Bewerbungsvoraussetzungen und Auswahlverfahren

Sascha Hübers / pixelio.de

Bewerbungsvoraussetzungen

Folgende formale Bewerbungsvoraussetzungen sollten Sie erfüllen:

  • Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaats
  • ein überdurchschnittlich guter Studienabschluss (Magister Artium, Staatsexamen Sekundarstufe II, Master, Diplom, Promotion) in einem für das Lektorat relevanten Studienfach - in der Regel mit Germanistik, Deutsch als Fremdsprache oder auch einer Fremdsprachenphilologie im Haupt- oder Nebenfach
  • Lehrerfahrung an einer deutschen Hochschule oder Lehrerfahrung im Bereich Deutsch als Fremdsprache
  • Muttersprachliche Beherrschung des Deutschen und aktuelle Kenntnis der deutschen Gesellschaft und Kultur sowie des deutschen Hochschulwesens, in der Regel nachgewiesen durch Ableistung eines wesentlichen Teils des Studiums an einer deutschen Hochschule und durch einen deutschen Hochschulabschluss.
  • Der Lebensmittelpunkt soll während der letzten beiden Jahre vor der Bewerbung in Deutschland gelegen haben.
  • Die Lektorate werden bevorzugt mit Nachwuchskräften besetzt.
  • Erwünscht bzw. notwendig (je nach Region) sind zudem Fremdsprachenkenntnisse der jeweiligen Zielregion. Bei einigen Lektoraten sind zusätzlich sehr gute Kenntnisse in der Unterrichtssprache des Gastlandes erforderlich.

Auswahlverfahren

Das Bewerbungsverfahren für ein DAAD-Lektorat ist recht umfangreich und umfasst im Wesentlichen sechs Schritte.

1. Genaue Lektüre der Ausschreibung der zu besetzenden Lektorate

Pro Jahr schreibt der DAAD rund 100 Lektorate an ausgewählten ausländischen Hochschulen neu aus. Die Hauptausschreibungen erfolgen in der Regel im September/Oktober. Sie finden sie in der "Zeit" und hier auf unserer Seite.

Gerne machen wir Sie vor der Hauptausschreibung im Herbst darauf aufmerksam. Bitte hinterlassen Sie hierfür Ihre Mailanschrift bei Frau Sternberg.

2. Nähere Informationen zum ausgeschriebenen Lektorat

Bei Fragen empfehlen wir, mit den Ansprechpartnern Ihrer Zielregion im DAAD Kontakt aufzunehmen. Die Namen und E-Mail-Kontakte der Ansprechpartner finden Sie im Internet hier.

3. Bewerbung  und Auswahlkriterien

Während laufender Ausschreibungen (meist im Oktober und ggf. im Frühjahr eines Jahres) finden Sie in den einzelnen Ausschreibungen in der Datenbank Dokumente zum Download, welche die genauen Bewerbungsvoraussetzungen beschreiben.

Ihre Bewerbung sollte über das Studium der für das angestrebte Lektorat relevanten Fächer und die erreichten Abschlüsse Aufschluss geben sowie Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Vermittlung von Fremdsprachen nachweisen (insbesondere auf dem Gebiet Deutsch als Fremdsprache).

4. Informationsgespräch im DAAD 

Der DAAD lädt Interessentinnen und Interessenten, die auf Grund der eingereichten Unterlagen unter Berücksichtigung der Gesamtzahl der Vermittlungsanträge für eine Vermittlung in Frage kommen, in der Regel zu einem Informationsgespräch nach Bonn ein (außer für West-, Süd- und Nordeuropa). Bei diesen Gesprächen werden Sie über die je spezifischen Profile der Lektorate, die Lektorentätigkeit allgemein, die Arbeit des DAAD und die Situation in den Partnerländern ausführlich informiert. Die Gespräche sind eine wichtige Etappe im Bewerbungsverfahren.

Die Einladung zum Informationsgespräch erfolgt durch das zuständige Regionalreferat.

5. Weitere Auswahl des DAAD

Nach diesen Gesprächen können ggf. innerhalb einer Region noch Prioritäten geändert werden.

Geeignet erscheinende Bewerberinnen und Bewerber werden zu einem Auswahlgespräch nach Bonn eingeladen.

6. Auswahlgespräch mit einer Kommission aus Hochschullehrern (Entscheidung der Kommission über die fachliche Eignung)

Der unabängige Auswahlausschuss setzt sich aus deutschen und ggf. ausländischen Fachvertretern zusammen, die die Teildisziplinen des Faches (Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Deutsch als Fremdsprache) abdecken. Die Kommission befindet über die fachliche Eignung der Kandidaten und trifft ihre Entscheidung auf Grund der eingereichten Bewerbungsunterlagen und des persönlichen Eindrucks des Bewerbers im Auswahlgespräch.

Der DAAD leitet die Unterlagen der ausgewählten Bewerber an die ausländische Hochschule weiter, die die endgültige Entscheidung trifft, wem sie ein Angebot zur Anstellung macht. Ein Dienstvertrag wird nur mit der ausländischen Hochschule, nicht mit dem DAAD abgeschlossen. Der DAAD schließt mit dem von der ausländischen Hochschule akzeptierten Lektor eine (privatrechtliche) Förderungsvereinbarung ab.

Je nach Organisation der Verfahrensabläufe in der Gasthochschule kann dieser Entscheidungsprozess mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Der Lektor ist verpflichtet, an den vom DAAD für ihn vorgesehenen Vorbereitungsmaßnahmen teilzunehmen. Die Daten der Lektorinnen und Lektoren werden, soweit zur Bearbeitung bzw. für die Förderung notwendig, in Übereinstimmung mit dem Bundesdatenschutzgesetz gespeichert.

Wichtige Hinweise

Hinweise für Beamte oder Angestellte, die für die Dauer der Lektorentätigkeit eine Beurlaubung anstreben:

Die erforderlichen dienstrechtlichen Anträge haben die Bewerberinnen und Bewerber rechtzeitig auf dem Dienstweg und in Abstimmung mit dem DAAD selbst zu stellen. Der DAAD ist bereit, Beurlaubungsanträge bei den zuständigen Behörden zu unterstützen, wenn er vom Bewerber hierzu ermächtigt wird.

Eine Garantie für die berufliche Integration nach dem Ende der Förderungszeit kann vom DAAD nicht übernommen werden.

Exkurs: Herausforderungen im fremdkulturellen Land

Die fachlichen Qualifikationen sind nur eine Seite der Medaille. Von zentraler Bedeutung ist auch Ihre Persönlichkeit. Ein Aufenthalt in einem anderen, fremdkulturellen Land bietet eine Reihe von kleinen und großen Herausforderungen.

In den meisten Ländern des Kulturraums Nord- und Westeuropas sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Hochschulstrukturen mit denen in Deutschland vergleichbar, auch wenn es natürlich Mentalitätsunterschiede und andere Curricula gibt. In vielen Schwellen- oder Entwicklungsländern arbeiten Lektoren allerdings unter Bedingungen, die weit von dem abweichen, was sie gewohnt sind.

Bevor Sie sich für eine Region bewerben, deren Kultur und Alltagsleben sehr von Ihrer eigenen verschieden ist, sollten Sie eingehend prüfen, was Sie dort erwartet. Informieren Sie sich über die Lebens- und Arbeitsbedingungen im angestrebten Zielland. Wichtig kann für Sie auch sein, sich ein Bild von der Auslandsgermanistik in Ihrem Zielland zu machen.

Die folgenden Punkte sollen Ihnen dabei helfen, sich mit möglichen Bedingungen, Kulturdifferenzen und Mentalitätsunterschieden gedanklich vertraut zu machen. Sie skizzieren Gegebenheiten, die für Sie zu einer großen Herausforderung werden können.

Administration und Bürokratie: In vielen Ländern können administrative Verfahren als allzu bürokratisch erlebt werden, vor allem, wenn es gilt, umständliche und zeitaufwendige Prozeduren zu ertragen.

Ausbildungssysteme: Wenig oder gar keine akademische Freiheit kann in verschulten Studiengängen als Zeichen für autoritäre Strukturen im Bildungssystem empfunden werden.

Ausstattung der Hochschule: Es gibt Hochschulabteilungen, die sowohl materiell als auch personell mit sehr knappen Ressourcen auskommen müssen. Einheimische Kollegen sind wegen eines kargen Gehaltes oft gezwungen, auch außerhalb der Hochschule Beschäftigungen nachgehen.

Akademische Ansprüche: Gelegentlich müssen die Lektoren ihre akademischen Ansprüche erheblich relativieren. Das liegt teils an der unzureichenden Vorbildung der Studierenden, teils aber auch daran, dass der Lektor in erster Linie in der Sprachvermittlung eingesetzt wird.

Politische Verhältnisse und Menschenrechte: Leider sind in vielen Ländern immer noch Verletzungen der Menschenrechte zu beklagen. Lektoren müssen sich zum Teil mit politischen Bedingungen auseinandersetzen, die ihren eigenen Wertvorstellungen und demokratischen Maßstäben widersprechen, ohne konkret Einfluss nehmen zu können.

Gleichberechtigung von Mann und Frau: Als belastend empfunden werden kann die Tatsache, dass Frauen in vielen Ländern im Alltagsleben und auch in den Hochschulen nicht als den Männern gleichwertig akzeptiert werden.

Armut: In manchen Ländern ist die tagtäglich erfahrbare Armut nur schwer zu ertragen.

Hygiene: In manchen Ländern sind die hygienischen Bedingungen unzureichend. Man muss mit Erschwernissen wie lästigem Ungeziefer rechnen, aber auch mit einer mangelnden Wasser- und Stromversorgung.

Wohnung: Nicht in allen Ländern können Lektoren damit rechnen, eine komfortable ruhige Wohnung zu finden.

Konventionen: Es wird nicht ausbleiben, dass die Lektoren trotz großen Bemühens in manches Fettnäpfchen treten. Gerade in der ersten Zeit kann es trotz bester Absicht zu Missverständnissen und Verletzungen von Tabus kommen.

Niemand – und auch nicht Sie selbst – kann von Ihnen verlangen, dass Sie sich von heute auf morgen an eine ganz andere Lebensweise gewöhnen und sich problemlos in ein fremdes Umfeld einfügen. Vieles kann man lernen; auch in zunächst sehr groß scheinende Aufgaben wächst man hinein.

Wichtig für einen gelungenen Aufenthalt ist Ihre Bereitschaft, sich auf die fremde Kultur einzulassen. Dazu gehört auch, sich darum zu bemühen, die Sprache Ihres Gastlandes zu erlernen.

Stand: 01.10.2013