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Hochschulbeziehungen
Deutschland unterstützt den Irak

Die Bundesregierung fördert den Wiederaufbau der Hochschulen im Irak. 60 irakische Wissenschaftler trafen ihre deutschen Kollegen bei so genannten „Winter Schools“ in Berlin, Marburg, Erlangen, Mainz und Dortmund.


Beziehung wieder aufgenommen: Irakische Wissenschaftler zu Besuch an deutschen Universitäten
(Foto: Zensen)

Am Anfang steht der Kontakt: 60 irakische Professoren und Nachwuchswissenschaftler beschreiben ihren deutschen Kollegen, was es heißt, in einem zerstörten Land Politikwissenschaft, Archäologie, Sozialwissenschaft, Geisteswissenschaften, Humangeographie und Raumplanung zu unterrichten. Auf Einladung der Freien Universität Berlin, der Universitäten Marburg, Erlangen, Mainz und Dortmund sind sie zu vierwöchigen „Winter Schools“ nach Deutschland gekommen. „Wir konnten zum ersten Mal wieder Kollegen im Ausland treffen“, sagt etwa Mohammed Jawad Ali, Leiter des Zentrums für Internationale Studien der Universität Bagdad, der sich an der Freien Universität Berlin über aktuelle politikwissenschaftliche Themen informiert.

Für Christian Bode, Generalsekretär des DAAD, bedeutet der Besuch „ein Stück Normalisierung“. Wilfried Grolig, Leiter der Kultur- und Bildungsabteilung im Auswärtigen Amt, betont, dass die politische Bedeutung des Austauschs gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Ohne den Aufbau ziviler Strukturen werde sich ein demokratisches System schlecht behaupten. Bode plädiert für einen Ausbau Beziehungen. Die „Winter Schools“ dürften keine einmalige Veranstaltung bleiben, zumal sich amerikanische und andere europäische Universitäten bereits intensiv um die besten irakischen Wissenschaftler bemühten. Sobald die Sicherheitslage es zulasse, werde der DAAD ein Lektorat in Bagdad einrichten.

Hochschulen spenden Bücher

Die Iraker kommen von Hochschulen in Bagdad, Basra und den drei Universitäten aus den kurdischen Gebieten im Nordirak. Sie hören Vorträge deutscher Experten zu Themen wie Verfassungsgebung, Organisation freier Wahlen und Vergangenheitsbewältigung. Ganz konkret unterstützen die deutschen Hochschulen ihre irakischen Partner mit Bücherspenden, denn nach Jahren des Embargo gibt es in den Universitätsbibliotheken keine aktuelle Literatur.

Die irakischen Gäste interessieren sich besonders für das föderalistische Prinzip der Bundesrepublik. „Wir sind ein Vielvölkerstaat. Da gibt die deutsche Verfassung viele Anregungen“, sagt etwa der Politik- und Medienwissenschaftler Muafak Asad Ahmad, der an der Universität Sulaymania in den kurdischen Gebieten lehrt. Außerdem lässt es sich in Frieden besser kommunizieren. „Man kann einfach besser denken, wenn man sich außerhalb des Landes trifft. Hier hört man keine Schießereien, kein ständiges Kanonenfeuer, wie es noch immer in Bagdad und im Süden des Landes üblich ist“, sagt Muafak Asad Ahmad.

Tilmann Warnecke

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