Wirtschaftskraft“
„Eine sehr fesselnde Woche lang begab ich mich auf eine intensive Reise, die Besuche bei renommierten Universitäten, innovativen Unternehmen, florierenden Gründerzentren und visionären Technologieclustern umfasste, immer flankiert von aktiven Diskussionen und anregenden Round-Table-Gesprächen.
Zu den besonderen Höhepunkten gehörten Besuche bei Schüco International und der Hochschule Bielefeld, wo ich aus erster Hand die reibungslose Integration von Praktikantenprogrammen sowie die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis durch enge Industriepartnerschaften erleben konnte. An der Universität Bielefeld gewann ich ein umfassendes Verständnis der komplexen Dynamik, die die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und kleinen Unternehmen bestimmt. Auch der Austausch mit Pionierunternehmen im BioMedizinZentrum und die Erkundung von Spitzenforschungsinitiativen im Zentrum für Brennstoffzellentechnik in Duisburg haben die Bedeutung des forschungsgetriebenen industriellen Wandels unterstrichen.
Besonders beeindruckt haben mich die berufsbegleitenden Studiengänge und die Initiativen zum forschungsgetriebenen Wissenstransfer. Die deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit ihrer Praxisnähe sowohl bei den Studierenden als auch den Lehrenden sind ganz offensichtlich eine tragende Säule der deutschen Wirtschaftskraft und Ingenieurleistung.
Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zwischen deutschen Einrichtungen und mit den geschätzten Germany-Today-Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Vereinigten Staaten und Kanada, da wir das gleiche Ziel haben: Bildung, Forschung und Innovation zum Wohle der Gesellschaft voranzutreiben. Dankeschoen!“
(3. August 2023)