Sind die Römer frech geworden?
Werte Leserinnen und Leser, liebe Con-Stipendiaten,
Wie jeder von uns, die oder der sich den deutschen Medien gegenüber nicht fremd verhält, bereits schon weisst haben wir das Glück im „deutschem“ Jahr in Deutschland zu studieren. Damit meine ich nicht nur das politische Jahr mit Kommunal- und Europawahlen nächsten Sonntag und Bundeskanzlerwahl im September. Mir echeint dieses Jahr als besonders „deutsch“ zwei Jubiläumsfeiern wegen, die in ihrer besonderer Art und Weise beides eine Auseinandersetzung und eine Feier der Identität der Deutschen als Staats- und Kulturnation veranlasst haben.
Das erste Jubilar ist das Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland, die hiesige Verfassung. Vor zwei Wochen, am Sonntag den 23. Mai, haben wir alle diese Feier der Demokratie erlebt. In jede Stadt wurden Bögen und Zeitschriften zum Thema, sowie Exemplare der Verfassung geschenkt. Man feierte nämlich das 60. Jubiläum der Annahme des Grundgeseztes vom Parlamentarischem Rat in Bonn, nach der Annerkennung der Bevölkerung in Volksabstimmungen in den Ländern. Damit wurde den modernen deutschen Staat juristisch gegründet; ein Staat, das sich seither zur demokratischen, föderativen, und sozialen Ordnung bekennt, ganz fern von dem damals zeitlich nah liegenden Terrorregime der Nationalsozialisten. Dass diese neue Verfassung erfolgreich gewesen ist, beweisen u. A. das relativ wenig spät von Deutschland und ihrer Nachbarländer Frankreich und die Beneluxstaaten iniziierte Verfahren der Europäisierung der Politik, Wirtschaft, usw. und die Tatsache, dass diese Verfassung noch bis dato gültig ist. Deutsche Flaggen, Bilder und Chroniken des herrenchiemseer Verfassungskonvents und Kommentarausgaben des GG sind in jede beliebige Buchhandlung zu seit Januar zu finden.
Unser nächstes Jubilar ist die hochreserchierte Varus-Schlacht im Spätsommer des Jahres 9. Der Häuptling der Cherusker (ein Germanenstamm) Arminius bzw. Hermann schlug überrraschenderweise drei vom römischen Statthalter Quintilius Varus geführten Legionen angeblich im Teutoburger Wald, ein Ereigniss welches die östliche Erweiterung des römischen Reiches im nordwestdeutschem Raum beendete und, vor allem, eine große Rezeption genoss und eine gewichtige Rolle in der Bildung einer kulturellen Indentität spielte. So wurde Hermann der Cherusker von den Romantikern zur nationalen Held erhoben, was letztlich im Bau des berühtem Hermann-Denkmales ende des 19. Jahrhunderts mündete. Gerne wird in diesem Kontext das von Victor von Scheffel verfasste Lied : Als die Römer frech geworden…Mit diesem Vers kam zum Ausdruck, dass die deutsche Kultur nicht alles der klassichen Antike und dem römischen Imperium verdankte, sondern vielmehr im Laufe der Zeit sich sich eingenständig entwicklet hat, mit einem starkem Einfluss slawischer (etwa die Wenden im Osten), keltischer und nordischer Kultur entwickelt hat. Gerade das veranlasst uns zu einer Frage, welche seither mich immer wieder berührt. Und zwar möchte ich Sie gerne fragen, sind ihrer Meinung nach die Römer in Deutschland tatsächlich „frech“ geworden? Ist Deutschland wahrhaftig so abgetrennt von der klassichen Antike, wie man vor 200 Jahren glaubte bzw. hoffte?
Meines Erachtens ist es, allerdings mit einer enormen Schranke, nämlich diejenige der Sprache. Nach mittlerweile acht Monaten in Deutschland hat sich mein altes Bild Deutschland als ein ganz besonders von der lateinischen Sprache geprägtes Land bestätigt. Die deutschen Akademiker (Ärzte, Juristen, Priester, Wissenschaftler, Lehrer, Politiker) sprachen in einer Vorstellung des Landes immer Latein. So habe ich es immer gedacht.
Gerade in diesem Moment, als ich diese Linien verfasse befinde ich mich noch im Gebiet des römischem Imperiums, im Zug irgendwo zwischen Frankfurt und Kassel, ein Gebiet welches mehrere Jahre nach der Varus-Niederlage vom Kaiser Domitian in seine Feldzüge gegen die hier ansässigen Chatten erobert hat. In kürze erreiche ich die nächste Station und bald beginnt meine Pfingstreise durch Norddeutschland. Aus diesem Grund beende ich hier meine wöchentliche Überlegung. Nächsten Freitag also, wenn Sie liebe Leserinnen und Leser, geduldig dieses Portal wieder lesen, werden Sie meine Argumente und hoffentlich eine amüsante Schrift finden.
Ich heiße Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff und studiere Jura in Freiburg seit dem letzten Wintersemester.
Enough food and drink sampling at Anuga? How about some German technology? Just outside Hall 8 of the fair, a mini Zeppelin was spotted hovering above our heads. This fascinating craft is operated by Friedrich, a 20-year-old electrical engineering undergraduate. He flies this Zepplin nine hours a day and walks about at the north entrance [...]
When we leave home and head to a foreign country to study, one of the things we miss the most is FOOD. All those delicious things that reminds us our home country!! At the Anuga, we found people from every part of the world offering their typical food so we can have them at the [...]
Hallo Ig, ich wollte eigentlich auf die Fortsetzung deines Artikels warten aber du bist wahrscheinlich in den Pfingstferien. Eines der erstaunlichsten Momente meines Lebens in Deutschland war es als ich erfuhr wie mein Sohn in der Schule lernte was die Römer, als Invasoren, diesem Land gebracht hatten. Als Bürger einer Kultur die sich irgendwie als Nachfolger des römischen Reiches verstand, war es für mich vollkommen überraschend festzustellen dass es Menschen gibt, und zwar welche in deren Mitte ich lebe, die sich als Nachfahren einer vor-römischen, dem Imperium erfolgreich ferngebliebenen Nation verstanden. Ich glaube nicht dass diese Sichtweise einer rigorosen geschichtliche Betrachtung standhält, aber dass ist unwesentlich, erstaunlich ist es jedoch dass sie bis zum heutigen Tag fortbesteht, und zwar ausgerechnet in einem Land dessen Selbstverständnis als nationales Gebilde auf die Gründung des Heiligen Römischen Reiches zurückgeht. Ich fürchte das Mythos um Hermann ist wie andere aus jener Zeit, die zwar aus Fakten, nicht jedoch im Zeichen von Erkenntnis sondern zum Zwecke politischem Umdenkens, gebildet wurden. Dafür spricht zum Beispiel die Tatsache dass Arminius Denkmal nicht nach Rom sondern nach Paris blickt. Aber eins muss man auch deutlich sagen: Solche Mythen sind keineswegs ausschließlich Erscheinungen der Deutschen Kultur.
Ernst beiseite, vielleicht isst man in Deutschland deswegen so wenig Rind, weil es hier nie Trattorias gab in denen man eine gute Bistecca zu essen bekam (oder wie auch immer das ganze auf Latein gehießen haben mag).
Comment by Andrés Paniagua Curiel verfasst 13. June 2009 um 18:37