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Michelle Bachelet
Chilenische Präsidentin
Jahresstipendium 1978, Humboldt Universität zu Berlin
"Die Wunden und Narben der Diktatur werden immer bleiben, und wir müssen lernen, mit ihnen zu leben.<"
„Ich vereinige alle Todsünden Chiles auf mich“, sagt Michelle Bachelet, die dieses Jahr als erste Frau das Präsidentenamt der als streng katholisch und konservativ geltenden Andenrepublik übernommen hat. Doch nur auf den ersten Blick überrascht der Weg der getrennt lebenden Atheistin, die drei Kinder von zwei verschiedenen Vätern hat, zur ersten Frau im Staat. Mit der Wahl Michelle Bachelets haben viele, vor allem jüngere Chilenen, ihren Wunsch nach einer moderneren Gesellschaft zum Ausdruck gebracht. Bachelet gilt als charismatisch, volksnah und durchsetzungsstark. Ihre Herangehensweise an die Politik beschreibt sie auf diese Weise: „Ich weiß, wie wichtig es ist, große Ideen konkret, praktisch, lebensnah umzusetzen.“
Michelle Bachelet wird 1951 in Santiago de Chile als Tochter des Luftwaffengenerals Alberto Bachelet und der Archäologin Angela Jeria geboren und wächst in verschiedenen Armeesiedlungen des Landes auf. Später tritt sie der „Sozialistischen Jugend“ bei und engagiert sich als Studentenführerin. Den Militär-Putsch im September 1973 erlebt sie vom Universitätsdach der medizinischen Fakultät aus. Ihr Vater, der nicht von Salvador Allende abrückt, wird gefoltert und stirbt wenig später an den Folgen. Im Januar 1975 verschleppen Geheimdienstkräfte Michelle und ihre Mutter in die berüchtigte Villa Grimaldi, wo man sie brutal verhört. Sozialistischen Funktionären gelingt es jedoch, mit Hilfe ausländischer Regierungen soviel Druck auf das Regime auszuüben, dass es Michelle und ihrer Mutter die Ausreise gestattet. Über Australien flüchten die beiden Frauen in die DDR.
In Leipzig beginnt Bachelet im selben Jahr ein Germanistikstudium. Später heiratet sie den chilenischen Architekten Jorge Dávalos, den Vater ihrer beiden älteren Kinder, und setzt an der Humboldt-Universität Berlin ihr Medizinstudium fort. An ihrer Zeit in Deutschland schätzt sie, sich einer fremden Gesellschaft geöffnet zu haben: „Ich habe den Wert von Arbeit und Effizienz kennen gelernt.“ Nach vier Jahren in Deutschland kehren Michelle Bachelet und ihre Familie 1979 nach Chile zurück, wo sie drei Jahre später ihr Studium als Chirurgin mit einer Zusatzausbildung zur Kinderärztin beendet.
Nach dem Sturz Pinochets 1990 engagiert sie sich in Organisationen von Angehörigen der Diktaturopfer. Zwischen 1994 und 1997 arbeitet sie im Gesundheitsministerium, bis sie schließlich im Jahr 2000 von Präsident Lagos zur Gesundheitsministerin ernannt wird. Im Jahr 2002 – Bachelet hat Mitte der neunziger Seminare über Strategie und Sicherheitspolitik in Santiago und in Washington besucht – übernimmt sie, die sozialistische Tochter eines ermordeten Generals, die Führung der chilenischen Streitkräfte. In kurzer Zeit und gegen viele Widerstände erwirbt sie sich deren Respekt und es gelingt ihr, die Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur entscheidend voranzubringen.
Stand: 2010-06-02