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Jonas Hassen Khemiri

Westeuropa

Jonas Hassen Khemiri
schwedischer Schriftsteller
Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2009

"Ich finde es sehr inspirierend, über Schweden zu schreiben und nicht dort zu sein."


Jonas Hassen Khemiri, Jahrgang 1978, ist nach dem Bestsellererfolg seines Roman-Erstlings „Das Kamel ohne Höcker“, 2003, ein Literatur- und Pop-Star in seiner schwedischen Heimat. Das Buch beschreibt die Identitätssuche eines Jugendlichen, der sich seiner nordafrikanischen Herkunft wegen in Schweden nicht willkommen fühlt und sich in der Rolle des Außenseiters einrichtet.

Der Erfolg hatte zunächst einmal mit dem aktuellen Thema und der ungewöhnlichen, sehr eigenen Sprache des Autors zu tun. Jonas Hassen Khemiri ist geradezu ein Erfinder neuer Sprachen, die sich aus altertümelnden Redewendungen, Elementen der Jugendsprache und Migranten-Dialekten zusammensetzen. „Khemirisch“ haben Kritiker diese Kreationen getauft. Es folgten zahlreiche Literaturpreise, erfolgreiche Übersetzungen in verschiedene Sprachen, erfolgreiche Romane wie „Montecore, ein Tiger auf zwei Beinen“ (deutsch 2007) und Bühnenstücke wie „Invasion“ und „Wir sind Hundert“, die auch auf deutschen Bühnen Erfolg haben.

Zur Popularität des Autors trägt aber auch das mediengerechtes Auftrete sowie der selbstironisch-unterhaltsamen Sprachduktus des großgewachsenen Mannes mit dem dunklen Teint und dem schwarzen, langen Haarschopf bei. Jede Lesung, davon konnten sich auch die deutschen Leser überzeugen, wird zu einem unterhaltsamen Event.

Der Sohn einer Schwedin und eines Tunesiers, geboren und aufgewachsen in Stockholm, studierte Wirtschaftswissenschaften und Literaturwissenschaft in Stockholm. Ein Studienaufenthalt führte ihn nach Paris und ein Praktikum bei den Vereinten Nationen nach New York.

An seinem Aufenthalt in Berlin schätzte er die Möglichkeit zum distanzierten Blick auf das eigene Herkunftsland: „Ich finde es sehr inspirierend, über Schweden zu schreiben und nicht dort zu sein. Es scheint mir einfacher, in die schwedische Sprache einzutauchen, wenn man in einer Stadt lebt, in der andere Sprachen gesprochen werden.“

Während seiner Zeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms trat er bei zahlreichen Lesungen und Festivals in Deutschland auf und informierte die Leser großer schwedischer Zeitungen über das Leben in Berlin. Die Stadt hat den polyglotten Autor offenbar nachhaltig beeindruckt. Auf seiner Homepage beschrieb er seinen Lebens- und Arbeitsraum nach Beendigung seiner Berliner Zeit als „irgendwo zwischen Stockholm und Berlin“.

Stand: 2011-01-10
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© 2012 Deutscher Akademischer Austausch Dienst e.V. (DAAD), Kennedyallee 50, D-53175 Bonn
Quelle: http://www.daad.de/alumni/netzwerke/vip-galerie/westeuropa/16183.de.html
Stand: 2012-05-16