Zwei hoffnungsvolle Ritter

15. January 2010 - 14:44 - 0 Comments by Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff

Hochverehrte Leserinnen und Leser,
Liebe Constipendiaten,
Nach der längeren Weihnachtspause darf ich Sie und Euch alle wieder begrüßen und nachträglich Ihnen und Euch einen guten Start ins neue Jahr wünschen.
Nachdem ich am Sonntag noch ein wunderbaren Stierkampf beobachtet habe, durfte ich heute wieder, getreu der hiesigen Gewohnheiten, Kassler mit rotem Kohl inmitten einer von Schnee bedeckten Stadt essen.
Nur wenige Wochen, nachdem ich die Maya-Wandmalereien von Bonampak im südmexikanischem Regenwald bewundern konnte, sah ich gestern die vertraute Ritterstatue der südlichen Münsterseite, hier in Freiburg. Wie unterschiedlich und trotzdem, wie ähnlich sind die beiden Rittergestalten!

Circa 400 Jahre und 6.000 Kilometer sollten beide Edelmänner von einander getrennt haben. Der eine wird nur heute als bidimensionale, bunte Figur gesehen. Der andere, als farblose, tridimensionale Sandsteinstatue. So unterschiedlich wie sie zu Lebzeiten schon waren, hofften beide sicherlich, mit ihren Taten und Aventueren, ein ewiges Leben zu bekommen. Sonst hätten sie sich, beziehungsweise hätten ihre Nachkommen sie nicht in unmittelbarer Nähe des Altares bilden lassen. Dazu kommt noch die Tatsache, dass der Maya-Ritter auf einem Hintergrund mit der Farbe der Erlösung, also das sogennante „Maya-Blau“ fast Türkisblau aber ein bißchen dunkler, dargestellt wird. Der deutsche Ritter steht seinerseits auf einem Löwen, beide, das Stehen und die afrikanische Raubkatze, mittelalterliche Symbole der erlösenden Auferstehung.
Auffällig ist der Gegensatz der stolzen Haltung des Lakandonen mit der Bescheidenheit des Badeners. Der Maya blickt hochempor, mit seiner Lanze auf der rechten Hand. Er wird von einem Jaguarpelz bedeckt und trägt Sandalen mit hohen Absätzen, noch bis heute unter den Indianern ein Status- und Standessymbol. Der andere Ritter blickt dagegen zum Boden und faltet die Hände, ähnlich wie er zu Lebzeiten vor dem Lehnsherrn beim Handgang gemacht haben sollte. Er trägt zwar schon eine prächtige Rüstung und ein gewaltiger Schwert, aber trotzdem sieht er dienstbereit aus. Eigentlich könnte man in dieser Geste eine physische Zusammenfassung des Evangeliums sehen in dem der Gott des Ritters sagt, dass Er nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Mk 10, 45). Das schließt natürlich nicht aus, dass das sogenannte Chilam-Balam, das religiöse Buch der Mayas, auch Vorschriften über die Bescheidenheit hat. Die Egolatrie ist ja ubiquitär unerwünscht und wird von allen Religionen verurteilt, aber sicherlich nicht in dem Maße des Christentums.

Letzlich wird der Maya in einer Gruppe von Kollegen dargestellt, die auch reichbeschmuckt zur Gottheit hinschauen. Der andere Ritter steht dagegen sehr einsam. Oberhalb von ihm befinden sich mehrere Märtyrer, aber auf seiner Ebene steht er nur mit der Kirchenbank allein.
Morgen werde ich mit anderen RCDSler durch unser Universitätsmuseum- das „Uniseum“-geführt und am kommenden Montag muss ich infolge einer Studienangelegenkeit nach Frankfurt verreisen, so dass ich nächstes Mal sicherlich viel mehr berichten kann.
Bis dahin wünsche ich Ihnen noch eine schöne Woche.

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