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Südamerika

María Cecilia Barbetta
Schriftstellerin
Promotionsstipendium 1996-2000 Freie Universität Berlin

"Auf Deutsch zu schreiben, macht mich glücklich"

Die deutsche Sprache ist für die Argentinierin María Cecilia Barbetta wie eine „Geliebte“, deren „Geheimnisse“ sie ständig zu ergründen sucht. „Auf Deutsch zu schreiben, macht mich glücklich“, sagt sie. So hat die 1972 geborene Schriftstellerin ihren ersten Roman, „Änderungsschneiderei Los Milagros“ in deutscher Sprache vorgelegt. Das Debüt brachte der Wahlberlinerin nicht nur hohes Lob der Literaturkritik, sondern auch gleich zwei Preise ein: den begehrten aspekte-Literaturpreis des Zweiten Deutschen Fernsehens und den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, den die Robert Bosch Stiftung für herausragende deutschsprachige Werke von Autoren vergibt, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

„Meine Familie hatte keinen Bezug zu Deutschland“, erzählt die Autorin. Dennoch wuchs sie „mit dem Klang der deutschen Sprache“ auf. „Meine Eltern hielten die deutsche Schule in Buenos Aires für besser als die argentinischen“. Die Entscheidung für das Studium Deutsch als Fremdsprache fiel zunächst ganz pragmatisch: „Englisch können viele Argentinier, Deutsch dagegen ist seltener.“

Erst während des Studiums in Buenos Aires „verliebte“ sie sich in die deutsche Sprache – so sehr, dass sie 1996 als DAAD-Stipendiatin zum Germanistikstudium an die Freie Universität Berlin kam. Dort promovierte sie im Jahr 2000 und beschloss, in Berlin zu bleiben. „In Deutschland fühlte ich mich frei. Die neue Stadt und die neue Sprache gaben mir die Möglichkeit, mich völlig neu zu definieren“, erinnert sich Barbetta.

Fünf Jahre lang unterrichtete sie Spanisch an der Universität in Frankfurt/Oder. Als sie 2005 arbeitslos wurde, begann sie zu schreiben. Ein Stipendium des Berliner Senats sicherte ihr den Lebensunterhalt. Weitere Künstlerstipendien folgten.

Beim Schreiben knüpft die Autorin an die großen Erzähler Lateinamerikas und des magischen Realismus an. Mit dem Neo-Phantastischen in der Literatur hatte sie sich bereits in ihrer Doktorarbeit beschäftigt. In ihrem Roman erzählt sie mit großer Fabulierlust und Originalität die turbulenten Ereignisse um die junge Schneiderin Mariana, die für eine gleichaltrige, ihr sehr ähnliche Frau ein Hochzeitskleid umändert. Der Roman wechselt zwischen Traum und Realität und spielt auf verschiedenen Bedeutungsebenen mit Assoziationen, Wörtern und Lauten. Barbetta, die mit einem argentinischen Künstler verheiratet ist, hat beim Schreiben „immer Bilder im Kopf“. So ist der Text mit einer Fülle von Abbildungen wie Stoffmustern, Stadtplänen, Kreuzworträtseln oder Comics verwoben – und das Buch ein Gesamtkunstwerk.

Kein Zweifel besteht für die Argentinierin, dass auch ihr nächster Roman in deutscher Sprache geschrieben wird. Seit 2007 besitzt sie zwei Pässe, neben dem argentinischen auch den deutschen. Als sie in Berlin den deutschen Pass entgegen nahm, „war das so feierlich wie bei einer Hochzeit“, erzählt Barbetta. Auf jeden Fall war es für sie nicht nur ein bürokratischer Akt, sondern eine Herzensangelegenheit.

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