
Projekte des DAAD
 Umwelt
und Wissenschaft. Konzepte und strategische Ziele für
die Zukunft
Interdisziplinärer Kongress und Young
Scientist Forum zum Auftakt des Deutschland in Japan-Jahres
Termin: 09.-11. April 2005
Ort: National Museum of Emerging Science and Innovation,
Tokyo (MeSci)
Die Veranstaltung wurde gefördert durch die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Deutschen
Akademischen Austauschdienst (DAAD), das Japanisch-Deutsche
Zentrum Berlin (JDZB) sowie die Japan Society for the
Promotion of Science (JSPS).
Trägerinstitution: Martin-Luther Universität
Halle-Wittenberg
Gesine Foljanty-Jost: Environment and
Science - Concepts and Strategic Goals for the
Future: eine Präsentation deutscher Umweltforschung
in Japan
Vom 9.-11.4.2005 fand in Tokyo der Kongreß "Environment
and Science - Concepts and Strategic Goals for the
Future"
als einer der Auftaktveranstaltungen der sogenannten
"Wissenschaftssäule" im Rahmen des Deutschlandjahrs
statt. Konzipiert und in Zusammenarbeit mit der Außenstelle
des DAAD in Tokyo organisiert von den Professoren Peter
Wycisk und Gesine Foljanty-Jost von der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg war Ziel dieser Konferenz, deutsche
Umweltforschung in ihrer ganzen Breite in Japan zu präsentieren
und Wege zu neuen Wissenschaftskooperationen zu eröffnen.
Das Programm
In den zwei Tagen der Konferenz, deren Bedeutung für
das Deutschlandjahr durch die Begrüßungsworte
des deutschen Botschafters in Japan, des Präsidenten
der DFG, des Vizepräsidenten des DAAD, des Präsidenten
der JSPS sowie der Generalsekretärin des Japanisch-Deutschen
Zentrums Berlin unterstrichen wurde, stellten führende
Umweltwissenschaftler aus den Bereichen Politikwissenschaft,
Rechtswissenschaft, Betriebswirtschaft, Geowissenschaften,
Ingenieurwissenschaften, Physik und Chemie ihre Forschungsergebnisse
vor.
Den Auftakt machten Keynotes der Professoren Hartmut
Grassl (Max Planck Institut für Meteorologie, Hamburg)
und Ernst Ulrich von Weizsäcker (MdB). Von Weizsäcker
formulierte die zwei zentralen Leitgedanken der Konferenz
angesichts der sich abzeichnenden Klimakatastrophe:
Energieeinsparungen und eine radikale Erhöhung
der Effizienz von Resourcennutzung sind der unverzichtbare
Weg der vor allem von allen Industrieländern beschritten
werden muß, um das Kyoto Protokoll erfolgreich
umsetzen zu können.
Effizienzsteigerung in Produktion und Konsum, Verlängerung
von Produktlebenszyklen sowie neue Technologien im Bereich
der Produktion und Nutzung von Energie waren denn auch
die Themen, die sich als roter Faden durch die Sektionen
"Environmental Policies and Ecological Modernisation",
"Resource Protection and Recycling Management",
"Environmental Economy and Sustainable Companies",
"Law and Collective Goods", "Environmental
Assessment" und "Technical Innovations and
Concepts" zogen. In jeder Sektion wurde der deutsch-japanische
Dialog durch einen Kommentar eines japanischen Kollegen
eingeleitet, der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen
aktuellen Forschungsthemen und umweltpolitischen Optionen
deutlich machte.
So zeigten sich Unterschiede weniger im Bereich der
Natur- und Technikwissenschaften als vielmehr in politischen
Strategien der Umsetzung des Kyotoprotokolls.
Diese standen im Mittelpunkt der abschließenden
Podiumsdiskussion. Ausgerichtet vom Japanisch-Deutschen
Zentrum Berlin und moderiert von Gesine Foljanty-Jost
(Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) diskutierten
Martin Jänicke (FU Berlin), Fritz Vahrenholt (
RE Power Systems AG), Shinichi Imai (Matsushita Electric
Industrial Co., Itaru Yasui (United Nations University)
and Tetsuro Fukuyama (Democratic Party) aktuelle Aufgaben
sowie zukünftige Perspektiven deutsch-japanischer
Zusammenarbeit.
Ergebnisse
Deutschland und Japan haben ähnliche Ausgangsbedingungen
im Hinblick auf die anstehende Umsetzung des Kyotoprotokolls:
beide Länder sind stark Export-orientiert, sie
sind abhängig von Rohstoffimporten und gelten weltweit
als technologische Trendsetter. Hieraus ergeben sich
vergleichbare Aufgaben und Anforderungen: beide Länder
sind gefordert, ihre Rohstoffabhängigkeit durch
eine radikale Erhöhung der Ressourceneffizienz
sowie Energieeinsparungen zu reduzieren.
Unterschiede ergaben sich indessen in der Frage der
Umsetzungsstrategien. Anders als in Deutschland existiert
in Japan nach wie vor keine Ökosteuer. Nachdem
erst jüngst ein Vorstoß der Opposition gescheitert
ist, wird eine Einführung in den nächsten
Jahren wird als unwahrscheinlich eingestuft.
Als eine Ursache hierfür war auch in Einzelbeiträgen
japanischer Kollegen auf mangelnde Politikintegration
und Zersplitterung der für Umweltfragen zuständigen
Ministerien hingewiesen worden.
Die Initiative für eine Erhöhung von Energieeffizienz
liegt in Japan - politisch gewollt - weit aus stärker
bei der Industrie als in Deutschland.
Während aus deutscher Perspektive der Nationalstaat
gefordert ist, weitergehende konsistente Rahmenbedingungen
für eine ökologische Modernisierung der Volkswirtschaft
zu formulieren, geht die neuere japanische Diskussion
von einer Relativierung des Staates und einer "Partnerschaft"
von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus. Insbesondere
letzterem kommt aus Sicht der japanischen Industrie
eine besondere Rolle zu, da - so das Argument- die technologischen
Grenzen von Energieeinsparpotenialen bei Elektrogeräten
in vielen Fällen bereits erreicht sind und Fortschritte
nur noch durch eine radikale Veränderung von Konsumgewohnheiten
und Lebensstil erzielt werden könnten.
Perspektiven deutsch-japanischer Kooperation
Kooperation zwischen Deutschland und Japan in der Umweltpolitik
geht bereits auf die frühen 1980er Jahre zurück,
als Japan in Deutschland als Vorreiter in der Luftreinhaltung
diskutiert wurde. Die Umdrehung des Verursacherprinzips,
die Abgabe auf Schwefeldioxidemissionen und das
Kompensationssystem für umweltbedingte Gesundheitsschäden
galt damals als innovativ. Seit der Konferenz von
Rio im Jahre 1992 wird deutsche Umweltpolitik in
Japan als vorbildhaft rezipiert. Vor allem die
Abfallwirtschaft, das Duale System und die Ökosteuer
haben die japanische Diskussion der letzten Dekade
stark beeinflußt.
Lernen voneinander findet es also seit langem statt,
beim Aufbau von direkter Kooperation hat sich allerdings
die Sprach- und Kulturbarriere immer wieder als große
Herausforderung dargestellt.
In der aktuellen Situation, in der beide Länder
mit der Umsetzung des Kyotoprotokolls gefordert sind,
sollten - so die Einschätzung der Panelisten -
Deutschland und Japan als technologische Leitnationen
ihre ökologische Pionierrolle ausbauen. Insbesondere
sollten Deutschland und Japan im Technologietransfer
nach China und Indien eine zentrale Rolle übernehmen
und die dortige wirtschaftliche Entwicklung mit ökologischem
Know-How unterstützen. Es wurde Einvernehmen darüber
erzielt, dass neben gemeinsamen Forschungsprojekten
beispielsweise in den Bereichen Umwelterziehung, Umweltbewußtsein
und Konsumverhalten, Materialwissenschaften, Risk management
und Umweltinformationssystemen, zukünftig vor allem
Zusammenarbeit im Bereich der Forschungsvernetzung von
Nachwuchswissenschaftlern gefördert werden sollte.
Die diesbezüglichen neuen Programminitiativen
der DFG/ JSPS und des DAAD, die anläßlich
der Konferenz bekanntgegeben wurden, wurden in diesem
Zusammenhang ausdrücklich gewürdigt.
Ein erster Schritt in diese Richtung konnte mit einem
Workshop für deutsche und japanische Nachwuchswissenschaftler
gemacht werden, der im Anschluß an den Kongreß
durchgeführt wurde. 10 deutsche Doktoranden und
Postdocs aus unterschiedlichen Disziplinen und Universitäten
stellten ihren japanischen Kollegen und Kolleginnen
aktuelle Dissertations- und Forschungsvorhaben vor.
Auch hier erwies sich die Zusammenführung von naturwissenschaftlichen
und sozialwissenschaftlichen Projekten als außerordentlich
produktiv, wenngleich auch hier deutlich wurde, dass
die Überwindung von Sprachbarrieren und unterschiedliche
Wissenschaftschafts- und Ausbildungskulturen auch weiterhin
eine Aufgabe für die ausbildenden HochschullehrerInnen
in beiden Ländern sein werden.
Zusammenfassend zeigte die Konferenz und das Presseecho,
dass deutsche Umweltforschung und Umweltpolitik nicht
nur auf großes Interesse in Japan stossen und
in vieler Hinsicht als richtungsweisend gelten, sondern
dass ein grosses Potenzial für gemeinsame Forschung
und Austausch besteht.
Die Entscheidung, das Thema Umweltschutz und Umweltpolitik
zu einem Schwerpunkt im Deutschlandjahr in Japan zu
machen, hat sich bereits nach dieser Auftaktveranstaltung
als richtig erwiesen.
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Informationen und weiterführende Links
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