Bonn am Rhein

13. July 2010 - 08:10 - 0 Comments by Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

Am vorherigen Wochenende durfte ich Bonn am Rhein, die Stadt Beethovens und derer des Gundgesetzes zugleich, sowie das benachtbarte Bad Godesberg besichtigen.

Nach dem abendlichen Vortrag im Freiburger Schloss ***, bin ich frühmorgens mit dem Zug nach Bad Godesberg gefahren. Nach den mittlerweile klassischen badischen Bahnhöfen Offenburg , Karlsruhe und Baden-Baden bin ich in Mannheim umgestiegen, statt bis Siegburg in meinem ICE zu bleiben. Mein neuer Zug fuhr zwar durch das sehr schöne Oppenheimer Tal mit seinen erfrischenden, grünen Feldern und der gotischen Kirche, sowie am Ufer des mächtigen Rheins. Man sah nicht nur das römische Theater in Mainz, sondern auch die vielen Burgen. Insofern war die Fahrt landschaftlich doch sehr schön, der Zug hatte aber keine Klimaanlage (ich habe kein Hitzeschock bekommen) und man sah zu meiner Enttäuschung nicht die Loreley vor dem bekannten Steinmassiv am Flusse. Begleitet wurde ich von der amüsanten Reisebeschreibung Puschkins und seiner Reise nach Arzum im Jahre 1829 in einer sehr eleganten Ausgabe der Friedensauer Presse aus Berlin. So weilte die vierstündige Fahrt sehr schnell vorbei.

Angekommen in Bad Godesberg bin ich in zum Gustav-Streseman-Institut gefahren worden. Nach dem Empfang und der Beziehung des Zimmers nahm ich das Mittagsessen ein auf einer Terrasse an einem mit Lotusblumen überfüllten Teich. Es war sehr warm und sonnig.

Gegen vier wurde ich in den Saal gerufen, wo die Auswahlkommission tagte. Das war das eigentliche Motiv der Reise gewesen, die Einladung zu einem Gespräch mit der Auswahlkommission des DAAD zur Klärung einiger Fragen hinsichtlich meiner Studiensituation.

Nach dem Gespräch unternahm ich an diesem sommerlichen Nachmittag noch einen Spaziergang bis zur Rheinaue — ein Park— bis zum Institut und darüber hinaus bis zur alten sauditischen Botschaft und zurück. Bad Godesberg ist wirklich angenehm, sicherlich einer der schönsten Orte zum Leben in Deutschland; in vieler Hinsicht gleicht Bad Godesberg einem amerikanischen suburb.

Am nächsten Tag durfte ich nach dem Frühstück die Bundeskunsthalle besichtigen, wo ich eine Austellung über Kunsthandwerk aus Baktrien, das hellenische Reich im heutigen Afghanistan, bewunderte. Eine gewisse mystische ja, sogar magische Aura strahlte aus den mit griechischen Motiven verzierten Goldjuwelen, die jahrhundertelang am Ufer des Orontes begraben waren. Eine Mischung aus untergangener Antike und Seidenstraße, eine Mélange aus Homer und Dschingis-Khan konnte der Besucher in den Vasen und Ketten bestaunen. Nach dem Museum ging ich in das Kunstmuseum hinein, wo einige gegenwärtige Gegenstände deutscher, englischer und französischer Künstler ausgestellt waren.
Nebenbei muss ich das Sortiment und die guten Preise der Walther Koenig Bücherei loben, wirklich eine Schatztruhe habe ich dort gefunden.

Zuletzt erreichte ich das Stadtzentrum von Bonn. Ich besichtigte die Basilika, wo u. a. Karl IV als Gegenkönig gekrönt wurde, und die Reliquien des Hl. Cassius und Florianus sich befinden. Die Basilika, die Bonner Hauptkirche, wird auch Münster genannt. Die Architektur ist sehr mittelalterlich, mit romanischen und gotischen Elemente zugleich. Insbesondere die für das Rheinland charakteristischen schwarzen Steindächer haben mir sehr gut gefallen. Und ja, das Kreuzgang ist tatsächlich sehenswert. Hier sind die Grabsteine der Vikare zu sehen. Bonn war, und meines Wissens ist noch, kirchlich von dem Bischof von Köln abhängig. Deshalb Vikar. Besondere Freude hatte ich auch an einem kleinen Bild einer Mutter des Guten Rates gehabt. Das Gesicht gewissermaßen kindlich, prachtvoll das Gewand und die Krone zugleich, würdig die Haltung des Heiland-Kindes; könnte man sich hier an die Verse von González de Eslava—der Überlieferung nach der erste mexikanische Barockdichter—erinnern, an der columna de cristal, dorado techo, usw.

Von da aus ging ich weiter in die Innenstadt spazieren, nahm mein Essen in einem italienischen Café in der Nähe des Sterntores, und gelangte an das Geburtshaus von Beethoven. Das Haus erinnert etwas an das Goethehaus, aber nur äußerlich. Die Innenstadt ist, wie man sich vorstellen kann, ähnlicher dem Bach-Haus in Leipzig. Hierhin sah ich, wie üblicherweise, die Haarlocken des Komponisten, Porträts seiner Vorfahren, die ersten und die letzten Brillen, usw. Ein besonderer Prunkstück, oder vielmehr Stücke, sind die zwei Klaviere des Symphonisten.
Nach der Besichtigung kehrte ich wieder nach Freiburg zurück, wieder mit Puschkin und, Gott sei dank, mit Kühlanlage.
Ihnen und Euch allen wünsche ich noch eine schöne Woche.

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