Die deutsche Christenheit

26. June 2009 - 11:42 - 0 Comments by Ignacio Garcia Lascurain Bernstorff

Werte Leserinnen und Leser dieses Blogs,

Liebe Constipendiaten,

Ich darf Sie erneut an diesem Freitag herzlich begrüßen. Wie Anselm Schott in seinem ehrwürdigen Missale Romanum sagte, wird das Halbjahr zwischen Pfingsten und Advent im Volksmunde mit Recht „Heiligenzeit“ genannt. Anlass dafür sind die verschiedenen Heiligenfeste, die in dieser Jahreszeit im Laufe 2000 Jahre Geschichte entstanden sind.

Und so, wie wahrscheinlich einige von Ihnen entweder durch die Johannisfeuer, oder auf sonstiger Weise wie etwa durch die Teilnahme an dem Gottesdienst, feierten wir Christen aller Konfessionen letztem Mittwoch den Tag des Heiligen Johannes des Täufers. Meinerseits besuchte ich die von mir wenig entfernte Johanniskirche und durfte einen wunderschönen Wortgottesdienst erleben. Nämlich feierten die katholischen Malteser Ritter zusammen mit den lutherischen Johannitern ihren gemeinsamen Schutzpatron, der Vetter Christi, Johannes. Der Einzug der Ritter mit ihren schwarzen Ordenshabiten, mit breiten weißen Ärmel und das Kreuz mit den acht Spitzen, war prachtvoll.

Usprünglich der Orden des Heiligen Johannes zu Jerusalem, 1099 ofiziell gegründet, spaltete sich die Balley (Großpriorat/Zunge->Priorat->Balley) Brandenburg , die die heutigen protestantischen Territorien umfasste, im Zuge der Reformation. Das geschah wenige Jahre nachdem die Ritter, letzlich auf der Insel Rhodos nach der Vertreibung vom Heiligen Lande, die Mittelmeerinsel Malta als Lehngut vom Kaiser Karl V bekamen. Deshalb auch die verschiedenen Bezeichnungen. Der Schutzpatron drückt eben das Verständnis der Maltesern als Christen, die dem Sohn der Elizabeth und des Zacharias folgend, den Weg für den Herrn durch ihre Taten (nicht unbedingt wie in der Bibel durch Fasten in der Wüste und Taufen im Jordanfluss) im Hilfe der Nächsten ebnen und vorbereiten.

Und, meine Damen und Herren, zu sehen wie eng beide Gruppen arbeiten, trotz der 500 Jahre Konfessionsunterschiede, war einfach berührend. Dem Gebot des Dienstes der Armen und Nötenden (obsequium pauperum ) folgend, haben beide Orden eine große Präzenz in Deutschland. Sie dürfen sicherlich die Krankenwagen des Malteserhilfdienstes oder aber der Johanniter schon gesehen haben.

Ich selber komme aus einem christlichen Land, aber staune noch jeden Tag, wenn ich die, trotz wachsende Säkularisierung, noch enorme christliche Prägung Deutschlands sehe. Wenn man am Abend das Läuten von sechs Kirchen 20 Minuten lang hört, merkt man wie eng der Glaube mit der deutschen Kultur verbunden ist. Nicht umsonst waren die Juristen und Theologen Martin Luther und Johannes Calvin (dessen 500. Gebutstag dieses Jahr gefeiert wird) Deutsche, genauso wie der gegenwärtige Papst Benedikt XVI. Auf gesetzlicher Ebene spiegelt sich das in den Artikeln der Weimarer Reichsverfassung, welche in Artikel 140 des GG verankert sind. Dadurch wird das Sonntagsgebot durch den Staat geschütz, und gemäß Art. 137 Abs. 6 WRV sind die Kirchen berechtigt, Steuern zu erheben.

Der deutschte Christ ist, in meinen Augen, ein belesener, gebildeter, sehr frommer Christ. Das Lesen der Heiligen Schrift, das Ausüben und Hören (gedenken wir alle bitte an Johann Sebastian Bach) gehören zu seine Tätigkeiten.

So wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende noch und hoffentlich sehen wir uns in einer Woche am gleichen Ort

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