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Funktionalität / Technische Standards
 
Jegliche Funktionalität eines Angebots jenseits der Darstellung von reinem Text schränkt einige Nutzer unvermeidlich ein oder schließt sie gar aus. Beim Einsatz bestimmter technischer Standards ist es daher unvermeidlich, Kompromisse einzugehen.
 
 
 

 
Kleiner gemeinsamer Nenner
Der Spielraum für Kompromißlösungen ist bei Angeboten, die sich an ein internationales Publikum richten, nochmals kleiner, da die Voraussetzungen hier nochmals weiter auseinander liegen.
 
Anhand regelmäßig veröffentlichter Browser-Statistiken kann bei einer nationalen Zielgruppe einfach errechnet werden, wieviel Prozent der Nutzer eine Internet-Seite nicht optimal betrachten können, wenn die Programmierung den Standard bestimmter Browser-Generationen unberücksichtigt läßt. Im internationalen Maßstab hingegen gestaltet sich das weitaus schwieriger.
 
Die nachfolgende Statistik zeigt exemplarisch Häufigkeitsverteilungen der fünf meist verbreiteten Browser-Versionen anhand der Auswertungsdaten von neun Internet-Servern auf vier Kontinenten, die vergleichbare Statistik-Programme verwenden.
 
Länderbeispiele Stand Netscape
Navigator 4.x
Netscape
Navigator 3.x
Netscape
Navigator 2.x
Internet
Explorer 4.x
Internet
Explorer 3.x
Gesamt
USA
www.cen.uiuc.edu
03/98 27,3 % 24,8 % 3,1 % 20,6 % 19,7 % 95,5 %
Japan
hermes.hako.is.uec.ac.jp
02/98 0,5 % 67,3 % 9,0 % 0,1 % 18,6 % 95,5 %
Singapur
dragon.iscs.nus.edu.sg
08/98 13,1% 73,2 % 4,0 % 2,3 % 2,5 % 95,1 %
Kroatien
cross.carnet.hr
03/98 17,0 % 24,4 % 3,8 % 19,0 % 27,6 % 91,8 %
Südafrika
www.ee.techpth.ac.za
03/98 25,7 % 20,8 % 1,6 % 18,6 % 24,0 % 90,7 %
Deutschland
Ivs.cs.uni-magdeburg.de
03/98 38,4 % 26,8 % 2,0 % 10,9 % 9,5 % 87,6 %
Brasilien
novaware.cps.softex.br
02/98 44,2 % 17,3 % 2,0 % 13,5 % 7,6 % 84,6%
Italien
www.agip.it
02/98 10,2 % 38,0 % 5,3 % 5,7 % 19,9 % 79,1%
Tschechien
www.nat.cz
04/98 21,6 % 14,1 % 1,6 % 16,8 % 9,6 % 63,7 %
Durchschnitt   22,0% 34,1% 3,6% 11,9% 15,4 % 87,1 %
(Browser Agent Statistics 1.2.x. Für weitere Länder in Afrika, Asien oder Lateinamerika sind vergleichbbare Zahlen nicht verfügbar.)
 
 
Es ist bei allen Angeboten davon auszugehen, daß die darauf zugreifenden Nutzer hauptsächlich Inländer sind. Auch wenn die Ergebnisse der einzelnen Server sich nicht generalisieren lassen, läßt sich doch folgendes feststellen:
 
  1. Es besteht kein signifikantes Verhältnis zwischen Pro-Kopf-Einkommen eines Landes und der Ausstattung seiner Internet-Nutzer bezüglich ihrer Browser-Versionen. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß Zahlenmaterial hier - außer für OECD-Länder - nur für sogenannte Schwellenländer vorliegt.

  2.  
  3. Die Anzahl der Nutzer, die selbst bei Anwendung des niedrigsten gemeinsamen technischen Standards dieser Programme Probleme haben könnten, beträgt bis zu 30%.

  4.  
  5. Bei Anwendung des höheren Standards der vierten Generation von Browser-Programmen kann dies nationale Nutzergruppen nahezu vollständig ausschließen (vgl. Japan). Hier spielt wahrscheinlich die Verfügbarkeit von Sprachversionen der neuen Browser-Versionen eine entscheidende Rolle. Anders läßt sich die niedrige Nutzungsrate von Browsern der vierten Generation bei einer ansonsten weitverbreiteten Nutzung neuerer Software in Japan kaum erklären. Sprachversionen in lateinischer Schrift (Deutsch, Portugiesisch, Italienisch) erscheinen weitaus früher als beispielsweise die japanische Version.
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Alternative Navigationsmöglichkeiten vorsehen
Ziel eines Internet-Angebotes, das sich an eine internationale Zielgruppe richtet, kann nicht sein, den kleinsten gemeinsamen technischen Nenner (HTML 1.0) zu wählen. Man würde auf viele Möglichkeiten verzichten, die ein Angebot nicht nur interessant, sondern auch innovativ machen. Rücksicht auf geringere technische Standards zu nehmen, muß nicht Verzicht bedeuten. Die Lösung liegt in der Schaffung von Alternativen oder "mitdenkender" Seitenprogrammierung.
 
Hierzu gehören u.a.:
  • Die Auszeichnung aller Bilder mit Beschriftungen, vor allem wenn sie Link- oder ähnliche Funktion haben. Dies kommt nicht nur jenen Nutzern zugute, die in ihren Browsern die Bilddarstellung ausgeschaltet haben, sondern beispielsweise auch Sehbehinderten.

  •  
  • Das Angebot einer alternativen Navigationsmöglichkeit über dezente Links (bspw. am Seitenfuß), wenn Frames, vor allem aber wenn anklickbare Navigationsbilder (Image-Maps) eingesetzt werden. Dies erleichtert darüber hinaus auch Suchmaschinen eine Indizierung der Seiteninhalte.

  •  
  • Der vorsichtige Einsatz von JavaScript-Funktionen zu Navigationszwecken. Pop-up-Fenster, On-Mouse-Over-Effekte oder mit Pull-down-Menüs kombinierte Navigationen können Inhalte hervorragend strukturieren, Pop-up-Fenster Zusatzinformationen adäquat präsentieren. Diese Funktionen erfordern bei allen Browser-Versionen vor Netscape 3.x und Internet-Explorer 4.x alternative Lösungen. Soll eine breite Zielgruppe erreicht werden, muß sichergestellt werden, daß die Navigation auch ohne diese Elemente möglich ist. Im Bereich der Navigation bspw. kann JavaScript für eine Abkürzung im Navigationsbaum oder zur Darstellung von Zusatzinformationen eingesetzt werden. Bei Informationen, die nicht wesentlich sind, kann eine technische Barriere durchaus hingenommen werden; hier sollte dann aber ein Hinweis auf den Einsatz von JavaScript gegeben werden, da einige Nutzer JavaScript bewußt deaktiviert haben.

  •  
  • Ähnliches gilt auch für den Einsatz von Java-Applets zu Navigationszwecken. Da hiermit in der Regel komplette Navigationssysteme erstellt werden, sollte auf jeden Fall ein alternatives HTML-basierendes Navigationssystem geschaffen werden (was einen nicht unbeachtlichen Mehraufwand bedeutet). Über eine automatische Abfrage der Java-Fähigkeit des Browsers kann dann das eine oder andere Navigationssystem abgerufen werden.
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Nochmals: Ladezeiten beachten
Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern stellt die unzureichende Infrastruktur noch eine große Hürde dar; auch wenn inzwischen fast alle Länder der Erde zumindest per E-Mail an des Internet angeschlossen sind. Wo leistungsfähige Leitungen nicht vorhanden sind, fehlt dem Internet zwangsläufig sein Rückgrat, die "backbones", die erst eine akzeptable Geschwindigkeit beim Surfen gewährleisten.
 
Auch sind trotz eines insgesamt niedrigeren Preisniveaus die Kosten für Internet-Verbindungen in diesen Ländern meist deutlich höher als hierzulande. Insofern ist die Reduktion der Ladezeiten um so wichtiger, wenn sich das Angebot nicht nur an Studenten aus Westeuropa, Nordamerika, Australien und Japan richten soll.
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Kleine Bildschirmgrößen
Nach wie vor empfiehlt es sich, Internet-Seiten so zu gestalten, daß ihre wesentlichen Elemente auf einem 14&quo-Bildschirm (Auflösung 640x480) vollständig dargestellt werden können. Da sie sich der Fenstergröße anpassen können, ist es möglich, daß die Seiten auch bei größeren Auflösungen optimal aussehen. Erfahrungsgemäß werden allerdings auch auf größeren Bildschirmen die Browserfenster auf nicht mehr als 800 Bildpunkte Breite aufgezogen.
 
Die Reduktion aller Bilder auf die 216er-Farbtabelle, die systemübergreifend auch mit einer Auflösung von 256 Farben zufriedenstellend dargestellt werden kann.
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Plug-ins
Im Gegensatz zu JavaScript und Java stellen Plug-ins, also die Browser-Funktionalität ergänzende Programme, ein zusätzliches Hindernis dar. Sie müssen zuerst geladen werden, bevor im Browser Dokumente dargestellt werden können, die auf Plug-ins zugreifen (z.B. Shockwave, Flash usw.).
 
Plug-Ins bieten sich daher nur für bestimmte Einsatzgebiete an. Ihre technischen Fähigkeiten stellen in vielen Angeboten eine Aussage über technische Kompetenz und Modernität dar; trotzdem sollte ihr Einsatz im spezifischen Nutzen begründet bleiben und nicht zum Selbstzweck werden. Auf Informations- und Serviceseiten haben sie deshalb selten Berechtigung - in unterhaltenden Angeboten hingegen durchaus.
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Stylesheets und Layers
Stylesheets bieten hervorragende Möglichkeiten, die Erscheinung aller wesentlichen HTML-Elemente einer Internet-Seite fest zu definieren (Font, Fontgröße, Farben, Links etc.). Sie dienen quasi als Formatvorlage für statische oder dynamisch generierte HTML-Seiten. Sollen Veränderungen am Erscheinungsbild der Seiten vorgenommen werden, genügt hier die Änderung im zugehörigen Stylesheet (Änderungen müssen nicht an jeder statischen Seite vorgenommen werden).
 
Layers ermöglichen dagegen, das Erscheinungsbild einer Internet-Seite selbst flexibel zu generieren. Dazu werden alle Elemente der Seite geladen, aber nur teilweise dargestellt, weitere Elemente können Teilbereiche der Seite bei Bedarf überlagern. Der Vorteil besteht - ähnlich den Stylesheets - in einem insgesamt effizienteren Umgang mit den Elementen der Seite. Ausgetauscht werden nur die Informationen, die wirklich zusätzlich benötigt werden. Daß diese Elemente dabei individuell bewegt werden können, macht den Einsatz dieser neuen Technologie zu einer interessanten Alternative zu einigen Plug-ins.
 
Diese unter dem Begriff Dynamic HTML zusammengefaßten Funktionserweiterungen können allerdings nur von Browsern der vierten Generation interpretiert werden. Dabein sind die großen Browser-Produzenten zudem unterschiedliche Wege gegangen, so daß nur eine kleine Schnittmenge von Funktionen verfügbar ist, die nicht einer unterschiedlichen Programmierung und vorherigen Abfrage der Browsergattung bedarf.
 
Insofern gelten beim Einsatz dieser Technologie die gleichen Bedingungen wie auch bereits bei JavaScript oder Java: Für Nutzer, die nicht über diese Funktionen verfügen können, sollten alternative Zugangsmöglichkeiten geschaffen werden, was allerdings den Aufwand erhöht. Da die Browser der vierten Generation derzeit im internationalen Durchschnitt noch wenig verbreitet sind, scheint sich dieser Aufwand für ein internationales und informationsorientiertes Angebot kurz- und mittelfristig nicht zu lohnen.
 
 
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