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Europa


György Konrád
Schriftsteller
Präsident der Berliner Akademie der Künste 1997-2003
Gast des Berliner Künstlerprogramms 1977/78

"Als Akademie-Präsident hatte ich die Chance, den Dialog zwischen Intellektuellen im Westen und Osten in Gang zu setzen."

György Konrád war 1997 der erste Ausländer, der zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt wurde. Anfang September 2003 gab der ungarische Schriftsteller das Amt an seinen Nachfolger, den Schweizer Literaten Adolf Muschg, ab. Berlin war für Konrád seit mehr als 30 Jahren so etwas wie eine zweite Heimat. In Ungarn hatte er Publikationsverbot, als er 1977 als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD zum ersten Mal nach Deutschland kam.

Als Sohn eines jüdischen Eisenwarenhändlers 1933 in Debrecen geboren, verlor er einen großen Teil seiner Familie in Auschwitz. Nach dem Krieg studierte er in Budapest Literatur, Soziologie und Psychologie. 1956 nahm er am ungarischen Volksaufstand teil und setzte sich auch danach aktiv für die Demokratisierung Ungarns ein. Er arbeitete als Fürsorger und Soziologe und fand 1969 internationale Anerkennung mit seinem Romandebüt „Der Besucher“.

Mit seiner kompromisslosen Sozialkritik stieß er bei der Kommunistischen Partei schon früh auf Argwohn. 1974 wurde er verhaftet, kam nach weltweiten Protesten wieder frei, durfte in seiner Heimat aber nicht mehr publizieren. Stipendien führten ihn in die USA und nach West-Berlin. In Berlin entstand sein Roman „Der Komplize“ (1978). In all seinen Werken - sowohl in den Romanen „Geisterfest“ (1986), „Melinda und Dragoman“ (1991) „Der Nachlass“ (1999) als auch in den zuletzt erschienenen autobiogaphischen Romanen „Glück“ (2003) und „Sonnenfinsternis auf dem Berg“ (2005) - beschäftigen Konrád die Themen Freiheit und Menschenwürde.

Zahlreiche politische Essays machten ihn als Theoretiker eines neuen Europas bekannt. Seit langem gilt er als bedeutender Brückenbauer zwischen Mittelost- und Westeuropa. Dafür wurde er 1991 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2001 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. 1990 wurde er Präsident des Internationalen Schriftstellerverbandes PEN. In Berlin erhob Konrád mit seiner nachdenklichen Beharrlichkeit gern die Stimme in politischen Diskussionen – sei es gegen das lange umstrittene Holocaust-Mahnmal oder gegen den Kosovo-Krieg. Die Berliner Akademie der Künste öffnete sich unter seiner Präsidentschaft vor allem dem Dialog mit den Intellektuellen in Mittel- und Südosteuropa.

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