2011

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Internationale DAAD Akademie: Regionalkompetenz Türkei - in Istanbul

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Wie funktioniert das türkische Hochschulsystem, was macht die Deutsch-Türkische Hochschule und in welcher Sprache wollen türkische Austauschstudierende in Deutschland unterrichtet werden? Antworten erhielten 15 Professoren und Hochschulmanager beim Seminar der Internationalen DAAD-Akademie in Istanbul.

Im Stop-and-go-Verkehr Richtung Taksim-Platz, dem quirligen Verkehrsknotenpunkt des internationalen Istanbul, gelingt dem Taxifahrer ein treffendes Bild: "Istanbul ist keine Stadt – Istanbul ist ein Land." In diesem "Land", das erst Byzanz, später Konstantinopel hieß, begegnen sich Europa und Asien, es hat eine West-Ost-Ausdehnung von 100 Kilometern, zählt, je nach Schätzung, 13 oder 15 Millionen Einwohner und nicht weniger als 45 Universitäten. Deutschlandbild in der Türkei – und umgekehrt In die Megacity am Bosporus reisten Anfang Mai Teilnehmer eines Seminars der Internationalen DAAD-Akademie, kurz iDA. Unter dem Titel "Regionalkompetenz Türkei" vermittelte die Veranstaltung Einblicke in die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation des Landes und informierte über das türkische Schul- und Hochschulsystem. Dazu warf das Seminar ein Schlaglicht auf das Deutschlandbild in der Türkei und umgekehrt. Im Zentrum standen die Besuche dreier Istanbuler Universitäten: die englischsprachige, staatliche "Bosporus-Universität", die englischsprachige private Stiftungsuniversität "Istanbul Bilgi University" sowie die (überwiegend) türkischsprachige staatliche "Istanbul Üniversitesi".

Die 15 Teilnehmer kamen mit unterschiedlichen Anliegen in die geschichtsträchtige Metropole. "Wir haben sehr viele Studierende aus der Türkei", sagte Elke Sasse-Fleige, Leiterin des Auslandsamtes der Universität Hildesheim, "aber in der Gegenrichtung stockt es." Marcus Rehm und Murat Mola, Professoren für Energietechnik beziehungsweise Maschinenbau der Hochschule Ruhr-West, bekundeten "Interesse an Forschungskooperationen", und Birgit Weiß vom Auslandsamt der Universität Mainz, suchte "Wege, unseren türkischen Studierenden besser entgegen zu kommen". Rekrutierung von türkischen Studierenden, die Situation diverser Forschungsgebiete in der Türkei oder die Alumni-Arbeit in bestehenden deutsch-türkischen Studiengängen standen ebenfalls im Fokus.


Zahl der Studierenden steigt rasant

Deutschland beliebt – mit englischsprachigen Studiengängen Deutschland ist das beliebteste "Outgoing"-Land der EU für türkische Studierende. "Gefragt sind vor allem Masterstudiengänge", sagt Isabell Aydan Risch, IC-Lektorin in Istanbul. Türkische und deutsche Hochschulen haben seit 2003 eine Reihe von gemeinsamen Studiengängen mit Doppelabschluss etabliert, etwa den Masterstudiengang "Deutsches und Türkisches Wirtschaftsrecht" der Uni Köln und der Bilgi-University in Istanbul. Hintergrund dieser Entwicklungen: Deutschland ist wichtigster Handelspartner der Türkei, und das Netz der Kontakte zwischen beiden Ländern ist durch rund 2,4 Millionen Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund besonders eng.

Ob von der Bosporus-Kaderschmiede, der liberalen, weltoffene Bilgi-University oder der traditionellen Istanbul-University, eine Botschaft gaben die türkischen Hochschulvertreter ihren deutschen Kollegen übereinstimmend mit auf den Weg: Wer mehr türkische Studierende anlocken möchte, muss Studiengänge in englischer Sprache anbieten. Diesen Weg wird wohl auch, so kurios das erscheinen mag, die in Istanbul geplante "Deutsch-Türkische Hochschule" beschreiten. Über das von politischer Seite als "Leuchtturmprojekt" gewertete Vorhaben informierte aus erster Hand der Gründungsrektor Ziya Sanal. Demnach soll der Studienbetrieb (in ausgewählten Fächern und in provisorischen Bauten) zum Sommersemester 2012 starten.

"Positiv überrascht vom Niveau der Hochschulen" zeigte sich Marcus Rehm nach Ende des Seminars. Und ginge es nach den Wünschen von Elke Sasse-Fleige, würde der Fächerkanon der Hildesheimer Übersetzungswissenschaften baldmöglichst um Türkisch erweitert.
Quelle: http://www.daad-magazin.de/17336/index.html

Autor: Mathias Nofze

Veröffentlichungsdatum: 20.05.2011