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Studieren und Forschen in Deutschland

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Studieren und Forschen in Deutschland


Schritt für Schritt zum Ziel

StudienverlaufModule? Credit Points? Praxissemester?: Als Scout Tomás das erste Mal die Studienordnung für seinen Bachelor-Studiengang "Internationale Betriebswirtschaft" durchlas, hatte er viele Fragen.  Die Struktur des Studiums war ganz anders als an seiner Heimatuniversität in Prag. Dort hatte Tomás bereits zwei Semester Betriebswirtschafslehre studiert. Einige seiner dort erbrachten Studienleistungen wurden ihm sogar auf sein Studium in Deutschland angerechnet. Das European Credit Transfer System (ECTS)  macht das möglich. Was genau ein Modul ist, hat Tomás dann in der Einführungsveranstaltung zu seinem Studiengang erfahren. Jetzt weiß er, dass jedes Modul aus mehreren Veranstaltungen besteht. Das können Seminare, Klausuren oder Praktika sein.

Obligatorische und fakultative Veranstaltungen: Einige der Veranstaltungen sind obligatorisch, das heißt: Tomás ist zur Teilnahme verpflichtet. Dazu zählt zum Beispiel das Auslandspraktikum, das Tomás im fünften Semester absolvieren muss. Weitere Pflichtveranstaltungen für Tomás sind die Vorlesungen zu den Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre. Die finden in der Regel im Audimax statt, weil dort genügend Platz für die rund 100 Studienanfänger in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern ist. Daneben hat Tomás auch einige fakultative (freiwillige) Veranstaltungen zur Auswahl. So konnte er im ersten Semester zwischen einem Informatikkurs und einem Seminar zu Präsentationstechniken wählen. Tomás entschied sich für die Präsentationstechniken, da Kenntnisse hierin in der Arbeitswelt sehr gefragt sind.


Terminplan

Sommer- und Wintersemester

Das Studium an den deutschen Hochschulen ist in Semester (Halbjahre) unterteilt. Der Studienbeginn ist jeweils zum Wintersemester und zum Sommersemester. Die Termine können an den Hochschulen leicht variieren. Die exakten Termine erfragen Sie bei Ihrem Studierendensekretariat.

  • Für Fachhochschulen
    Sommersemester: März bis August (Vorlesungsbeginn: 15. März)
    Wintersemester: September bis Februar (Vorlesungsbeginn: 15. September)
  • Für Universitäten
    Sommersemester: April bis September (Vorlesungsbeginn: 15. April)
    Wintersemester: Oktober bis März (Vorlesungsbeginn: 15. Oktober)
  • Semesterferien (vorlesungsfreie Zeit):  
    Sommer: Ende Juli bis September
    Winter: Ende Februar - Mitte April

Studienverlauf 2Modulabschlussprüfungen: Für die Teilnahme an den verschiedenen Veranstaltungen und den dort erbrachten Leistungen (Hausarbeit, Referat, Klausur) erhält Tomás Credit Points. Im Laufe seines Studiums muss Tomás eine bestimmte Anzahl von Credit Points sammeln, um seinen Bachelor-Abschluss zu erhalten. Doch bis dahin hat er noch viel Zeit. Er hat gerade mal das erste von insgesamt sechs Semestern abgeschlossen. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir im ersten Semester schon so viele Leistungsnachweise und Prüfungen ablegen müssen", berichtet Tomás. Doch das ist ganz normal bei den modularisierten Studienangeboten , wie den Bachelor- und Master-Studiengängen. Dort wird jedes Modul studienbegleitend geprüft (und nicht erst zum Studienabschluss).

Unseren Scouts Mai und Nina geht es in ihrem Internationalen Master-Studiengang Chemie ganz ähnlich wie Tomás. Sie müssen in der Studienordnung festgelegte Module absolvieren und dafür verschiedene Klausuren schreiben und Referate halten. Mai findet das sehr positiv: "Dadurch ist das Studium viel übersichtlicher für mich. Ich kann genau planen, bis wann ich in welchen Veranstaltungen Klausuren schreiben muss oder eine Hausarbeit abgeben muss. Ihr nächstes Ziel hat Mai auch schon fest im Blick: Zum Abschluss ihres zweiten Semesters muss sie eine Deutschprüfung ablegen. Die muss sie erfolgreich bestehen, um in das Promotionsstudium wechseln zu können. Ihre Kommilitonin und Freundin Nina hilft ihr nun dabei, die Prüfung vorzubereiten. 


Inside: Studienstruktur

Hier erklären wir Ihnen wichtige Begriffe zum Ablauf von Studiengängen.

Modularisierung: Viele der heutigen Studienangebote an deutschen Hochschulen sind modularisiert - allen voran die neu eingeführten Bachelor- und Master-Studiengänge. Das bedeutet: ein Studium setzt sich aus einer inhaltlich und quantitativ festgelegten Anzahl von Modulen (Studieneinheiten) zusammen. Jedes Modul wiederum besteht aus verschiedenen Veranstaltungen, wie Klausuren, Seminaren oder Praktika. Die Module werden studienbegleitend abgeprüft. Dafür erhalten die Studierenden Credit Points und Noten. Bei modularisierten Studiengängen erwerben Sie also während des gesamten Studiums Prüfungsleistungen. Der Vorteil für Sie: Der Prüfungsstoff ist überschaubarer, da Sie in kleineren Zeitabschnitten geprüft werden. Das baut Prüfungsängste ab. Zudem können Sie ihr Studium gezielter planen und Schritt für Schritt bewältigen. Welche Module Sie bis wann absolvieren müssen, ist in den Studien- und Prüfungsordnungen der einzelnen Fächer genau festgelegt.

Ein Tipp für die Phase der Studienwahl: Besorgen Sie sich vorab die Modulbeschreibungen Ihrer Wunschstudiengänge. Dort können Sie genau nachlesen, welche Anforderungen die Module an Sie stellen und welche Qualifikationen sie Ihnen vermitteln. Damit können Sie im Vorfeld checken, ob das Studium tatsächlich zu Ihnen passt. 

Credit Points: Für den erfolgreichen Abschluss eines Moduls werden Leistungspunkte vergeben. Sie richten sich nach dem European Credit Transfer System (ECTS) . Dieses System dient der europaweiten Anrechnung von Studienleistungen. Die Credit Points (auch Leistungspunkte oder Studienpunkte genannt) beschreiben den Arbeitsaufwand von Studierenden. Sie werden für abgeschlossene Module vergeben, zum Beispiel auf Basis von Seminararbeiten, Klausuren oder mündlichen Prüfungen. Sie ersetzen nicht die Note, sind aber wichtig für den erfolgreichen Studienverlauf. So müssen die Studierenden für die Zulassung zur Zwischen- oder Abschlussprüfung eine vorgeschriebene Anzahl von Credit Points nachweisen. Ein Credit Point entspricht etwa 25 bis 30 Arbeitsstunden. In einem akademischen Jahr (zwei Semester) ergibt dies ein Arbeitspensum von 60 Credit Points.  

Grund- und Hauptstudium: Alle Erststudienangebote (auch grundständige Studiengänge genannt)  an deutschen Hochschulen sind in Grund- und Hauptstudium aufgeteilt. Im Grundstudium wird das wissenschaftliche Handwerkszeug vermittelt. Dazu zählen die Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens und Grundlagen der Fächer. Normalerweise wird das Grundstudium mit einer Zwischenprüfung (in Studiengängen mit Magisterabschluss oder Staatsexamen) oder einem Vordiplom (in den Fächern der Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften) abgeschlossen. Wer die jeweilige Prüfung erfolgreich besteht, kann in das Hauptstudium wechseln. Hier vertiefen die Studierenden ihre Kenntnisse und spezialisieren sich auf bestimmte Fachgebiete. Diese Spezialisierung ist häufig Basis für die spätere Berufstätigkeit. Am Ende des Hauptstudiums legen die Studierenden ihr Examen ab.
Grundständige Studiengänge: Sie vermitteln Basis- und Fachkenntnisse in einer (oder mehreren) Fachwissenschaft(en), wie zum Beispiel "Bachelor Chemie", "Magister Geschichte", "Diplom Ingenieur". Am Ende erwerben die Studierenden einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Damit können sie direkt einen Beruf ausüben. Oder sie setzen ihr Studium mit einem weiterführenden Studiengang (zum Beispiel Master) fort. Eine weitere Option: die Promotion (nur an einer Universität möglich). 

Konsekutive Studiengänge: Hier bauen Bachelor- und Masterstudienangebot inhaltlich aufeinander auf. Das dem Bachelor folgende Masterstudium dient der besonderen Spezialisierung in einem Fachgebiet. Anders sieht es bei den nicht-konsekutiven Masterangeboten an. Sie vermitteln den Teilnehmern fachfremde Kenntnisse. Dazu zählen zum Beispiel Betriebswirtschaft für Ingenieure oder Informatik für Mediziner.

Inside: Studienverläufe

Hier geben wir Ihnen einen ersten Einblick in die Struktur von in Deutschland weit verbreiteten Studiengängen.

Unsere Hinweise sind nur grobe Orientierungswerte für Sie. Je nach Hochschule kann der Aufbau der Studienangebote variieren (zum Beispiel bezüglich der Länge oder der Einbindung von Praktika). Erkundigen Sie sich deshalb bei Ihrer Wunschhochschule (Studierendensekretariat, Akademisches Auslandsamt) nach den konkreten Details der von Ihnen ausgewählten Studienangebote.

Beispiel Bachelor
Regelstudienzeit: sechs (bis maximal acht Semester) einschließlich der Zeit für die Anfertigung der Bachelor-Arbeit und für das vollständige Ablegen der Prüfungen)
Grundstudium: zweisemestrige Orientierungs- und Eignungsphase, wird in der Regel mit einer Zwischenprüfung abgeschlossen
Hauptstudium: viersemestrig; im Hauptstudium werden - soweit es die jeweilige Studienordnung vorschreibt - obligatorische Auslandsaufenthalte und Praktika abgeleistet. Für den Studienabschluss müssen die Studierenden eine Bachelor-Arbeit anfertigen und meistens eine mündliche Prüfung absolvieren.
Aufbau: Das Studium ist in allen Abschnitten modular aufgebaut. Ein Modul besteht aus mehreren thematisch und zeitlich aufeinander abgestimmten Lehrveranstaltungen. Im Grundstudium werden Grundlagenmodule gelehrt. Das Hauptstudium besteht überwiegend aus Modulen zur Spezialisierung.

Beispiel Master
Regelstudienzeit:
je nach Angebot zwei oder vier Semester (einschließlich der Zeit für die Master-Prüfung und Anfertigung der Master-Abschlussarbeit)
Ablauf: Das Lehrangebot erstreckt sich über zwei (oder vier) Semester. Im zweiten (oder vierten) Semester wird die Master-Arbeit erstellt. Hinzu kommt eine mündliche Abschlussprüfung von etwa 60 Minuten.

Beispiel Diplom-Studiengang (Ingenieurwissenschaften)
Regelstudienzeit:
acht Semester an der Universität (erfahrungsgemäß brauchen die meisten Studierenden mindestens zehn Semester).
Vor Studienbeginn: sechswöchiges Vorpraktikum
Grundstudium: 1. bis 3. Semester (Theorie), 4. Semester Praktikum in einem Unternehmen; schließt mit einem Vordiplom ab (nach erfolgreich bestandener Vordiplom-Prüfung)
Hauptstudium: 5. und 6. Semester (Theorie), 7. Semester Auslandspraktikum, 8.Semester (Theorie) einschließlich Anfertigung der Diplom-Arbeit und der mündlichen Abschlussprüfung.


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DAAD Glossar

ECTS

Das ECTS dient dazu, Studienleistungen innerhalb Europas vergleichbarer zu machen und gegenseitig anzuerkennen. Das erleichtert es Studierenden, ihr Studium an verschiedenen europäischen Hochschulen zu absolvieren.

Fachhochschule

Hochschule mit starkem Praxisbezug. Die Studierenden erhalten eine sehr anwendungsorientierte Ausbildung und absolvieren dafür Praxissemester.

Fakultativ

Fakultative Veranstaltungen sind von den Studierenden frei wählbar, sie sind nicht obligatorisch (verpflichtend). Ihre Inhalte sind nicht prüfungsrelevant. Sie können jedoch zum Teil auf die vorgeschriebene Anzahl von Semesterwochenstunden (SWS) angerechnet werden.

Grundstudium

Das Grundstudium bildet den ersten Teil des Studiums und wird mit dem Vordiplom oder der Zwischenprüfung abgeschlossen. In den traditionellen Studiengängen (Diplom, Magister, Lehramt) umfasst es in der Regel das erste bis vierte Semester. Bei den Bachelor-Studiengängen sind Länge und Verlauf des Grundstudiums sehr unterschiedlich geregelt. Je nach Hochschule und Studienangebot kann das Grundstudium zwei bis vier Semester dauern. Es wird in der Regel mit einer studienbegleitenden Zwischenprüfung oder Vordiplomprüfung (schriftlich oder mündlich) abgeschlossen.

Hochschule

Übergeordneter Begriff für die verschiedenen Hochschultypen, wie beispielsweise Universitäten, Fachhochschulen oder Musik- und Kunsthochschulen.

Kommilitone

Bezeichnung für Mitstudierende (Studienkollegen).

Master

International anerkannter Studienabschluss, der meistens auf den Bachelor aufbaut. Masterstudien dauern zwischen zwei und vier Semestern.

Praktikum

Praktika dienen dazu, Erfahrungen außerhalb der Hochschule in Wirtschaft und Verwaltung zu sammeln. In vielen Studiengängen sind sie obligatorisch (verpflichtend).

Promotion

Die Promotion dient dazu, den Doktortitel zu erwerben. Dafür müssen die Promovierenden (Doktoranden) eine schriftliche Arbeit (Dissertation) und eine mündliche Prüfung (Rigorosum oder Disputation) ablegen. Wer promovieren will, muss meistens ein abgeschlossenes Hochschulstudium nachweisen. Viele Hochschulen bieten für die wissenschaftliche Qualifikation von Promovierenden Graduiertenkollegs und Promotionsstudiengänge an.

Semester

Bezeichnung für das akademische Halbjahr. An deutschen Hochschule gibt es in der Regel ein Wintersemester (Oktober bis März) und ein Sommersemester (April bis September). Das Semester umfasst Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit.

Seminar

Lehrveranstaltung, bei der die Studierenden (im Gegensatz zur Vorlesung) aktiv mitarbeiten. Sie diskutieren wissenschaftliche Positionen und schreiben Seminararbeiten. Der Begriff “Seminar” wird auch für eine Einrichtung an einer Universität vergleichbar dem Institut verwendet.

Studienordnung

Sie regelt Aufbau, Inhalt und Umfang eines Studiengangs. Sie enthält alle wichtigen Informationen über Zulassungsvoraussetzungen, Fristen, Anrechnung und Anerkennung von Qualifikationen. Wer sie kennt, kann sein Studium besser planen.

Vordiplom

Abschluss des Grundstudiums vorwiegend in den Fächern der Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften.

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© 2012 Deutscher Akademischer Austausch Dienst e.V. (DAAD), Kennedyallee 50, D-53175 Bonn
Quelle: http://www.daad.de/deutschland/wege-durchs-studium/studienverlauf/06101.de.html
Stand: 2012-02-10