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Gestern Stipendiat - und heute?
Markus Weis
Maler
Jahresstipendium an der Universität „La Sapienza“ in Rom 1991/1992
"Mein Aufenthalt in Rom war eine Wendezeit in meinem Leben – dort beschloss ich, Künstler zu werden."
Eine Stuhllehne, ein gemusterter Seidenschal, ein Vorhang – in den Bildern des Malers Markus Weis kann der Betrachter Vertrautes mit neuen Augen sehen. Die Räume, die der Künstler kreiert, sind menschenleer, wirken irreal stilisiert und realistisch wie Fotografien zugleich. „Er befreit die Dinge von ihrer Raum durchschreitenden, zeitlich-kulturellen Dimension“, sagte eine seiner Kuratorinnen einmal über den Maler, der auf Umwegen zur Kunst kam.
Markus Weis begann 1989, Geschichte und Literaturwissenschaft in Gießen zu studieren. „Nebenbei habe ich mich auch mit Kunstgeschichte und Philosophie beschäftigt, also eine Art Studium Generale absolviert“, sagt der heute 43-Jährige. Als er 1991 für ein Jahr als DAAD-Stipendiat an die Universität „La Sapienza“ in Rom ging, wollte er auf den Spuren von Italienreisenden wie Johann Wolfgang von Goethe, Ingeborg Bachmann und Max Frisch wandeln. „Doch für meine wissenschaftliche Arbeit war der Aufenthalt in Rom nicht sonderlich gewinnbringend“, sagt Markus Weis. „Besonders die umständliche bürokratische Organisation an der riesigen Universität hat mich gestört.“ Spannende Vorlesungen im Fach Kunstgeschichte und die kulturelle Fülle Roms führten Markus Weis zu einem wichtigen persönlichen Schritt: Er entschloss sich, Künstler zu werden. Er ließ sich von den Werken der großen Renaissancekünstler wie Tizian, Michelangelo und Raffael inspirieren und experimentierte: So entstanden flüchtige Bilder mit breiten Pinselstrichen.
Nach seiner Rückkehr aus Rom bewarb sich Markus Weis an verschiedenen Kunsthochschulen und landete im niederländischen Arnheim. „Gemalt habe ich schon mein ganzes Leben lang“, sagt er. „Doch ich habe immer das Gefühl gehabt, dass ich die Technik noch nicht ausreichend beherrsche, um Künstler zu sein.“ Beim intensiven Feilen an den Techniken des Malens fand Markus Weis schnell zu seinem eigenen Stil, der mit den „wilden Bildern aus der Zeit in Rom“ fast nichts mehr gemein hat. Seine Interieurszenen erinnern in ihrer enormen Präzision und Lebendigkeit eher an Stillleben des holländischen Barock. „Die Auseinandersetzung mit den großen holländischen Meistern wie Vermeer und Rembrandt hat mein Schaffen stark geprägt“, sagt Markus Weis.
Derzeit arbeitet der gebürtige Koblenzer, der heute in Berlin lebt, an einer neuen Bilderserie und wagt sich auf unbekanntes Terrain. „Im Gegensatz zu meinen bisherigen Werken werden die neuen Bilder von Menschen regelrecht bevölkert“, sagt er. Immer häufiger arbeitet Markus Weis nach Fotos. Noch realistischer werden die neuen Gemälde, die Innenräume schematischer. 2010 soll die Serie erstmals ausgestellt werden.
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