Wie viele von euch schon wissen, habe ich meine reguläre Studienzeit schon lange hinter mir und promoviere gerade. Mein Tagesablauf und meine Aufgaben unterscheiden sich deswegen wahrscheinlich deutlich von euren. Aber vielleicht habt ihr später auch vor, zu promovieren. Deswegen versuche ich euch heute näher zu bringen, was es für mich bedeutet, zu promovieren.
Schon während des Studiums merkte ich, dass mir das wissenschaftliche Arbeiten Spaß macht. Ich war jahrelang als studentische Hilfskraft tätig und habe zahlreiche Zusammenfassungen und Ausarbeitungen zu bestimmten Problemen für meine Profs geschrieben. Deswegen fasste ich den Entschluss, zu promovieren. Am schwierigsten war am Anfang die Suche nach einem geeigneten Thema, zu dem es noch nicht so viel Literatur gibt und das mir auch Spaß macht. Man muss sich am Anfang immer vor die Augen führen, dass man sich mit dem Thema vielleicht mehrere Jahre beschäftigen wird. Ich habe ein Jahr gebraucht, um ein schönes Thema zu finden, dass auch mein
Doktorvater gut hieß. Seitdem dominiert dieses Thema mein Leben. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich mit dem Thema nicht auseinandersetze. Und das auch bei ganz tagtäglichen Tätigkeiten, die nichts mit der Promotion zu tun haben. Wenn ich zum Beispiel Zeitung lese, suche ich mit einem Augen immer nach aktuellen Entwicklungen, die für meine Doktorarbeit relevant sein könnten. Wenn ich im Bus sitze, überlege ich oft, wie ich die eine oder andere Passage am besten abschließe. Regelmäßig endet ein anfangs harmloses Internetsurfen in einer stundenlangen Recherche. Dazu kommt natürlich noch die Zeit, die ich jeden Tag einplane, um konzentriert an der Doktorarbeit zu schreiben. Das Ziel dabei ist, den eigenen Zeitplan einzuhalten. Das ist gar nicht so einfach, denn manchmal stößt man auf Probleme, mit denen man am Anfang nicht gerechnet hat. Und so ist man eigentlich die ganze Zeit unter Zeitdruck. Damit muss man lernen, umzugehen. Was ich persönlich für noch schwieriger halte, ist dass man die ganze Zeit völlig selbständig arbeiten muss und die Probleme mit Kollegen und Freunden meistens gar nicht ausdiskutieren kann, weil sie sehr speziell sind. Der Doktorvater hat meistens auch nur bedingt Zeit, sich mich schwierigen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Und so schreibe ich Seite für Seite und versuche mein Bestes zu geben und mit einer neuen Idee zu glänzen. Aber die Zweifel, ob es immer auch das Richtige ist, die bleiben. Zu promovieren ist wirklich keine leichte Aufgabe. Nur wenn man hoch motiviert und diszipliniert ist und wissenschaftlich fundiert arbeitet, kann man sie bewältigen. Dabei muss man sich jeden Tag aufs Neue motivieren, denn zwischendurch gibt es leider keine Belohnung.












