Vollstipendiaten - dt. Auslandsschulen

Home

Dr. Hilmi Or

Interview mit Hilmi OR

  Hilmi Or

Name:                            Hilmi OR           

Universität:                   Universität Ulm

Studienfach:                Medizin

Studienjahr:                1978-84

Semester:                    Wintersemester 1978 bis Wintersemester 1984

Stipendienart:              Studium

Stipendiat von/bis:      Wintersemester 1978 bis Wintersemester 1984

Zielland:                         Deutschland

 

Beschreiben Sie kurz, wann Sie in Deutschland waren:

Weil ich die Deutsche Schule Istanbul mit einem guten Durchschnitt absolviert habe, habe ich das DAAD-Stipendium bekommen, in Deutschland zu studieren. Ich bin während des ganzen Studiums von 1978 bis 1984 in Deutschland gewesen.

Welche Erfahrungen haben Sie damals sammeln können und wie hat dies Ihren weiteren Lebens- und Bildungsweg beeinflusst?

Ich habe ein Studium mit vielen Erfahrungen gehabt. Neben der technischen Möglichkeiten und der sogannten Gerätemedizin, habe ich die medizinische Ethik gelernt. Die Denkweise, die im Studium beigebracht gewesen ist, beeinflußt mein Berufsleben immer noch: Neuigkeiten in der Medizin jeden Tag lernen, für die Neuigkeiten selber forschen und wissenschafliche Arbeiten machen. Diese Arbeitweise habe ich während meines Studiums in Deutschland gelernt und mir angewöhnt.

Nach meiner Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde in der Türkei arbeite ich in den letzten 18 Jahren ausschließlich privat und davon die letzten 6 Jahre nur in der Praxis. Wissenschaftlich bin ich auch aktiv. In meiner Praxis mache ich wissenschaftliche Arbeiten, die u.a. auf dem Weltkongreß für Augenheilkunde akzeptiert werden. In der Türkei bin ich in verschiedenen beruflichen wissenschaflichen Organisationen aktiv und in einigen von denen im Vorstand.

Am anfang meiines Studiums habe ich mich an das Gesundheitssystem in Deutschland gewöhnen müssen, weil es in vielen Hinsichten und im Aufbau ganz anders als in meinem Heimatsland gewesen ist. Die positiven Seiten des deutschen Systems habe ich in mein Berufsleben eingeführt.

Gibt es eine besondere Geschichte, die Ihnen in Bezug auf Ihren Deutschlandaufenthalt in Erinnerung geblieben ist?

In der ersten Vorlesung in Ulm hat der Professor uns alle im Hörsaal im seinem ersten Satz so angesprochen: "Meine lieben Kollegen, ..." Diese Einstellung hat in meinem ganzen Berufsleben meine Beziehung zu meinen Kollegen immer "warm" gehalten.

Was hat Ihnen das Stipendium des DAAD rückblickend gebracht?

Es hat mich im ganzen Studium unterstützt. Ich habe eine andere Denkweise in der Medizin kennengelernt, die als Art in meinem Berufleben immer noch im Vordergrund ist.

Akademiker in der Türkei wissen, daß das DAAD Stipendium ein objektives Erfolgsstipendium ist. Das hat mein Berufs- und Privatleben positiv beeinflußt.

Was raten Sie Interessenten für ein Studium in Deutschland bzw. in der Türkei?

Das Studentenleben in beiden Ländern ist anders. Es ist schön und angebracht, eine andere Kultur kennenzulernen und mit den Angewohnheiten, die in dem Hemiatsland weitergerführt werden könenn und sollten, zurückzukommen. Philosophisch gesehen bekommet man eine neue Denkweise, die einen über seine eigenen Grenzen hinaus führt. Das tut der Person, der Gesellschaft und der Wissenschaft gut...

Welche Möglichkeiten gibt es für DAAD- beziehungsweise Deutschland-Alumni, weiterhin aktiv zu bleiben und sich zu vernetzen?

DAAD’liler Derneği, von dem ich z.Z. der Präsident sein darf, ist eine Eigeninitiative der ehemaligen DAAD-Stipendiaten, die gerne mit den anderen DAAD-Stipendiaten zusammenkommen wollen und in gutem Kontakt mit DAAD bleiben möchten. So ist der Verein vor ca 15 jahren gegründet worden.

Die Ex-DAAD Stipendiaten können laut derer Satzung auch in den Alexander von Humboldt Vereinen in Istanbul, Ankara und Izmir Mitglied werden.

Weil die Leute in der Türkei –anders als in Deutschland- seit Jahrhunderten an das Alumni-Sein und an die Alumnivereine gewöhnt sind, kommt man als Alumni ziemlich schnell unter verschiedenen Organisationen zusammen.

DAAD hat jetzt ein Deutschland-Alumni Programm eingeführt. Es gibt vielel Arten von Deutschland-Alumni: Ehemalige Stipendiaten, Absolventen der Universitäten in Deutschland, Wissenschaftler, die in Deutschland geforscht und gearbeitet haben, e.t.c.. Für jede dieser Möglichkeiten ist ein Verein in der Türkei schon vor Jahren als Eigeninitiative gegründet worden. Als DAAD-Alumni Verein haben wir einen guten Kontakt mit diesen Organisationen. Ich hoffe, daß die bilateralen Beziehungen durch diese neue Initiative von Deutschland bzw. von DAAD mit dem Mitwirken der schon gegründeten Vereine und Stiftungen einen Aufschwung erleben.

In Deutschland haben die Universitäten Ihre Alumniprogrammme erst vor ein paar Jahren gestartet.

Als Schlußwort in diesem Thema möchte ich sagen, daß die Deutschen im Thema Alumni-Sein von Türken einiges zu lernen haben, weil die Türken an das Alumni-Sein seit Jahrhunderten gewohnt sind.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem DAAD in der Türkei und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, daß die DAAD IC Büros in Istanbul und Ankara dazu beitragen, daß ein direkter Kontakt mit den DAAD-Stipendiaten in den Städten und in der Türkei möglich wird.

DAAD ist eine wissenschaftliche Organisation, aber nicht alle DAAD-Alumni sind im akademischen Leben. Die akademischen Beziehungen zwischen DAAD und DAAD-Alumni sollten sicher gut erhaltenblieben und gepflegt werden, aber das Menschliche dabei,   "Das Alumni-Sein", sollte auch gepflegt werden. Dazu gehört nicht nur der wissenschaftliche, aber auch der menschliche Kontakt.

Ich wünsche mir, daß die bilateralen Beziehungen sowohl im wissenschaftlichen und als auch im sozialen Leben zusammen eine glänzende Zukunft zeigen.

Und gerne alles weitere, was Ihnen dazu einfällt…

Es ist schön, daß Deutschland jetzt mit den Deutschland-Alumni einen näheren Kontakt aufbauen will. Aller Anfang ist schwer. Es wird am Anfang sicher nicht einfach sein, einen Aufschwung zu haben. Ich hoffe, daß bald alle auf die heutigen Tage als eine Erinnerung an den Anfang einer großen Kooperation schauen werden.