Japan/U Bonn

Für den Mannschaftsnamen wollten wir gängige Klischeewörter über Japan vermeiden: Sushi, Geisha, Harakiri, Kamikaze, Samurai usw. Stattdessen haben wir uns dafür entschieden, ein unbekanntes, aber für eine japanische Fußballmannschaft geeignetes Wort als ersten Bestandteil des Namens zu wählen und Japan dazu hinzuzufügen, sodass wir der Regel folgen können, dass die Nationalität in dem Namen erkennbar sein sollte. Aus diesem Grund haben wir unsere Mannschaft “Kemari-Japan” genannt. Ke bedeutet “kicken”, mari “Kugel”. “Kemari” heißt nämlich das japanische traditionelle Fußballspiel.


Über unser Land:


Wart ihr schon mal in Japan? Nein? Aber habt ihr wahrscheinlich schon genaue Vorstellungen von Japan: Sushi, Teezeremonie, Blumensteckkunst, Geisha, Judo, Manga, Sony-Playstation, Toyota, Honda, Zeichentrickfilme von Hayao Miyazaki, Filme von Takeshi Kitano usw. Heute möchten wir euch einen anderen Blick auf Japan anbieten, indem wir beschreiben, wie wir in Japan die Weinnachts- und Silvesterzeit verbringen.
Weniger als 2% der Japaner sind Christen. Weihnachten ist auch kein nationaler Feiertag. Trotzdem steigt in Japan stetig die Popularität des christlichen Weihnachtsfestes, besonders unter den jungen Japanern. Die Idee, sich an Weihnachten zu beschenken, kommt der japanischen Lebensweise sehr entgegen. Sich zu beschenken ist in Japan eine wichtige höfliche Geste, die gerne und häufig zelebriert wird. Für die Japaner wirkt Weihnachten als eine gute Gelegenheit des Geschenkes und der Feier. Manche Japaner sind Illuminationsfreaks. In der Adventszeit werden viele Häuser mit Lichterketten geschmückt und manche Universitäten dekorieren ihre Campus mit einem viele Meter hohen, leuchtenden Christbaum.


Die Kirschblüte im Hintergrund ist ein Symbol für Japan, besonders für den Frühling in Japan. Der Kicker wird wie ein Samurai dargestellt. Als Farbe des Trikots hätten wir gerne blau. Blau drückt das Meer aus, das Japan umgibt. Japaner verdanken ihr Leben vor allem dem Meer.


In Japan hat Fußball eine lange Tradition. Kemari ist ein altes japanisches Fußballspiel. Die früheste nachweisbare Quelle datiert dieses Kreisfußballspiel ins Jahr 587. Kemari wurde in eine kultische Zeremonie eingebunden, die auf den Schreinbezirk als Schauplatz und den Hochadel als Teilnehmer beschränkt blieb. Der Kaiser spielte vorher auch mit.
Das Kemari wird von 4 bis 6 Spielern in kostbar ausgearbeiteten Kimonos gespielt. Dazu tragen sie spezielle Schuhe und Hüte. Bei diesem Spiel gibt es keine gewinnende Partei. Sie stellen sich im Kreis und spielen einander den Ball 20 Minuten lang zu, ohne dass er den Boden berührt oder durch einen Mitspieler mit der Brust berührt wird. Ein Spielzug ist erst dann zu Ende, wenn der Ball den Körper eines Mitspielers berührt oder zu Boden fällt. Geübte schaffen in der Regel allerdings Ballwechsel von 300-400 Fußstößen, ehe ein Spielzug vorbei ist.
Noch heute wird Kemari bei einer shintoistischen Zeremonie in einem Schrein gespielt. Das rechte Bild oben zeigt eine aktuelle Szene. Es ist eine Besonderheit Japans, dass die alte Tradition und die Modernität friedlich koexistieren.

Wir und Deutschland:

Wir sind so bunt wie die Kemari-Kugel. Wir kommen aus verschiedenen Orten in Japan und sind aus verschiedenen Gründen nach Deutschland gekommen. Einige sind Austauschstudenten, einige Doktoranden, einige machen ein Zweitstudium in Deutschland. Der Altersunterschied zwischen dem Jüngsten und dem Ältesten beträgt zehn Jahre.

In Deutschland haben wir uns schon für deutsches Bier, Kartoffeln und Würste begeistert. Einige finden es schön, dass sich die Leute in diesem Land miteinander, auch wenn sie sich nicht kennen, mit “Hallo!” und “Tschüss!” begrüßen. Einer hält den Wiederaufbau deutscher Städten nach dem Krieg für eine wunderbare Leistung. Die deutsche Tugend, dass man immer Zeit für die Familie haben sollte, auch wenn man sehr beschäftigt ist, bringt uns dazu, über die japanische Standardlebensform nachzudenken. In Japan muss man so viel Zeit für Arbeiten und Pendeln opfern, dass man kaum Zeit für die Familie hat, manchmal nicht einmal am Wochenende. Ein einmonatiger Urlaub ist bei uns nicht denkbar.

Aber es gibt auch Dinge, die in Deutschland fehlen. Wir vermissen alle eine Badwanne auf dem Zimmer. Eine der größten Erfrischungen in Japan ist es, sich am Abend in heißem Wasser zu entspannen. Fast alle japanischen Wohnungen haben eine Badwanne, obwohl die Wohnungen im Allgemeinen kleiner als in Deutschland sind. Wohnung nur mit einer Duschecke gibt in Japan kaum. Lieber gehen die Leute, die kein Badzimmer haben, ins öffentliche Bad.