Großes Alumnitreffen „Setting Out for the Future – How can we Drive Europe Forward?“

 

Menschen halten EU-Flaggen hoch

Klimaschutz, Flucht und Migration, Digitalisierung, Überwindung der Corona-Pandemie: Die globalen Herausforderungen, mit denen auch wir hier in Europa konfrontiert sind, sind immens - aber nicht unüberwindbar, wenn gemeinsame Wege gefunden, ausgehandelt, umgesetzt werden.

Vom 17. - 19. März 2022 trafen sich insgesamt 149 Alumni aus 27 EU-Ländern in Berlin und online, um diese Themen zu diskutieren und in thematischen Workshops gemeinsam Lösungsansätze für die drängendsten Fragen Europas zu erarbeiten.

Neue Ideen für Europa

Auf dem großen EU-weiten Alumnitreffen „Setting Out for the Future – How can we Drive Europe Forward?“ tauschten sich Teilnehmende aus 27 Ländern zu den großen Herausforderungen unserer Zeit aus und entwickelten innovative Lösungen. 

Es ist nicht lange her, da wurde öffentlich darüber debattiert, welche Rolle Europa und der sogenannte Westen überhaupt noch spiele in einer Welt, in der sich immer neue politische und ideologische Bruchlinien auftun. „Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2020 machte der Begriff Westlessness die Runde“, erinnert sich DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Man stellte sich ernsthaft die Frage: Gibt es den Westen überhaupt noch? Kann sich eine echte europäische Identität überhaupt noch ausbilden in einer komplexen Gegenwart, die geprägt ist von teils widersprüchlichen Interessen?“

Zwei Jahre später zeigt sich: Sie kann. Wer in die Gesichter der DAAD-Alumni blickte, die vom 17. bis zum 19. März in Berlin zu einem EU-weiten Treffen zusammenkamen, spürte Engagement und Entschlossenheit eben genau darin, sich nicht im Kleinklein unterschiedlicher Perspektiven zu verfangen, sondern die großen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam anzugehen. Unter dem Titel „Raus in die Zukunft- wie bringen wir Europa voran?“ ging es darum, gemeinsam große Themen wie den Klimawandel, Migration, Rechtspopulismus und die Digitalisierung aus einer fach- und grenzüberschreitenden Perspektive anzugehen und im Rahmen von Workshops idealerweise zu politischen Handlungsempfehlungen auszuarbeiten. Insgesamt 149 Alumni aus 27 europäischen Ländern, darunter fast alle EU-Mitglieder und zwei Staaten des westlichen Balkans, nahmen teil – davon knapp 90 vor Ort, der Rest war virtuell zugeschaltet.

EU-Alumniveranstaltung 2022 Gruppenfoto

„Ein Angriff auf die westliche Weltordnung“

Eigentlich geplant für Oktober 2020, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft begleitend, speiste sich die in Berlin zu spürende Einheit und Aufbruchsstimmung natürlich auch aus der aktuellen geopolitischen Lage. „Wir müssen erkennen, dass der russische Angriff auf die Ukraine auch ein Angriff auf die westliche Werteordnung ist“, so DAAD-Präsident Mukherjee in seinen einleitenden Worten. Das begünstige die Rückbesinnung Europas auf das, was es zu verlieren hat. Aber eben nicht nur, zumal die Veranstaltung am Ende eines langen und erfolgreichen Austauschs stand, der vom DAAD bereits 2020 zu relevanten EU-Themen initiiert worden war.

Ab Mai 2020 erarbeiteten DAAD-Alumni in insgesamt acht nationalen oder regionalen EU-Ideen-Labs erste Lösungskonzepte. So beschäftigte sich ein deutsch-ungarisches Team des DAAD-Freundeskreises mit der Gefahr des Rechtspopulismus für die Wissenschaftsfreiheit und skizzierte die Idee einer europaweiten Plattform zur Unterstützung gefährdeter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Aus einem ungarischen Ideen-Lab kam der Impuls, sich mit der Wissenschaftskommunikation in der Berichterstattung rund um den Klimawandel zu beschäftigen, die noch viel zu stark geprägt sei durch falsche Euphemismen. Die Gewinnerin des rumänischen Labs stellte die Frage, welche psychologischen Mechanismen bei klimaschädigendem Verhalten wirken und wie wir diese überwinden könnten.

In Europa steckt großes Potenzial gemeinschaftlicher Ideenfindung

All dies sei ein Beweis für das große Potenzial gemeinschaftlicher Ideenfindung in Europa – ganz unabhängig von der aktuellen Situation, so EU-Politiker und DAAD-Alumnus Udo Bullmann, der sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit seinem EU-Parlamentskollegen Siegfried Mureşan, DAAD-Präsident Mukherjee sowie der Grünen-Politikerin Chantal Kopf zu den aktuellen Herausforderungen Europas austauschte. „Man spürt die Dynamik, die der kritische freie Geist in die intellektuelle Befassung mit großen Herausforderungen tragen kann, wenn es grenzüberschreitende Kooperationen gibt.“ Bullmann selbst hatte Mitte der 1990er-Jahre die Gelegenheit, mit Mitteln des DAAD Kontakte in Großbritannien zu knüpfen. „Ich habe mir ein Auto gemietet, bin die Unis meines Interesses abgefahren und habe mich mit Wissenschaftskolleginnen und -kollegen darüber ausgetauscht, wie sich ihr Land entwickeln wird unter dem Einfluss der europäischen Integration. Dafür bin ich dem DAAD bis heute dankbar.“

EU-Veranstaltung 2022 Podiumsdiskussion

Auch Katharina Verena Schlepper, die von 2019 bis 2020 mit einem DAAD-Graduiertenstipendium in Budapest forschte, hat „extrem von der Möglichkeit des Austausches profitiert“, wie sie selbst sagt. Schlepper war Teilnehmerin des Ideen-Labs zum Thema Rechtspopulismus. Für den Workshop in Berlin, der sich mit der Förderung europäischer Werte beschäftigte, fungierte sie als Input-Geberin. „Es war eine tolle Stimmung im Workshop, man hat einfach gemerkt, wie sehr der DAAD uns doch verbindet – etwa im Sinne einer Grundoffenheit gegenüber anderen Kulturen, wobei wir trotz allem natürlich immer auch unsere eigene Perspektive einbringen“, erzählt sie. Eine Multiperspektivität, die sich auch in der Abschlusspräsentation der Arbeitsgruppe zeigte. Statt bestimmte sogenannte europäische Werte einfach nur vorzugeben und in Projekten zu fördern, schlug der Workshop vor, Initiativen zu fördern, die sich selbst mit diesen Werten auseinandersetzen – und so maßgeblich zur Bildung und Festigung jener europäischen Identität beitragen, die zur Bewältigung kommender Herausforderungen so hilfreich wäre.

Die Bereitschaft zur europäischen Zusammenarbeit spiegelte sich auch im Workshop „Studieren und Forschen in Europa“ wider, den Anna-Lena Sender von der DAAD-Außenstelle Brüssel moderierte und dessen Ergebnisse in den Räumlichkeiten der französischen Botschaft Berlin präsentiert wurden. Zwar gebe es noch immer institutionelle und nationale Hindernisse, um Hochschulkooperationen auf EU-Ebene weiter zu vertiefen, so Michael Gaebel, DAAD-Alumnus und Direktor der Higher Education Policy Unit der European University Association (EUA). „Aber man sieht an dem Workshop, dass inzwischen stark auf einer gemeinsamen Ebene diskutiert wird, dass Debatten synchronisiert sind.“ Für Gaebel ist das auch ein Verdienst des EU-weiten Formats, das Alumni aus vielen Ländern und Arbeitsgebieten zusammenbringt. „Die gemeinsame Erfahrung durch den DAAD, also im Grunde die Erkenntnis, dass man in einem gemeinsamen Hochschulraum agiert, ist einfach eine sehr gute Basis, um konstruktiv über die Zukunft europäischer Hochschulen nachzudenken“, so Gaebel, der als Experte an dem Workshop teilnahm.

Sämtliche Workshops, zwei davon vom unterstützt, erarbeiteten Policy Papers, die der DAAD deutschen Abgeordneten übergeben und bei der Konferenz zur Zukunft Europas einreichen wird, damit die von den Alumni entwickelten Ideen Europa voranbringen können.

Autor: Klaus Lüber

Stand: April 2022

 

Ergebnisse der Workshops: