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Wenn Sie kein EU-Bürger sind, zählen Praktika als reguläre Arbeit. Das gilt auch, wenn Praktika unbezahlt sind. Jeder Praktikumstag wird Ihnen dann von den gesetzlich erlaubten 90 Arbeitstagen abgezogen. Haben Sie die 90 Tage bereits gearbeitet, benötigen Sie für ein Praktikum die Zustimmung der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit. Das gilt nicht, wenn das Praktikum ein Pflichtpraktikum ist.
Für die Zulassung zum Studiengang Internationale Betriebswirtschaftslehre musste unser Scout Tomás ein zweimonatiges Vorpraktikum nachweisen. "Bei uns in Tschechien gibt es so etwas normalerweise nicht", berichtet Tomás. Deshalb musste Tomás bei seiner deutschen Wahlhochschule erst einmal nachfragen, wozu Vorpraktika verlangt werden.
Ohne Pflichtpraktikum kein Examen: Dabei fand er heraus: An vielen deutschen Hochschulen müssen Studierende vor oder während des Studiums Praktika absolvieren. Sie sind Pflichtbestandteil vor allem bei Studiengängen in den Ingenieur- und Sozialwissenschaften. Ohne Praktikumsnachweis kann man dort gar nicht zur Prüfung zugelassen werden.
Eignung für Studiengang durch Praxistest checken: Durch Praktika sollen Studierende Einblick in die Arbeitswelt bekommen. Je früher, desto besser. Gerade das Vorpraktikum hilft Studienanfängern herauszufinden, ob sie die richtige Studienwahl getroffen haben. Viele Studierende entscheiden sich für ein Studium, ohne genau über die späteren Berufsmöglichkeiten Bescheid zu wissen. Dann findet man erst nach dem Studium heraus, dass man besser eine andere Fachrichtung gewählt hätte.
Neue Berufsperspektiven eröffnen: Tomás jedenfalls ist mit seinem Praktikum bei einem deutschen Autokonzern sehr zufrieden: "Bisher hatte ich nie daran gedacht, später einmal als Manager in der Autoindustrie zu arbeiten. Durch das Praktikum habe ich festgestellt: die Automobilbranche bietet mir interessante Karriereperspektiven und Aufgaben. Ich werde dort noch ein zweites Praktikum absolvieren."
Durch freiwillige Praktika andere Berufsfelder entdecken: Tomás` Scoutkollegin Mai muss für ihr Masterstudium in Chemie kein Praktikum machen. Für Mai steht seit langem fest: "Ich werde als Forscherin in einem Institut arbeiten." Einer ihrer Professoren hat sie jedoch neugierig auf das Arbeiten in der Industrieforschung gemacht. "Bisher war das gar keine Alternative für mich". Deshalb macht Mai jetzt ein freiwilliges Praktikum bei einem großen Chemiekonzern.
Praktika bringen Pluspunkte bei Bewerbungen: Das freiwillige Praktikum kann Mai sich nicht aufs Studium anrechnen lassen. Doch bei späteren Bewerbungen wird sie davon profitieren. Arbeitgeber in Wissenschaft und Wirtschaft legen großen Wert auf Praxiserfahrungen.
Hier erklären wir Ihnen wichtige Fakten und Begriffe rund ums Thema Praktika.
Pflichtpraktika: In vielen Studiengängen sind Praktika vorgeschrieben. Sie sind dann fester Bestandteil der zu erbringenden Studienleistungen. Manchmal sind sie sogar prüfungsrelevant (Praxissemester). Wie viele Praktika, wie lange und zu welchem Zeitpunkt absolviert werden: das wird an den einzelnen Hochschulen sehr unterschiedlich geregelt. Auskunft über die jeweilige Praktikumsordnung erhalten Sie bei den dafür an Ihrer Hochschule zuständigen Praktikantenämtern/Praktikumszentren. Zudem gibt es in den einzelnen Fachbereichen Hochschullehrer, die für die Praktikumsbetreuung zuständig sind.
Vorpraktika: Je nach Hochschule und Studiengang können Vorpraktika als Voraussetzung für die Zulassung gefordert werden. Kümmern Sie sich frühzeitig darum, damit Sie keine Probleme beim Studienstart haben.
Praxissemester: Praxissemester sind vor allem in den Ingenieurwissenschaften fester Bestandteil des Studiums. Sie dauern in der Regel zwischen 20 bis 26 Wochen. Ablauf, Zeitpunkt, Inhalte und Anerkennung werden in den Studienordnungen genau festgelegt. Die Praktikanten müssen nach Abschluss einen längeren Praktikumsbericht schreiben. Wer das Praxissemester nicht (erfolgreich) absolviert, wird nicht zum Examen zugelassen. Vermeiden Sie solche Probleme, indem Sie sich schon bei Studienbeginn über die Praktikumsanforderungen erkundigen.
Befreiung von der Praktikumspflicht: Wer einschlägige Praxiserfahrungen (zum Beispiel durch vorherige Berufsausbildung) nachweisen kann, braucht unter Umständen kein Praktikum zu absolvieren. Was genau anerkannt wird, erfragen Sie am besten bei Ihrem Praktikumsbeauftragten.
Freiwillige Praktika: Nicht in allen Studiengängen sind Praktika vorgeschrieben. Doch auch dann sollten Sie freiwillig verschiedene Praktika absolvieren. Sie helfen Ihnen, sich einen Einblick in die Arbeitswelt zu verschaffen. Viele Arbeitgeber erwarten von Bewerbern, dass sie Praxiserfahrungen mitbringen.
Arbeitserlaubnis: Für Praktika, die Sie im Rahmen Ihres Studiums absolvieren müssen, benötigen Sie als Ausländer keine spezielle Arbeitserlaubnis.
Praktikumsvertrag: Fragen Sie bei Ihrem Praktikumsbeauftragten nach, ob es Musterverträge für Praktika gibt. Damit gehen Sie sicher, dass Ihr Praktikumsvertrag inhaltlich und juristisch einwandfrei ist. Auf jeden Fall sollten Sie sich vor Vertragsabschluss von Ihrem Praktikantenamt beraten lassen. Und denken Sie daran: Bei Änderung oder vorzeitiger Vertragsauflösung müssen Sie Ihren Praktikumsbetreuer und das Prüfungsamt darüber informieren.
Versicherungsschutz: Sie sind während der Pflichtpraktika ganz normal über Ihre studentische Krankenversicherung versichert. Sozialversicherungsbeiträge (Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) müssen Sie nicht bezahlen. Das gilt auch, wenn Sie eine Praktikumsvergütung erhalten. Komplizierter sind die Regelungen bei der Unfallversicherung und der Haftpflichtversicherung (diese übernimmt die Kosten für Schäden, die Sie anderen zufügen). Klären Sie vor Praktikumsantritt mit dem Praktikantenamt an Ihrer Hochschule, ob und über wen Sie versichert sind (Unfall). Falls kein Versicherungsschutz besteht, sollten Sie für die Praktikumsdauer selber eine Versicherung abschließen.
Vergütung/Geld: Es gibt bezahlte und unbezahlte Praktika. Ob Sie eine Vergütung erhalten, müssen Sie mit Ihrem Praktikumsbetrieb vorher klären.
So sieht ein gutes Praktikum aus.
Es gibt sehr gute Praktikumsstellen, wo Sie viel Nützliches für Ihr Studium und für sich persönlich lernen können. Doch das gilt nicht für alle Praktikumsangebote. Es kann Ihnen auch passieren, dass Sie schlecht betreut und nur für Hilfsarbeiten eingesetzt werden. Um das zu vermeiden, sollten Sie jedes Praktikumsangebot vorher gut prüfen. Fragen Sie die Praktikumsberater an Ihrem Fachbereich. Und nutzen Sie folgende Checkliste, die unsere Scout Mai für Sie erstellt hat. Darin zeigt Sie Ihnen, welche Merkmale ein gutes Praktikum aufweist:
Die Suche nach dem passenden Praktikumsplatz muss gut vorbereitet werden. Die folgenden Tipps zeigen Ihnen, wie Sie gezielt bei der Suche vorgehen können.
1. Eigene Vorstellungen klären
2. Praktikumstellen suchen
3. Angebote prüfen und gezielt bewerben
Vor dem Versenden der Bewerbungen folgende Fragen klären:
4. Bewerbungsunterlagen erstellen
5. Bewerbungen verschicken
Der Deutsche Bildungsserver stellt für Sie eine Liste der wichtigsten Praktikumsbörsen bereit. Im Internet unter: www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=827
Praktikum im Ausland
Wenn Sie im Rahmen eines internationalen Studiengangs Auslandspraktika in Europa oder auch Übersee absolvieren, sollten Sie Folgendes beachten:

Laura, Französin, studiert Kommunikationswissenschaften im vierten Semester
"Man muss dabei auch was Richtiges lernen"
"Gleich zu Beginn meines Studiums habe ich mein erstes Praktikum gemacht. Das Praktikum habe ich über einen Zettel am schwarzen Brett in der Uni gefunden. Dort suchte eine Public Relations Agentur eine Praktikantin für einen Monat. Ich habe dort sofort angerufen, weil ich unbedingt Praxiserfahrungen sammeln wollte. Als ich denen gesagt habe, dass ich Französin bin, habe ich den Praktikumsplatz sofort bekommen. Jemanden wie mich konnten die wegen meiner Französisch- und Italienischkenntnisse gut gebrauchen. Das war aber auch das Problem für mich: Ich musste ständig Anrufe ins Ausland machen und Briefe korrigieren. Und wenn noch Zeit übrig war, musste ich Fotokopien machen. Was Richtiges, was mit meinem Studium zu tun hat, habe ich dort nicht gelernt. Ich hatte erwartet, dass ich dort lerne, wie man eine Informationskampagne plant oder Pressetexte schreibt. Ich habe dann die Agenturchefin gefragt, ob ich nicht in einem richtigen Projekt mitarbeiten kann. Aber sie hat mich nur vertröstet. Ich war von meinem ersten Praktikum also ganz schön enttäuscht. Beim nächsten Mal habe ich es anders gemacht: Ich habe schon im Vorstellungsgespräch genau nachgefragt, für was die mich brauchen. Dann wusste ich gleich, ob ich dort auch was Nützliches lernen kann oder nur als billige Hilfskraft arbeiten soll."