12. März 2010

Wetzlar an der Lahn

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 10:03
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

Nun darf ich Sie und Euch alle wieder aus Freiburg begrüßen, wo ich eigentlich erst gestern Mittag angekommen bin.
Sie werden sich vielleicht fragen, ob ich doch in dem römischen Dieburg, zusammen mit Nida der wichtigste Ort der Civitas Taunensis, gewesen bin und dazu darf ich erzählen, dass ich mich in letzter Minute um entschlossen habe, und die Heimatstadt von dem leidenden Werther, nämlich Wetzlar an der Lahn besichtigt habe.

Der erste Eindruck, den ich von Wetzlar bekommen habe, war eher trist. Und zwar, weil der Bahnhof an der anderen Seite der Lahn liegt, an der Mündung einer Nachkriegszeitfußgängerzone, die fast nur mit geschlossenen Geschäften umhüllt ist. Ähnlich wie etwa in Meißen an der Elbe, beginnt die schöne Altstadt erst am anderen Ufer des Flusses.

Inmitten der mit Schnee bedecken Dächern, erhob sich der Turm des Domes hoch empor. Und wie man die Gassen bis zum Marktplatz hinaufsteigt verlor sich das Auge in den unzähligen sehr prachtvollen Fassaden der Fachwerkhäuser. Sonnen, Meerjungfrauen, Weinranken, Heilige, Kronen, Zepter und Sprüche begrüßten den neugierigen Reisenden. Schon auf dem Markt, wo auch ein Wochenmarkt stattfand, bekam ich eine Ortskarte und begab ich mich zunächst zum Dom. Diese Kirche wird, als schönes Exempel der Ökumene, zur Hälfte von der evangelischen und zur Hälfte von der katholischen benutzt. Als Jurist ist es besonders erfreulich zu sehen, dass die Cameralherren in ihren Grabsteinen, inmitten ihrer Wappen und Lebensdaten mit goldenen Lettern ihr Lebenswerk und –Pracht verewigten: Cameralherr am Gericht; Assessor des Richters, Doktor der Rechte. Denn in dem kleinen Provinzstädtchen lag bekanntlicherweise das Reichskammergericht über 200 Jahre lang.

Von da aus ging ich zum Lottehaus, also dort wo die Person, die die Figur der Lotte in dem berüchtigten Roman inspiriert hat, tatsächlich gelebt hat. Es handelt sich vielmehr um einen Museumskomplex in was früher ein Anwesen des Deutschen Ordens gewesen ist. So besichtigte ich zuerst das Stadtmuseum, und danach das benachbarte Haus, das Haus von Charlotte.

Wie ich rein kam wurde ich von der Museumswächterin durch die Räume geführt. Ich lernte die Geschichte der Bilder kennen, sah die Erstausgaben des Romans (der sog. Urwerther, die Raubausgabe mit den Stichen von Chodowiecki, die ersten Ausgaben in französischer, italienischer, spanischer und englischer Sprache, usw.), und bewunderte das Klavierkord von Lotte. Am Ende der Führung wurde ich nach meinem Herkunftsland gefragt, und so stellte sich heraus, dass ich der erste Mexikaner gewesen bin, der das Lottehaus je besichtigt hat. Folglich sollte ich mich natürlich in einem Gästebuch eintragen.

Danach ging ich essen und nach dem Essen in das Reichskammersgerichtsmuseum. Wirklich ein schönes, niedliches Museum. Im Großen und Ganzen war es wie eine Vorlesung der deutschen Rechtsgeschichte. Man durfte Illustrationen zur Goldenen Bulle, Prachtsausgaben des Sachsenspiegels, der Carolina, usw. sehen. Es gab viele Karten mit den Jurisdiktionsdistrikte, Bilder der berühmtesten Assessoren, viele Repräsentativwerke des Kameralliteratur, usw. Auch natürlich, und das kam mir besonders gut entgegen als Jurapraktikant, war einen Saal über die Praktikanten am Reichkammergericht vorhanden. Schön war es auch, dass als ich in dem Shop (meines Wissens sagt man nicht „Museumsladen“ sondern „Museumsshop“, obwohl es sich nach einem Anglizismus der Deutschen Bahn anhört) eine Kleinigkeit kaufte, ich dazu noch ein Faksimile einer Jurisdiktionskarte aus dem 18. Jhd. als Geschenk bekommen habe.

Bemerkenswert ist es auch, dass in allen diesen Museen in Wetzlar man immer zuerst klingeln muss, um überhaupt herein zu kommen. Man wird sogar gefragt, was man da möchte, und erst wenn der Reisende erklärt er möchte das Museum besichtigen, wird er rein gelassen. Nach dem Reichskammergericht ging ich zur Wohnung eines seiner bekanntesten Arbeiter, nämlich zur Wohnung des Karl Wilhelms Jerusalem, ein Bekannter des Autors von „West-Östlicher Divan“, der mit seinem Suizid die berühmte leidenschaftliche Figur mit gelben Hosen der deutschen Literatur inspiriert hat.
Dort wurde ich ebenfalls persönlich empfangen und durfte dann ein Modell der gelben Hosen und des blauen Gehrocks sehen und dann, am Ende der Führung sogar seine Pistole in die Hand nehmen. Denn wie der Führer zu Ende kam, öffnete er eine Schublade des Schreibtisches, nahm die Reisepistole heraus und überreichte mir die Waffe.
Von da aus verabschiedete ich mich von Wetzlar und kehrte nach Frankfurt zurück.

Ihnen und Euch allen wünsche ich noch eine schöne Woche.

5. März 2010

Produktive Arbeitswoche mit Kultur

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 13:48
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

Liebe Constipendiaten,

Nachdem der unvergessliche Franz-Joseph Strauß von den Toten auferstanden ist, endet nun heute wieder eine Woche, oder zumindest eine Arbeitswoche. Apropos, eine sehr produktive sowohl hinsichtlich meiner Hausarbeit, als auch meines Projektes, als auch meines Praktikums. Denn in diesen letzten Tagen sind viele Seiten über Probleme der Vertretung, über Probleme der Ehe, und über die Zusammenarbeit des säkularen Armes mit der Kirche entstanden.

Ich durfte wieder den Rat von Othmar Jauernig und Otto Palandt an meiner Seite holen, genauso wie die kühnen Wörter der Werke der Professorin Coester-Waltjen. Besondere Freude hat mir auch die Beschäftigung mit Berthold von Regensburg und seinem Einfluss auf dem Schwabenspiegel gemacht.

So viele Aufgaben veranlassten mich alle touristische Pläne zu kürzen bzw. sogar abzusagen. Nichtsdestotrotz habe ich heute das längst ersuchte Ikonenmuseum besichtigt. Zwei mal war ich schon da gewesen, und zwei Mal fand ich die Türe der Räumlichkeiten des Deutschordensgebäudes geschlossen. Nun durfte ich endlich rein. Wirklich ein schönes, wohl aber niedliches Museum. Es ist ja immer so wundersam, dass die Orientchristen und ihre Kultur uns so nah und zugleich so fremd sind.

Wie oft hat man ja schon Golgota-Berge und Verkündigungen gesehen! Wie vertraulich erscheint das Kamelfell des Johannes Baptista, er könnte fast würde ich sagen ein alter Familienfreund sein, der aus der goldenen Oberfläche des Bildes vielleicht eine etwas vergessene Kinderanekdote erzählen könnte.

Und wie exotisch ist dagegen die Darstellung der Hagia Sophia, der Hl. Weisheit! Bitte verstehen Sie nichts falsches, aber als ich die Figur zum ersten Mal in der Mitte der Ikone sah, kam sie mir so rot gefärbt vor, mit Fittichen und eine Art Krone, fast wie eine Gottheit aus Indien. Beim Anbetracht dessen kam der karolingische Diakon—ich meine in Frankfurt ist es sogar eine Pflicht an diesen Herrscher und an seine Zeit zu denken—Paulus mit seiner schönen Beschreibung der konstantinopolitanischen Kathedrale in Erinnerung. Und das alles unmittelbar neben dem Raum mit der äthiopischen Kunst. Was für ein herrlicher Anblick, wenn man so einen Schmelztiegel verschiedener Kulturen rund um denselben Kult sehen konnte…

Vielleicht zum Bedauern einiger Kommilitonen und Leser, habe ich die Reise nach Wetzlar vorübergehend abgesagt. Obwohl ich immer noch gelbe Hosen trage, werde ich wahrscheinlich diesmal das Haus von Werther nicht kennen lernen. Nach Dieburg, eine kleine Stadt auch in der Nachbarschaft von Frankfurt, habe ich vor morgen zu gehen, während der Mainz Besuch für nächsten Mittwoch geplant ist.

So wünsche ich Ihnen und Euch allen ein schönes Wochenende.

1. März 2010

Sightseeing in Frankfurt am Main

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 09:57
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

als aller erstes entschuldige ich mich für den verspäteten Eintrag. Aber nun als Praktikant in einer neuen spannenden Stadt ist man bekanntlicherweise wenig zu Hause.

Gestern durfte ich einem Freund die ehemalige Reichsstadt Frankfurt zeigen. Denn ab Ende dieser Woche arbeite ich an dem rein juristischen Teil des Praktikums, was im Gegensatz zu dem diplomatischen Teil keine festen Bürozeiten erfordert. Bevor ich aber von den Sehenswürdigkeiten berichte, muss ich vielleicht Ihnen und Euch sagen (viele Leser wissen das schon, wohl aber nicht alle), dass das besagte Praktikum an dem mexikanischen Generalkonsulat stattfindet. Deshalb auch einen diplomatischen Teil, in dem ich die Geschichte, Organisationsstruktur und Funktionen des Auswärtigen Dienstes kennen lernen durfte. Mit Freude und Nostalgie zugleich las ich die vertraute Geschichte der deutsch-mexikanischen Beziehungen, so geprägt von meinen Vorfahren, von meiner Schule und schließlich auch von meiner Studienstiftung, also vom DAAD.

Nun habe ich meinem Freund vor dem (mit Recht) berüchtigten Städelmuseum getroffen. Es war wirklich eine große Erleichterung nicht in der übermäßigen Schlange für die Botticelli-Ausstellung stehen zu müssen. Denn wir hatten ja Gutscheine. Die Ausstellung war tatsächlich sehr gut; mit vielen hauseigenen Werken versehen. Am besten hat mir das Verkündigungs-Fresko aus den Uffizien gefallen. Wie ich den Saal betrat und das Werk sah, kamen mir fast die Tränen vor Entzückung und Freude. Die großzügige Renaissance-Räumlichkeit des Gemacht Mariens, die erfrischenden und zugleich wohltuenden Blauen und Grünen und Roten und Weißen, sowie die historische Tat in sich, schlichtweg einer der Kernaussagen des christlichen Glaubens, bewegten mich sehr.
Nach der Ausstellung sahen wir auch die normale Sammlung mit der guten Mischung aus Van Dycks, und Canalletos, Giacometti-Skulpturen, mittelalterliche Dyptichen und so weiter.
Die weiteren Museen der sogennanten „Museumsufer“ haben wir nicht besichtigt. Wobei ich erzählen darf, dass als ich letzte Woche das Liebighaus mit ihrer gewaltigen Skulptursammlung sah, mit Empörung beobachtet habe, wie ein Wächter auf barbarischer Weise ein Kopf des Mark Aurels mit bloßen Händen angefasst hat. Ich sagte nichts und beschäftigte mich lieber mit dem marmornen Athleten. Der Sportler sah nach 2000 Jahren mit Abstand lebendiger aus als die „lebendigen Statuen“ die sich samstags an den deutschen Marktplätzen und Promenaden hinstellen.

Der Bartholomäus-Dom, wo die Wahl und Krönung des deutschen Kaisers stattfand und wo eine Baßgeigenkassel, die von den Kardinälen E. Pacelli und K. Woytyla vor ihrer Papstwahl benutzt wurde, beherbergt wird, wurde auch gesehen. Auch die römischen Ruinen vor dem Tempel und die Schirn-Halle mit der gegenwärtigen Ausstellung mit Werken von Georges Seurat. Wir sind aber nicht direkt von dem Main ins Zentrum gelaufen, sondern begaben uns zuerst in Richtung Taunusanlage. Hier sahen wir die Gold Euros in dem Laden der Europäischen Zentralbank und gingen weiter bis zur Alten Oper, wo der Bekannte die konsularische Vertretung sehen konnte. Von da aus gingen wir die ganze „Fressgasse“ bis zur Mündung, über einen Ausweg bei dem Vaterhaus von J. W. v. Goethe, in die Paulskirche entlang. Wie der Name der Fußgängerzone schon sagt, gab es ein reiches Essangebot dort, was wir mit Freude entgegennahmen. Nach dem langen Tag war icham Sonntag an der Saalburg, das berühmte, von dem Kaiser Wilhelm II und von dem Romanisten Theodor Mommsen so geliebte Kastell an dem römischen Limes.

Ihnen und Euch allen wünsche ich noch eine schöne Woche.

19. Februar 2010

Drei mal Deutschland

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 09:15
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

Nun darf ich Ihnen und Euch für die kommenden drei Wochen aus Frankfurt am Main begrüßen, wo ich derzeit ein Praktikum mache. Quer durch Deutschland bin ich am vergangenem Dienstag in der Heimatstadt Goethes angekommen. Bevor ich aber angereist bin, habe ich eine kleine viertägige Haltestelle in München gemacht, wo ich Verwandte besucht habe.

Nicht so närrisch wie die Städte am Rhein und mit einem Schneemantel bedeckt, zeigte sich die bayerische Haupstadt schön und prächtig in diesen Faschingstagen. Ich habe das neue Museum Brandhorst kennengelernt und wieder die berühmte Alte Pinakothek gesehen. Auch den Justizpalast, wo das mythologische Bayerische Oberlandesgricht beheimatet war (die einzige letzte Justizinstanz, die von dem BGH-Karlsruhe unabhängig war) und die vielen Rokokokirchen durfte ich besichtigen. Meine einzige Faschingsaktivität war dieses eingeartige Süßgebäck mit mehreren Bezeichnungen als die der Eskimos für den Schnee auf dem Marienplatz zu essen, aber nicht nur dort sondern kontinuierlich seit den letzten Freiburger Tagen. Damit meine ich natürlich die Krapfen, Kreppel oder Berliner.

Wie ich hierher nach Hessen kam, ging ich zum Kaffetrinken in einer Bäckerei. Und infolge dass es noch der Vorabend des Aschermittwochs war, entschloss ich mich meinen Kaffee mit einem letzten nennen wir es mal das „Brötchen“ zu begleiten. Und wie ich auf dem Gebäck mit meinem Finger zeigte, sagte der Bäcker: Oh, Sie möchten ein Kreppel. Dann habe ich nur genickt und lernte so eine neue Bezeichnung dafür. Also habe ich in dieser Woche drei unterschiedliche Dialekte gehört, habe ich in drei Bundesländern übernachtet und habe die Messe in drei unterschiedlichen Diozösen besucht. Vor noch 204 Jahren, die Abdankung des Kaisers Franz fand erst im August 1806 statt, wäre ich ja in drei unterschiedlichen Staaten gewesen; wie Fritz Reuter, wessen Tatort sich in Thüringen befand, obwohl der mecklenburgische Staatsbürger in Preußen verhaftet wurde.

So wünsche ich Ihnen und Euch allen aus der Stadt zwischen Rhein und Main eine wunderschöne Woche noch.

5. Februar 2010

Bücherjagd in Freiburg

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 09:38
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,
Der künftige Geburtstag eines Freundes war in letzter Zeit der Beweggrund für mich, gerade nach der Beendigung der Klausursaison, eine Reise durch die Freiburger Büchereien zu unternehmen.
Zuerst kam, unmittelbar im Kollegiengebäude II, die bekannte Walthari. Beide Abteilungen, also die von Fachliteratur (mit Kommentaren des Bürgerlichen Gesetzbuches, Traktaten der griechischen Übersetzung, Monographien der Steuerzahlung und Biographien des berühmten einzigen badischen Ministerpräsidenten Leo Wohleb) und das Abteil mit sozusagen „schöne Literatur“ wurden besucht. Ich fand nicht ein passendes Buch und ging diesmal zu den Antiquariaten, zunächst auf der westlichen Seite des Universitätszentrums.

In „Im Grün“, also in dem Studentenviertel zwischen der Dreisam, der Bertoldstrasse, dem Bahnhof und dem Rotteckring, kam ich in eine schönen Bücherei herein. Wie sie heißt, weiß ich leider nicht mehr, aber sie trägt den Namen des Ladeninhabers. Vor allem ist die Auswahl sehr verschieden und günstig. Ich selber habe dort einige Bücher erworben, u.a. ein Roman von Gottfried Keller, dieser ungeheuer beliebter Schrifteller vergangener Zeiten, dessen Bücher von 2 bis 3 Euro in schönen Leinenbänden mit frühexpressionistischen Bilder zu erwerben sind.

Nachdem ich wieder nichts gefunden habe, mit dem Bewusstsein, dass das Geburtstagskind sehr theologisch interessiert und kirchlich aktiv ist, ging ich zu der Bücherei „Thomas Nonnenmacher“ auf der Bertholdstrasse. Das Sortiment war wie oft gut und atraktiv, viele Katechismen, Reisebücher und so weiter, aber leider nichts für den Komillitonen. Mein sehr geschätzes Exemplar der Ägyptenreise von Ludwig Hamman, von der in diesem Blog einmal schon die Rede war, habe ich dort zu Beginn meiner Studienzeit erworben. Gerade jetzt als Martin Luther nach Angaben der FAZ in Mode ist, wäre vielleicht etwas von ihm zeitgemäß, aber dann lasse ich das Buch doch im Regal.

Danach trat ich, wieder in der Altstadt, in die  Bücherei „Veith Elsenhans“. Leider waren die gefundenen Kunstbücher wieder eine schlechte Geschenkwahl. Manche zu schön, manche zu teuer, manche zu ästhetisch für einen eher nicht so sehr kunstsensiblen Menschen. Hier hat der Komillitone und Gebrauchsachen-Verkäufer J. vor kurzem einen Streit über den Wert eines angeblichen Messingadlers gehalten. Der Streigegenstand ist aber nicht mehr ersichtlich.
Daneben, der schöne Laden direkt hinter der Ecke des Ordinariats. Dort habe ich einmal im Schaufenster ein Exemplar der Erstausgabe (anno 1625) des De belli juris ac pacis von Grotius, quasi der Stammvater der Internationale Beziehungen und ein Meilenstein in der Rechtsphilosophie gesehen. Entsprechend der Qualität der Bücher, nimmt der Antiquar an der „Antiquaria“-Messe in Ludwigsburg teil, gerade dort wo ein Antiquar aus Wien einen Brief des Wittenberger Reformators vor einigen Tagen verkauft hat. Ich muss also weiter suchen.

Die beliebten Tische unterhalb der Arkaden des Historischen Kaufhauses sind seit ein paar Wochen zu vermissen. Also muss man weiter laufen. Weder in der „Thalia-Herder“, noch in der „Rombach“ werde ich fündig. Auch nicht der Discounter-Bücherei „Jokers“. Die Bücher des Phillip-von-Mentz-Verlag würden mein Bücherregal bereichern, nicht aber die Bücherbestände des Komillitonen. Ich marschiere weiter und gehe letzlich in die berühmte Bücherei „Zum Wetzstein“. Der Professor Kr. ist da. Auch mehrere andere Kunden. Ich selber erwerbe ein Reisebuch von A. Puschkin. Auch bei meiner Suche nach einem passenden Geschenk werde ich fündig. Infolge, dass das Geburtsagskind i.d.R. dieses Blog liest, werde ich selbstverständlich nicht verraten was ich gekauft habe. Es soll ja Überraschung sein.
So wünsche ich Ihnen und Euch allen eine schöne Woche noch.

29. Januar 2010

Klausurenstress

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 09:29
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

Endlich scheint das Semesterende in greifbarer Nähe. Innerhalb von zwei Wochen werde ich mein drittes von insgesamt neun Semestern beenden. Die Dozenten verabschieden sich und man plant das kommende Semester. Vorlesungen, Hausarbeiten, Übungen und Seminare werden auserwählt.

Das Studium der Rechtswissenschaften ist ein Studiengang in dem die Prinzessinen Stephanie und Caroline von Monaco und die Zeitschrift Hello!, die Straßenverkehrsordnung , die Abgeordneten des Bundestages, die karthaginesischen Kirchenväter Cyprian und Tertullian, und nicht zuletzt auch Theodor Fontane und der Spiegel, sowie der Schauspieler Brad Pitt und Karl der Große eine gewichtige Rolle spielen. Und dementsprechend werden auch in diesen letzten Tagen noch Klausuren geschrieben, was natürlich auch Zeit in Anspruch nimmt. Sonst vergisst man ja die Details des Rosenballs vom letztem Jahr, die Vorschriften des Handelsgesetzbuches oder die Siegeszüge des Belisars.

So verabscheide ich mich diesmal von Ihnen und Euch allen. Bis nächster Woche.

22. Januar 2010

Besuch im Uniseum

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 10:12
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

Wie bereits angekündigt, waren wir also letztem Freitag im Uniseum. Obwohl die Führung mehrfach bestätigt und sogar bezahlt wurde, ist der Führer nicht erschienen. Jedoch erklärte sich eine junge Angestellte des Museums bereit uns dort zu führen. Wir lernten einiges von der Geschichte des Gebäudes und ein bißchen über einige Gegenstände. Es ist ja Schade, dass die Originalkarte des freiburger Studenten Martin Waldseemüller, überhaupt die erste in der die Neue Welt mit dem Namen „America“ bezeichnet wurde, nicht mehr da ist. Die Karte wurde nämlich für einen für solchen Stücken eher kleinen Betrag ausverkauft.

Desweiteren haben wir die Münzen, Bilder, usw. gesehen. Beim Anbetracht der Stücke aus der jesuitischen Zeit der Universität (17. und 18. Jhd.), nutzte ich die Gelegenheit nach der Möglichkeit einer Ausleihe der Gewänder zu fragen. Ich tat dies als wäre ich ein Prozeßzeuge, also mit bestem Wissen und Gewissen und nur der Wahrheit entsprechend. Die Führerin konnte das aber gar nicht verstehen. Vielleicht verkennt sie als Museumangestellterin, dass liturgische Geräte und Gewänder im Museumseigentum (die Lage ist i.d.R. anders wenn die Gegenstände nur im Besitz sind) in aller Welt noch zu besonderen Anläßen zur Verwendung geliehen werden. Trotzdem war unser Besuch schön und amüsierend.
Am Montag war ich wieder in Frankfurt. Zur Bestätigung meines künftigen Praktikums am mexikanischem Konsulat sollte ich eben persönlich dort erscheinen. Das Konsulat liegt in schöner Lage, gehäust in einem palastartigen Gebäude der vorletzten Jahrhundertwende (also 1900) neben der Alten Oper. Das Büro ist geräumig und es gibt zahlreichem, apropos sehr netten, Personal. Nach dem Interview mit dem Beisitzer-Konsul kehrte ich nach Freiburg zurück; eben am Montag waren alle Museeen, Ruinenstädten und ähnlichen geschlossen.
Ihnen und Euch wünsche ich noch alles Gute.

15. Januar 2010

Zwei hoffnungsvolle Ritter

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 14:44
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Hochverehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,
Nach der längeren Weihnachtspause darf ich Sie und Euch alle wieder begrüßen und nachträglich Ihnen und Euch einen guten Start ins neue Jahr wünschen.
Nachdem ich am Sonntag noch ein wunderbaren Stierkampf beobachtet habe, durfte ich heute wieder, getreu der hiesigen Gewohnheiten, Kassler mit rotem Kohl inmitten einer von Schnee bedeckten Stadt essen.
Nur wenige Wochen, nachdem ich die Maya-Wandmalereien von Bonampak im südmexikanischem Regenwald bewundern konnte, sah ich gestern die vertraute Ritterstatue der südlichen Münsterseite, hier in Freiburg. Wie unterschiedlich und trotzdem, wie ähnlich sind die beiden Rittergestalten!

Circa 400 Jahre und 6.000 Kilometer sollten beide Edelmänner von einander getrennt haben. Der eine wird nur heute als bidimensionale, bunte Figur gesehen. Der andere, als farblose, tridimensionale Sandsteinstatue. So unterschiedlich wie sie zu Lebzeiten schon waren, hofften beide sicherlich, mit ihren Taten und Aventueren, ein ewiges Leben zu bekommen. Sonst hätten sie sich, beziehungsweise hätten ihre Nachkommen sie nicht in unmittelbarer Nähe des Altares bilden lassen. Dazu kommt noch die Tatsache, dass der Maya-Ritter auf einem Hintergrund mit der Farbe der Erlösung, also das sogennante „Maya-Blau“ fast Türkisblau aber ein bißchen dunkler, dargestellt wird. Der deutsche Ritter steht seinerseits auf einem Löwen, beide, das Stehen und die afrikanische Raubkatze, mittelalterliche Symbole der erlösenden Auferstehung.
Auffällig ist der Gegensatz der stolzen Haltung des Lakandonen mit der Bescheidenheit des Badeners. Der Maya blickt hochempor, mit seiner Lanze auf der rechten Hand. Er wird von einem Jaguarpelz bedeckt und trägt Sandalen mit hohen Absätzen, noch bis heute unter den Indianern ein Status- und Standessymbol. Der andere Ritter blickt dagegen zum Boden und faltet die Hände, ähnlich wie er zu Lebzeiten vor dem Lehnsherrn beim Handgang gemacht haben sollte. Er trägt zwar schon eine prächtige Rüstung und ein gewaltiger Schwert, aber trotzdem sieht er dienstbereit aus. Eigentlich könnte man in dieser Geste eine physische Zusammenfassung des Evangeliums sehen in dem der Gott des Ritters sagt, dass Er nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Mk 10, 45). Das schließt natürlich nicht aus, dass das sogenannte Chilam-Balam, das religiöse Buch der Mayas, auch Vorschriften über die Bescheidenheit hat. Die Egolatrie ist ja ubiquitär unerwünscht und wird von allen Religionen verurteilt, aber sicherlich nicht in dem Maße des Christentums.

Letzlich wird der Maya in einer Gruppe von Kollegen dargestellt, die auch reichbeschmuckt zur Gottheit hinschauen. Der andere Ritter steht dagegen sehr einsam. Oberhalb von ihm befinden sich mehrere Märtyrer, aber auf seiner Ebene steht er nur mit der Kirchenbank allein.
Morgen werde ich mit anderen RCDSler durch unser Universitätsmuseum- das „Uniseum“-geführt und am kommenden Montag muss ich infolge einer Studienangelegenkeit nach Frankfurt verreisen, so dass ich nächstes Mal sicherlich viel mehr berichten kann.
Bis dahin wünsche ich Ihnen noch eine schöne Woche.

11. Dezember 2009

Die Vandalen-Ausstellung in Karlsruhe

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 10:07
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,
Am vergangenem Sonntag, bin ich eben in der Vandalen-Ausstellung im Badischen Landesmuseum zu Karlsruhe, quondam Residenz der Großherzöge des Landes, gewesen.
Es war wirklich schön und empfehlenswert. Eine gute Museographie, schöne Exponate und eine ruhige Atmosphäre. Es ist ja so unangenehm wenn man von kleinen „vandalischen“ Rentner oder Erstklässler überrumpelt wird. Oder noch schlimmer, wenn ein Faux-pas in Richtung des Meisterstückes (zum Ehren des Obligationenrechts lassen Sie uns „Eichen am Wasser“ von J. I. van Ruisdael als Beispiel nehmen) eine Legion Museumswächter in Bewegung setzt. Hier war das nicht der Fall. Die Cafeteria war zwar halbwegs gut, aber immerhin ein Mittagsessen wert. Schön fand ich, dass die Weihnachtsblumen,so mexikanisch wie diese „Lederblumen“ ( „Cuitlaxochitl“ ) sind, von der selben Farbe waren, wie die Wände der Ausstellung: dunkelrot.
Kaiserporträts, barbarische Waffen, römische Münzen, frühchristliche Stelen und nordafirkanische Mosiaken ermöglichen einen Einblick in diesem kurzlebenden Reich des Geisimer und seines Volkes auf karthaginesischem Gebiet. Eine schöne Völker- und Kulturgemenge.
Gerade, dass die ehemaligen Hirten und Krieger Pommerns, plötzlich auf der Heimat Tertullians landeten, war eigentlich schon merkwürdig. Kunst,-, Religions-, Zivil,- und Militärgeschichte fanden dort, in dieser Erdflecke in dieser Zeit mannigfaltige Angelpunkte. Aus rechtshistorischer Perpektive waren die Albertini Täfelchen natürlich die Kronexponate der Ausstellung. Es sind Zederntafälchen, die über die Rechtsgeschäfte einer verarmten Familie in einem Latifund am Rande der Wüste im 5. Jhr. berichten. Von daher, sind sie ein bißchen traurig im Vergleich zu anderen lateinischen Urkunden, wie etwa die Tafeln aus Herculaneum.
Arius, für den Gott der Sohn nicht genauso göttlich war wie Gott der Vater ist;der Bischof Wulfila, der die Bibel ins Gotische übersetzte; Belisarius, der treue Soldat Justinians, und viele andere Gestalten grüßten den Touristen.
So darf ich mich, von Ihnen und Euch allen für dieses Jahr verabschieden. Ich wünsche Sie und Euch allen frohe Weihnachten.

4. Dezember 2009

Eine ganz normale Woche

Geschrieben von Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff um 12:38
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,

Die vergangene Woche war eine sehr übliche. Ohne besondere Ereignisse vollzogen sich die Tage hintereinander. Auf der anderen Seite, schrieben wir die letzte Klausur vor Weihnachten am vergangenem Dienstag. Damit ist natürlich die Weihnachtszeit hinsichtlich der akademischen Veranstaltungen eröffnet. Wie eine Mitbearbeitin dieses Forums wohl sagte, eine Entspannungszeit eröffnete sich.

So konnte ich am selben Mittwoch, am Abend, einen hochinteressanten Vortrag über neuere Ausgrabungen in Ephesos besichtigen. Ephesos, die Stadt zugleich der Göttin Serapis und der Gottesmutter Maria. Denn innerhalb der selben Mauern wurden der weltberühmte Tempel der Göttin und später das Konzil, das die Jungfräulichkeit Mariae proklammierte, beherbergt. Viele namenhafte Persönlichkeiten der Altertumswissenschaften versammelten sich, um den Vortrag der Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts zu hören. Anwesend waren der Professor Walrodt, der Byzantinistik-Experte von Freiburg; der Professor Nuber, der die Villa-Urbana in Heitersheim vor ein paar Jahrzehnte ausgegraben hat; und nich zuletzt auch der Professor Liebs, der Romanist und Co-Leiter meines Seminars.

Gestern besichtigte ich das Brisgovenhaus. Es gab eine Veranstaltung über den Beruf des Juristen. Im Großen und Ganzen ein einleuchtender Vortrag, zumal die Thematik uferlos ist. Allein wenn man bedenkt, dass Cicero und Ambrosius, Goethe und Lincoln, Adenauer und Fidel Castro alle dasselbe studiert haben, ist es klar wie breit diese Materie sein kann und eigentlich ist. Heute habe ich wieder meine AG in Schuldrecht und am Wochende besichtige ich eine Ausstellung in Karlsruhe.
Ihnen und Euch allen wünsche ich ein schönes Wochenende!