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Südamerika

Huáscar Barradas
Musiker und Professor an der Musikhochschule in Caracas
Jahresstipendium 1990/91 Hochschule für Musik Frankfurt am Main

„Meine Flöte und ich, ich und meine Flöte – wir sind unzertrennlich.“

Wenn der venezolanische Flötist Huáscar Barradas in Deutschland ein Konzert gibt, geraten die Kritiker ins Schwärmen. Kritiker loben seine Technik, die mitreißende Interpretation seines Vortrages und vor allem seine künstlerische Vielseitigkeit. Barradas ist ein Vollblut-Musiker, dem Schubladen-Denken völlig fremd ist und dessen interpretatorische Bandbreite von Bach bis zu den Beatles reicht. Er ist als Solist ebenso erfolgreich wie als Orchestermusiker, spielt Kammermusik ebenso wie zeitgenössische Musik, ist mit traditionellen Volksweisen genauso vertraut wie mit Flamenco, Jazz oder afrikanischer Musik.

Die Beziehung zu seinem Instrument schildert er selbst als eine Art Liebe auf den ersten Ton, die bereits im Alter von neun Jahren begann. Der Faszination des Flötenklangs hat den vielseitig musikalisch gebildeten Barradas nie mehr losgelassen: „Meine Flöte und ich, ich und meine Flöte – wir sind unzertrennlich“, sagt er. 1993 – als er schon längst akademische Weihen als Musiker hatte – gründete er mit weiteren venezolanischen Musikern die Gruppe „Huáscar Barradas und Maracaibo“, die bereits sechs CDs mit zeitgenössischer venezolanischer Volksmusik herausgebracht hat. Ihre Musik gilt als experimentierfreudig, quicklebendig, modern und dennoch in der Tradition und Kultur von Barradas’ Heimatstadt Maracaibo verwurzelt. Als Musiker ist Barradas aber ebenso auf den Bühnen der ganzen Welt zu Hause: Er spielte in den USA, in Japan, Deutschland, Frankreich, England, Spanien, Italien, in der Schweiz und in der Türkei, in Kolumbien, Peru, El Salvador, auf Aruba und Martinique. Zu Deutschland hat der 1964 geborene Barradas eine ganz besondere Beziehung: „Deutschland ist mein zweites Vaterland“, sagt er. Von September 1989 bis November 1994 war er in Deutschland. Zuerst lernte er sechs Monate Deutsch am Goethe Institut in Göttingen, dann studierte er an der Musikhochschule in Frankfurt. Die Gesellschaft zur Förderung der Berufsbildung junger Künstler e. V. ermöglichte ihm nach seinem DAAD-Stipendium Solo-Auftritte und Orchester-Konzerte im ganzen Land. „Ich denke, dass ich mindestens in 40 verschiedenen Städten gespielt habe“, erinnert sich Barradas.

„Meinem Studienaufenthalt in Deutschland habe ich viel zu verdanken“, ist er überzeugt. Denn trotz erfolgreichem Studium in Venezuela und in den USA sowie eines Engagements als Soloflötist beim Sinfonieorchester von Maracaibo stand es für den jungen Musiker fest, dass er seine künstlerische Ausbildung vertiefen wollte. Deutschland, die Heimat von Bach und Beethoven, ein Land mit großer musikalischer Tradition, mit „den besten Orchestern der Welt und mit den besten Lehrern“ war für ihn die erste Wahl. „Ich wollte bei einem der „Stars“ der Barock-Musik und Historischen Aufführungspraxis studieren, bei Michael Schneider“, sagt Barradas. Schneider sei sein „großer Meister“, von dem er viel gelernt habe. Auch nach seinem Stipendium trat er noch mehrmals in Deutschland auf, gab Konzerte und Meisterkurse. Als Professor an der Musikhochschule in Caracas und Profimusiker ist er viel beschäftigt, doch der Kontakt zu Deutschland ist nie abgebrochen. „Ich fühle mich dort absolut zu Hause. Und während der Fußballweltmeisterschaft schlägt mein Herz für Deutschland.“

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